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Die Machenschaften von Christian Constantin

Das viermonatige Platzverbot gegen den Sion-Präsidenten sorgt für rote Köpfe. Ulrich Huber, Mitglied der SFV-Straf-kommission, und Schiedsrichterchef Urs Meier äussern sich.

pwy
«Wir kämpfen um Gerechtigkeit»: Christian Constantin
«Wir kämpfen um Gerechtigkeit»: Christian Constantin

Im Juli 2006 sprach die Kontroll- und Strafkommission des Schweizerischen Fussballverbandes gegen Sions Vereinspräsidenten Christian Constantin für Tätlichkeiten, die er im Dezember 2004 gegen Schiedsrichter Markus von Känel und dessen Assistenten José Antonio Gonzalez begangen hatte, einen 30 Monate dauernden Boykott aus. Damals hiess es, Constantin dürfe während dieser Zeit keinerlei Funktionen in einem Fussballklub haben. Am Mittwoch nun revidierte das Verbandssportgericht des SFV das angefochtene Urteil: Constantin wird lediglich mit vier Monaten Platzsperre belegt, dazu muss er 5000 Franken Busse zahlen.

Das sorgt nun für rote Köpfe. Urs Meier, der Chef der Schiedsrichter, fragt: «Was wäre passiert, wenn ein Schiedsrichter einen Funktionär zu Fall gebracht hätte? Er wäre monatelang aus dem Verkehr gezogen worden, sicher ein Jahr. Im Fall von Constantin sehe ich die Strafe absolut nicht. Wenn das Platzverbot am 15. Oktober beginnt, ist das fragwürdig. Im Dezember und Januar wird bei uns ja nicht besonders oft Fussball gespielt.» Und: «Hätte sich die Fifa oder die Uefa damit befassen müssen, wäre das Urteil wesentlich härter ausgefallen. Man redet vom Schutz der Schiedsrichter, setzt das aber nicht um. So wird uns sicher nicht geholfen.»

Auf Schadenersatz eingeklagt

Kein Verständnis bringt Ulrich Huber dafür auf, dass Constantins Strafe erheblich geringer ausfällt. Huber ist Mitglied der Kontroll- und Strafkommission, die gegen Constantin 2006 eine zweieinhalbjährige Sperre aussprach. Huber lernte die Machenschaften des Wallisers so kennen: «Er hat jedes der zehn Mitglieder unserer Kommission Ende September 2006 auf Schadenersatz in der Höhe von einer Million Franken eingeklagt.» Constantin bestätigt das: «Diese Leute haben mir Unrecht getan, darum habe ich die Klage angestrengt. Die 30 Monate Boykott waren absolut ungerechtfertigt. Das Zivilgericht hat mich schliesslich vom Vorwurf, den Schiedsrichter-Assistenten in den Unterleib getreten zu haben, freigesprochen.» Diese Forderung sei nun hinfällig geworden.

Huber berichtet weiter davon, dass Constantin im Vorfeld des Urteils des Verbandssportgerichts (VSG) aktiv geworden sei. Er habe ein Abkommen getroffen und versprochen, einen namhaften Betrag für die Ausbildung der Schiedsrichter zu stiften. «Als Gegengeschäft bekam er vom VSG das Geschenk in Form eines äusserst gnädigen Urteils», sagt Huber, der sich als Vorstandsmitglied des Fussballverbandes Region Zürich die Frage stellt: «Wie soll man einem Funktionär aus den unteren Ligen ein solches Urteil plausibel erklären?» Er überlegt sich nun, den Fall nicht für abgeschlossen zu betrachten, sondern weiterzuziehen: «Wir kämpfen um Gerechtigkeit.» Constantin wiederum sieht das Beinstellen gegen Von Känel nicht als vorsätzlich: «Ich vergleiche das mit dem Strassenverkehr: Ich habe den Vortritt missachtet.»

Urs Meier indes sieht keinen Sinn mehr, weiter Energie zu investieren: «Der Vorfall liegt mittlerweile fast vier Jahre zurück. Es ist traurig, was passiert ist. Und man hat es verpasst, ein Signal zu setzen.» Dass seine Abteilung von Constantin Geld bekommen soll, ist für ihn nichts als ein schwacher Trost.

(ta)

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