Die Berner Siegesstatue

Guillaume Hoarau ist der Mann der YB-Woche. Am Mittwoch verlängerte der Franzose seinen Vertrag bis 2018, am Donnerstag feierte er seinen 31.Geburtstag, am Sonntag brillierte er gegen Sion.

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Fabian Ruch

Was macht dieser Spieler eigentlich in der Super League?

Guillaume Hoarau, so viel lässt sich behaupten, besitzt das Potenzial, um in einer europäischen Topliga zu glänzen. Am Sonntag, beim 3:2-Heimsieg gegen Sion, bewies der Franzose erneut seinen Wert für YB. Er schoss zwei herrliche Tore, wobei ihm nicht einmal der schönste Treffer der unterhaltsamen Veranstaltung gelang (diese Ehre gehörte Sions Carlitos mit seinem 30-Meter-Kunstschuss) – und hätte fünfmal einnetzen können. Hoarau reüssierte mit einem wuchtigen Volleyschuss und einem spektakulären Torpedokopfball fast von der Strafraumgrenze – und sorgte für den Unterschied gegen ein lange Zeit bescheidenes Sion.

Vergleich mit Tihinen

Mit seiner Galavorstellung krönte Hoarau für ihn wunderbare Tage. Am Mittwoch verlängerte er seinen Vertrag bei YB bis 2018 (und lud zur Würdigung der Nachricht alle Mitspieler und deren Partnerinnen zum Essen ein). Am Donnerstag feierte der Angreifer seinen 31.Geburtstag (und lud bestimmt ein paar Kollegen und deren Partnerinnen zum Zelebrieren ein), gestern entzückte er mal wieder die YB-Anhänger (und vielleicht auch deren Partnerinnen). Und so stand Hoarau wie gewohnt im Mittelpunkt, wobei er lieber Tore und Taten und Tricks als Worte sprechen liess. Die drei Punkte seien wichtig, man wolle Rang 2 halten, meinte er, «aber wir sollten nach einer 2:0-Führung ruhiger bleiben». YB habe halt ein junges Team, da müsse man sich in Zukunft besser verhalten.

Andere waren euphorischer. Fredy Bickel etwa, der Sportchef, schwärmte: «Er ist unglaublich, auf dem Platz, im Training, in der Kabine. Wir sind alle begeistert von ihm.» Bickel sagte, er habe als Sportchef nur einen Ausländer mit solcher Persönlichkeit erlebt, das sei der Finne Hannu Tihinen beim FCZ gewesen. «Es ist fantastisch, wie sich Hoarau auch um die jungen Spieler kümmert.»

Guillaume Hoarau, der Solist im Sturm, ist ein Teamplayer, nichts dokumentiert das besser als sein Jubel, der ihn oft zur YB-Bank führt, wo die Ersatzleute sitzen, deren Bedeutung fürs Team er betonen will. Gestern setzte sich Hoarau auf den Schoss von Marco Bürki und jubelte mit ihm.

Gefeiert wie am Geburtstag

Und so bleibt für YB zu hoffen, dass dieser Ausnahmekönner noch lange bleibt. Interessenten gab es genug, noch während der Sitzung, als die Unterschriften unters neue Vertragswerk gesetzt wurden, gingen laut Bickel Angebote anderer Vereine ein. Der Sportchef sagte, er habe nach Bekanntgabe der Vertragsverlängerung mehr Glückwünsche erhalten als an seinem Geburtstag. «Es ist ein absoluter Glücksfall, dass er bleibt», meinte Bickel, ehe er verärgert ergänzte: «Und er ist jeden Rappen wert.» YB ist sauer aufgestossen, war in den Medien die Schreibe von einem Jahreslohn Hoaraus von weit über einer Million Franken. Rechnet man Prämien dazu, ist diese Annahme aber kaum falsch, zudem erhielt Hoarau für seinen Verbleib ein nettes Handgeld. Ein Fussballer seiner Sonderklasse bewegt sich nun einmal in diesen Gehaltsdimensionen.

Und auf dem Transfermarkt hätte YB für einen angemessenen Ersatz ohnehin eine Ablösesumme von mehreren Millionen aufbringen müssen. Der Coup mit Hoarau kam zum perfekten Zeitpunkt, einen Tag später gab Basels Marco Streller ja bekannt, dass er seine Karriere Ende Saison beende. «Da haben wir mit dem Timing Glück gehabt», sagte Bickel schmunzelnd. Der FCB hatte sich offenbar vor einigen Wochen mit Hoarau beschäftigt und befunden, der Franzose sei ein zu ähnlicher Spielertyp wie Streller.

Viel Spektakel, wenig Leute

Nun will Hoarau Jagd auf Basel machen. Und er wünscht sich von den YB-Fans einen Bob-Marley-Song, vielleicht würde sich eine Abwandlung von «I Shot the Sheriff» ganz gut eignen. Sicher ist, dass die spektakulären YB-Vorstellungen im Stade de Suisse mehr Zuschauer als – wie gestern – nicht einmal 15000 verdient haben. 4:2, 4:2 und 3:2 hiessen die Resultate in der Rückrunde, es gibt kaum Zufallstreffer und keine Abwehrdispositive, als sei ein 1:0-Sieg die höchste Errungenschaft. Dafür einen Fussballer, der fast zu gut für diese Liga ist.

Berner Zeitung

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