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«Die Champions League ist das Dessert – ich habe YB im Kopf»

Nationalspieler Benjamin Huggel ist beim FC Basel eine unumstrittene Leader- und Integrationsfigur. Der 31-Jährige spricht über den nationalen Fussball, die Young Boys und seine Motivation, in der Schweiz weitere Titel zu sammeln.

Peter M. Birrer

Der FCB geht als souveräner Leader in das zweite Viertel, der Kurs weist schon früh Richtung Titelgewinn. Wer kann Basel überhaupt noch gefährlich werden?

Das ist eine Frage, mit der ich mich nicht auseinandersetze, weil wir erst 9 von 36 Runden hinter uns und noch einen ganz langen Weg vor uns haben. Dass es jetzt schon heisst, wir seien Meister, ist nicht unsere Sache. Wir reden und denken sicher nicht so.

Aber es sieht nicht danach aus, dass sich Basel aufhalten liesse.

Ich denke nicht an morgen, sondern nur an heute. Und heute ist für mich das Spiel gegen YB am Samstag. Wir haben im letzten Frühling zu spüren bekommen, dass auch wir in Schwierigkeiten geraten, wenn wir das Gefühl haben, mit halber Kraft durch die Super League zu kommen.

Müssen Sie das in Ihrer Funktion als Routinier Ihren Kollegen gelegentlich klarmachen?

Ich habe während meiner Zeit bei Frankfurt in Sachen Einstellung hinzugelernt. Im Ausland bin ich in dieser Hinsicht gereift. Es darf nicht sein, dass einem Gegner kein Respekt entgegengebracht wird. In Frankfurt hatten wir weniger englische Wochen, dafür musste jeder mehr Gas im Training geben, um am Wochenende dabei sein zu können. Das habe ich mit nach Basel genommen. Ich will immer gewinnen. Also auch im Training.

Ist es für Sie wirklich eine Motivation, bis am Ende Ihrer Karriere noch ein paar Meistertitel in der Schweiz zu holen? Oder wird das mit dem FC Basel nicht irgendwann zur Normalität?

Eines ist klar: Der FCB wird nicht plötzlich in der Bundesliga mitmachen können, und das wird in den nächsten 20 Jahren auch so bleiben. Darum ist es für einen Fussballer, der in der Super League spielt, das Grösste, Schweizer Meister zu werden. Meine Motivation besteht primär darin, jeden Match zu gewinnen. Je häufiger das gelingt, desto grösser ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass man Meister wird. Ich bin Profi, weil ich ehrgeizig bin. Natürlich hat der FCB das grösste Budget. Aber das heisst bei weitem nicht, dass damit auch der Titel abonniert ist. Ich kann nicht verstehen, dass ein Verein wie GC, immerhin der Rekordmeister, letzte Saison den fünften Platz als Ziel ausgeben konnte. Egal, welche Umstände herrschen: Ich würde mir diesbezüglich etwas mehr Selbstbewusstsein wünschen.

Letztes Jahr wurde es ziemlich knapp, weil YB eine starke zweite Saisonhälfte hinlegte...

...das ist so, und dann kam es zur Finalissima, die mir noch sehr präsent ist. Dieser 2:0-Sieg war eines der Highlights meiner Karriere. Nach dem Spiel bin ich kurz in Tränen ausgebrochen, weil die ganze Anspannung weg war. Dieser Titel war mit der schönste, den ich gewann.

Warum?

Weil ich zusammen mit Marco Streller vergangene Saison zurück nach Basel kam und unsere Namen mit der Erwartung verknüpft wurden, dass der FCB endlich wieder Meister wird. Es war eine gewaltige Erlösung, dass wir den Anforderungen gerecht wurden. Und die Tatsache, dass es gegen YB ein echter Final war, machte den Sieg noch schöner.

Trotzdem wird immer wieder darüber diskutiert, wie gut der Schweizer Fussball wirklich ist.

Diese Diskussion interessiert mich nicht. In unserem Land haben wir beschränkte Möglichkeiten, was die Finanzen angeht. Und ich halte die Schweizer für ein polysportives Volk. Der Fokus richtet sich nicht wie in anderen Ländern so extrem auf den Fussball. Aber wir müssen uns deswegen nicht verstecken.

Ausser die Schweiz verliert gegen Luxemburg.

Das war ein schlimmer Moment, auch für mich als Tribünenzuschauer. Ich habe mich am Ende nicht einmal mehr aufgeregt, sondern war sprach- und hilflos, und als sich die Häme über uns ergoss, fühlte ich mich natürlich auch betroffen, obwohl ich nicht auf dem Platz gestanden war. Aber wir haben mit Basel auch gezeigt, dass wir für andere Schlagzeilen sorgen können, indem wir uns für die Champions League qualifiziert haben.

Gegen Donezk wurden allerdings die Limiten gleich deutlich aufgezeigt. Die Niederlage war viel klarer, als das 1:2 vermuten lässt.

Ich kann nicht widersprechen. Aber wir haben auch unser Niveau nie erreicht. Ausserdem hat man jetzt gesehen, dass die Ukrainer, das vermeintlich schwächste Team, eben doch nicht so schwach sind. Im Gegenteil. Ich schaue vorwärts und glaube, dass wir gut genug sind, um gegen die anderen Mannschaften zu punkten – wenn wir die gemachten Fehler abstellen und uns spielerisch steigern.

Haben Sie Sporting Lissabon bereits im Hinterkopf?

Die Champions League ist das Dessert – ich habe YB im Kopf. Die Liga ist das tägliche Brot.

Gegen YB begann für den FCB in Bern die Saison. Sie sassen auf der Bank, wurden eingewechselt und schossen das Siegertor.

Es war eine aufwühlende Partie. Dass der Trainer mich auf die Bank setzte, kratzte an meinem Stolz, ja, es machte mich hässig. Ich habe mir gesagt: Wenn ich zum Einsatz komme, dann mache ich etwas Entscheidendes. So ist es denn auch gekommen.

Ebenso hässig waren Sie, weil nicht Sie neuer FCB-Captain wurden, sondern Franco Costanzo.

Ich hätte das Amt gerne übernommen, als gebürtiger Basler sowieso. Aber der Ärger ist verraucht, das Thema ist abgehakt.

Und jetzt steigen Sie ausgeruht ins YB-Spiel. Der Trainer gab Ihnen und weiteren Stammspielern am Cup-Wochenende frei.

Ich bin Christian Gross dankbar, dass er mir vier freie Tage gegönnt hat. Das heisst aber auch, dass ich mich mit Leistung dafür revanchiere.

Wie gut ist YB in dieser Saison?

Besser, als es die Tabelle vermuten lässt. YB hat uns letzte Saison stark gefordert, hat aber den Verlust von Hakan Yakin nicht kompensieren können. Aber wir müssen vorsichtig sein. Jetzt haben die Young Boys auf einmal einen Marco Schneuwly, der Tor um Tor schiesst. Und mein Kumpel Thomas Häberli kehrt auch zurück. Wir stellen uns auf eine heikle Aufgabe ein.

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