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Die Absage der EM scheint nur eine Frage der Zeit

Als eine der grossen Sportveranstaltungen dieses Jahres ist die Fussball-EM noch nicht abgesagt. Doch der Uefa dürfte kaum etwas anderes übrig bleiben.

Der EM-Pokal: Ob dieses Jahr wie geplant um die begehrte Trophäe gespielt wird, ist noch nicht sicher.
Der EM-Pokal: Ob dieses Jahr wie geplant um die begehrte Trophäe gespielt wird, ist noch nicht sicher.
Keystone

Ein unsichtbares Schreckgespenst geht durch die Welt, nistet sich in Lungenflügeln ein und bringt das weltweite Sportgeschehen zum Erliegen. Rund um den Globus häufen sich die Absagen, von Skirennen, Formel-1 oder Moto-GP-Rennen. Oder es werden wie im Schweizer Eishockey Meisterschaften gleich ganz abgesagt.

Natürlich ist auch der Krösus des Sports, der Fussball, betroffen. In der Schweiz werden im März in der Super League und der Challenge League keine Spiele mehr ausgetragen, in Frankreich wird in den beiden höchsten Ligen bis zum 15. April nicht gespielt, in Spanien ruht der Ball für zwei Wochen, die Bundesliga trägt einen Geisterspieltag aus und setzt den Ligabetrieb bis 2. April aus, in der Premier League gibt es einen positiv getesteten Trainer und Spieler. Das Vierländerturnier Ende März in Katar, an dem auch die Schweizer Nationalmannschaft teilnehmen wollte, findet nicht statt. Und so fragt sich manch einer: Was ist mit der EM 2020?

Dichter Kalender

Eine Austragung noch in diesem Jahr könnte schwierig werden. In immer mehr nationalen Ligen wird nicht mehr gespielt. Das bedeutet, dass Spieltage nachgeholt werden müssten, wenn die Saison zu Ende gespielt werden soll. Doch Termine dafür gibt es nur, wenn nicht wie vorgesehen die EM am 12. Juni beginnt. Das Eröffnungsspiel übrigens ist in Rom geplant. In der Hauptstadt jenes Landes also, das zurzeit eine Sperrzone ist und in dem natürlich auch die Serie A momentan nicht mehr spielt.

Wie eng es terminlich wird, lässt sich am Beispiel Real Madrids in der spanischen La Liga verdeutlichen. Den Königlichen, die sich momentan in Quarantäne befinden, kommt zwar zugute, dass die Meisterschaft für mindestens zwei Spieltage ruht. Doch das Team, das gleichzeitig noch in der Champions League um den Einzug in den Viertelfinal kämpft, müsste somit drei Spiele nachholen. In der dicht getakteten Liga mit insgesamt 38 Spieltagen bis zum 24. Mai kein leichtes Unterfangen.

Die Verschiebung der EM etwa auf den Sommer 2021 ist ein mögliches Szenario. Alle Probleme wären damit allerdings nicht gelöst.

Angesichts der aktuellen Lage ist es jedoch keinesfalls gesichert, dass der Spielbetrieb in zahlreichen Ländern wie auch der Schweiz bald wieder aufgenommen wird. Müssten dann für eine EM die Spieler ohne Spielpraxis zu ihren Nationalmannschaften reisen? Was geschieht, wenn ganze Länder den Notstand ausrufen und sportliche Aktivitäten vollends verboten werden? Den Spielern fehlte nicht nur Match-, sondern auch Trainingspraxis, die Durchführung der EM käme aufgrund divergierender Faktoren der einzelnen Länder und ihrer Nationalspieler einer Farce gleich.

Kommt dazu: Nicht nur die nationalen Ligen stehen unter Termindruck. Demnächst könnte das auch für die Uefa selbst und ihre Europacups gelten. Denn wie am Freitag bekannt wurde stoppt die Uefa vorübergehend sowohl die Champions League als auch ihren kleinen Bruder, die Europa League.

Eine Frage des Geldes

Das Interesse der Uefa, ihre umsatzstärksten Wettbewerbe am Laufen zu halten und zu beenden, muss jedoch gross sein. 3,8 Milliarden Franken Einnahmen brachten die Clubwettbewerbe der Uefa in der vergangenen Spielzeit. Demgegenüber steht der Ertrag der EM-Endrunde von vor vier Jahren: 2,2 Milliarden Franken waren es 2016.

Wahrscheinlich hegt deshalb auch der europäische Fussball-Verband den Wunsch, seine Clubwettbewerbe über das eigentlich geplante Ende hinaus (der Champions-League-Final ist bisher für den 30. Mai in Istanbul geplant) fertig zu spielen.

Das Atatürk-Olympiastadion in Istanbul, Austragungsort des diesjährigen Champions-League-Finals. (Bild: Keystone)
Das Atatürk-Olympiastadion in Istanbul, Austragungsort des diesjährigen Champions-League-Finals. (Bild: Keystone)

Am kommenden Dienstag trifft sich die Uefa-Spitze um Präsident Ceferin mit ihren 55 Mitgliedsverbänden und wird dabei alle möglichen Szenarien diskutieren – auch eine Verschiebung der EM gehört dazu, etwa auf den Sommer 2021. Alle Probleme wären damit allerdings nicht gelöst. Zwar könnte der Final der Nations League (2. bis 6. Juni) noch vor der EM stattfinden. Dafür würde die EM aber mit der Frauen-EM in England und der erstmals geplanten Fifa-Club-WM mit 24 Teams in China kollidieren. Das könnte zu weiteren Machtkämpfen zwischen den beiden grossen Fussballverbänden führen. Beide Seiten hätten aber auch Zeit genug, um mit einem Weg der Vernunft nach neuen Lösungen zu suchen.

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