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«Die Niederlage wirft YB nicht weit zurück»

Stefan Niedermaier ist seit 2005 für die Young Boys und das Stade de Suisse verantwortlich. Der Berner Oberländer erklärt, wie schmerzhaft die Niederlage gegen Sion sei. Der 46-Jährige sagt aber auch, sie werfe YB nicht weit zurück.

Vor dem Spiel präsentierte sich ganz Bern in Gelb-Schwarz.
Vor dem Spiel präsentierte sich ganz Bern in Gelb-Schwarz.
Jonathan Spirig
Um 15.00 Uhr hatte es erst wenige Zuschauer auf dem Bundesplatz.
Um 15.00 Uhr hatte es erst wenige Zuschauer auf dem Bundesplatz.
Jonathan Spirig
Nach dem Abpfiff: Die YB-Fans verlassen den Bundesplatz mit hängenden Köpfen.
Nach dem Abpfiff: Die YB-Fans verlassen den Bundesplatz mit hängenden Köpfen.
Jonathan Spirig
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Sie haben sich Auffahrt wahrscheinlich anders vorgestellt.Stefan Niedermaier: Ich hätte mich gefreut, wenn ich mit mehr Kopfweh aufgewacht wäre.

Nach der bitteren Cupfinalniederlage dürften Sie nun Bauchweh haben... ...In so einem Spiel muss man mit allem rechnen. Es ist klar, dass die Niederlage jedem YB-Sympathisanten auf den Magen schlägt.

Wie haben Sie die Spieler nach der Enttäuschung erlebt? Jeder liess den Kopf hängen, alle fühlten sich leer. Es gab bei uns Angestellte, die weinten. Ich war in erster Linie damit beschäftigt, zu trösten. Bei uns haben viele Menschen sehr viel Energie in den Cupfinal gesteckt. Dann ist es natürlich besonders bitter, zu scheitern.

Wie hat die Mannschaft den Schock verarbeitet? Ratlosigkeit ist das treffende Wort. Jeder Spieler verarbeitet eine solche Enttäuschung auf seine Art. Es gab solche, die redeten und redeten. Andere waren mucksmäuschenstill. Und einige stellten sich vor allem Fragen nach dem Wie und Warum.

Haben Sie Antworten? Eine detaillierte Begründung für das, was zwischen dem 2:0 und dem 2:3 passiert ist, findet man nicht einfach so über Nacht. Jeder Spieler muss sich Gedanken darüber machen, weshalb er die Leistung nicht nach Wunsch gebracht hat. Details führten dazu, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Nach Sions Tor zum 2:1 haben alle im Stadion vibriert. Auch unsere Spieler.

Sions Präsident Christian Constantin hat im Vorfeld des Endspiels wie ein Wilder Stimmung gemacht und damit Druck vom Team genommen. Bei YB hatte man den Eindruck, dass alles seinen gewohnten Lauf nahm. Das machten wir bewusst so. Am Freitag sprach ich mit dem Spielerrat. Trainer und Spielerrat ermunterten mich, am Montag vor der ganzen Mannschaft zu reden. Damit hatte es sich. Am Dienstag und Mittwoch verzichteten wir auf besondere Aktionen.

War das – im Nachhinein betrachtet – ein Fehler? Nein. Nochmals: Wir haben bewusst auf lächerliche Tricks verzichtet. Auch im Hotel Bern, wo das Team in der Nacht auf Mittwoch untergebracht war, gab es keine Reden, keinen speziellen Besuch und keinen, der mit einem Check in der Luft herumgewedelt hätte. Ich glaube, solche Sachen hätten nicht zu YB gepasst.

Christian Constantin... ...ich glaube, er hat sich in den letzten Tagen selber geschadet. Der Fussball geht auch nach dem Cupfinal weiter. Es war höchst bedenklich, mit welchen unsportlichen Mitteln die Gesetze des Sports bedrängt wurden.

Wie meinen Sie das? Wir wollen faire Verlierer sein, wir haben Sion zum Sieg gratuliert. Aber das «Rösslispiel», das vor dem Final in Gang gesetzt wurde, war hundslausig. Das war gar nicht gut für den Sport. Es kann doch nicht sein, dass man einen Cupfinal unter Protest spielt, weil man mit der Nomination des Schiedsrichters nicht einverstanden ist.

Zogen Sie Gegenmassnahmen in Betracht? Ja, wir prüften, ob es sinnvoll ist, ebenfalls unter Protest zu spielen. Constantin hat den Schiedsrichter vor dem Spiel massiv beeinflusst. Aber wir verzichteten darauf, Einspruch zu erheben.

Ist YB zu lieb für grosse Siege? Als ich kam, hatte YB eher ein Bad-Boys-Image. Wir haben daran gearbeitet, das Erscheinungsbild zu verbessern. Wir wollen nicht alles kommentieren und auch nicht stets lamentieren. Das wären nicht wir. Ein scharfes, böses YB-Profil würde nicht zu Bern passen.

Welche Folgen wird der Rückschlag vom Mittwoch haben? Ich glaube nicht, dass er negative Auswirkungen haben wird. Wir sind als Ganzes viel weiter, gefestigter als vor drei Jahren nach der letzten Cupfinal-Niederlage. Ich habe am Mittwochabend nicht eine einzige negative SMS erhalten. Der Tenor war folgender: «Macht weiter so, aber holt bald einen Titel». Daran arbeiten wir – trotz Enttäuschung vom Mittwoch.

Haben Sie keine Bedenken, die Niederlage könnte sich finanziell auswirken? Nein, das glaube ich nicht. Im Fall eines Sieges hätten sich uns viele Türen geöffnet. Bern wäre wohl noch gelber geworden, und wahrscheinlich hätten wir 1000, 1500 Abonnemente mehr verkaufen können. Im vorliegenden Fall haben wir ein sehr wichtiges Spiel in einem zusätzlichen Wettbewerb bei 50:50 Prozent Chancen verloren. Trotz dieser schmerzhaften Niederlage darf man das Ganze nicht aus den Augen verlieren.

Dennoch: Es könnte sein, dass sich Sponsoren abwenden. Die UBS hat vor geraumer Zeit Ihre Ganzjahres-Logenmiete für 250'000 Franken gekündigt. Der Vertrag läuft aus und wird nicht verlängert. Das ist zwar schmerzhaft, macht uns aber nicht nervös. Bekommen Sie die Finanzkrise nicht zu spüren? Im Fussball schlägt sie sich weniger nieder als in anderen Bereichen. Das Vergnügen lassen sich die Leute trotz Wirtschaftskrise nicht nehmen. Im Betrieb des Konferenzcenters haben wir Rückläufe, auf die wir bereits reagiert haben, indem wir einige Abgänge nicht vollumfänglich kompensiert haben.

Der Cupsieg hätte Ihnen Sicherheit geboten. Das stimmt. Wir hätten Planungssicherheit gehabt. Für mich hätte der Cupsieg bedeutet, jede Nacht eine halbe Stunde mehr Schlaf zu finden.

YB steht einmal mehr als Verliererteam da, als Mannschaft, die im wichtigsten Moment nicht auf der Höhe der Aufgabe war. Die Leistung im Cupfinal war ungenügend, das stimmt. Aber es wäre nun falsch, alles negativ zu sehen. Wir haben seit August viele Big Points gemacht. In der Meisterschaft haben wir gleich viele Punkte wie im Vorjahr – trotz Fehlstart. Ich bin überzeugt, dass wir ein stabiles Gebilde haben. Die Mannschaft ist gut, das kann man nicht wegdiskutieren. Aber sie muss weiter hart an sich arbeiten, gerade auch im mentalen Bereich, und Fortschritte erzielen. Eine Erfahrung wie am Mittwoch, so schmerzhaft sie auch ist, macht die Spieler stärker.

Wie geht es mit YB nun weiter? Wir nehmen den sportlichen Kampf sofort wieder auf und wollen in der Meisterschaft noch Zweiter werden.

Das Spiel am Sonntag gegen Luzern dürfte heikel werden. Es wird ein Charaktertest für die Spieler und unsere Fans sein. Ich zähle auf beide.

Apropos Zuschauer: Im Final wurden im YB-Sektor einmal mehr Pyros gezündet. Wir machen sehr viel, um das Abbrennen von Pyros im Stadion zu verhindern. Aber einigen Idioten gelingt es immer wieder, solche Gegenstände ins Stadion zu schmuggeln. Im Moment ist offenbar eine Verschiebung im Gang: 15-, 16-jährige Besucher kommen mit grausamer Energie ins Stadion. Sie gehören keiner Fanorganisation an, leben aber an Grossveranstaltungen ihre Aggressionen aus.

In der Innenstadt kam es einmal mehr zu Krawallen. Es ist tragisch, dass einige Chaoten das Bild eines schönen Spiels vor schöner Kulisse arg verunstalten.

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