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Der Zahltag lässt auf sich warten

Gute Stilnoten, keine Punkte: Der FC Thun verliert in Basel 1:3, behält aber die Zuversicht vor dem Derby gegen YB.

Simone Rapps Thuner haben gegen Eray Cömert und den FCB lange hartnäckig Widerstand geleistet.
Simone Rapps Thuner haben gegen Eray Cömert und den FCB lange hartnäckig Widerstand geleistet.
Marc Schumacher/Freshfocus

Als es auf Mitternacht zugeht an diesem Samstag, stellt Andres Gerber eines mit Nachdruck klar: «Vielleicht würde anderswo über den Trainer diskutiert. Aber das tun wir beim FC Thun garantiert nicht. Marc Schneider ist ein Supertrainer für unser Team.»

Der Sportchef ist auf dem Heimweg aus Basel, er muss ein 1:3 verdauen, aber diese Niederlage wird ihm nicht den Schlaf rauben. Weil er genügend gesehen hat, was ihm die Bestätigung liefert: «Wir haben alles in allem einen guten Match abgeliefert.» Vieles, das Gerber sagt, klingt positiv, das merkt er selber, er aber will nicht den Eindruck erwecken, ein Schönredner zu sein. Denn: Thun bleibt am Tabellenende kleben. Und die Realität ist eben auch die: elf Spiele, erst ein Sieg, 8:22 Tore. Darum kommt von Gerber rasch der Nachsatz: «Wir müssen uns in einigen Situationen besser anstellen.»

Aber es ist irgendwie schon seltsam. Da ist der FC Thun in der Lage, den Leader zu ärgern. Er schafft es, auf den Rückstand zu reagieren. Er verdient sich gute Stilnoten und Respekt vom Gegner. Er begeht nicht manchen Fehler – trotzdem bleibt der Zahltag aus. «Weil wir es nicht fertiggebracht haben, über 93 Minuten hoch konzentriert zu bleiben», sagt Trainer Marc Schneider.

Wieder mit Faivre

Der Abend beginnt mit der Aktion eines Mannes, der zuletzt fünfmal nur zugeschaut hat. Guillaume Faivre steht wieder im Tor, weil er Schneider in den vergangenen zwei Wochen im Training überzeugt und eine schwächere Phase überwunden hat. Faivre also verhindert das frühe 0:1 gegen Fabian Frei. Und fortan haben die Thuner alles unter Kontrolle. Schneider hebt anschliessend den Mut hervor, er sieht eine unbekümmerte Mannschaft, die nur deshalb nicht in Führung geht, weil die Basler mit Jonas Omlin über einen starken Goalie verfügen.

Fast 50 Minuten wirken die Basler einfallslos, bis Valentin Stocker ins Stolpern gerät und Schiedsrichter Nikolaj Hänni das als Foul von Glarner taxiert. Pech ist es auch, dass Kevin Buas Freistoss abgefälscht wird und für Faivre unerreichbar bleibt. Die Thuner aber leisten hartnäckig Widerstand, gleichen durch Simone Rapp aus und strahlen Selbstbewusstsein aus. Aber dann schleichen sich Mängel ein, die zum bitteren Ausgang führen. Bua deckt mit einem simplen Freistoss die defensive Verwundbarkeit der Gäste auf, und nach Silvan Widmers Hereingabe schafft es der zurückgeeilte Rapp nicht, zu einem Befreiungsschlag anzusetzen. Er produziert ein Eigentor, das die Oberländer vor allem darum schmerzen muss, weil sie in dieser Phase bestens unterwegs sind.

Nicht hyperventilieren

5 Minuten später leistet sich Nicola Sutter einen groben Aussetzer, als er gegen Amifico Pululu den Ball vertändelt. Die Fortsetzung geht so: Abschluss, Parade Faivre, der Ball landet Luca Zuffi vor den Füssen – 3:1. Captain Stefan Glarner sagt: «Wir waren nicht oft unachtsam, aber wenn wir es waren, wurde das gnadenlos ausgenützt.»

Was tun also, um sich auch mit Zählbarem zu belohnen, mit Punkten? «Es gibt leider keinen Knopf, auf den wir drücken könnten», sagt Schneider, «vieles spielt sich im Kopf ab.» Aber wie lassen sich die Defizite im Abschluss beheben? Wie die Mängel im Defensivverhalten abstellen? «In Ruhe weiterarbeiten», lautet Schneiders knappe wie simple Antwort. Die positive Körpersprache gegen den Leader ist für ihn ein Indiz dafür, dass die Spieler den Glauben an sich nicht verloren haben. Und was die Ruhe angeht, hat er die Gewissheit, «dass bei uns intern nicht hyperventiliert wird». Und mit einem Schuss Galgenhumor merkt er an, in einer Rangliste müssten die Thuner Leader sein: «Was die Ineffizienz angeht, belegen wir vermutlich Platz 1.»

Am nächsten Sonntag besteht die Herausforderung darin, bei Meister YB zu bestehen. «Zuerst Basel, dann YB – der Spielplan meint es nicht eben gut mit uns», sagt Schneider, fügt aber an: «Eigentlich ist das nebensächlich. Wir treten mit dem Ehrgeiz an, im Stade de Suisse zu zeigen, dass wir aus den Fehlern in Basel gelernt haben.»

Noch unangenehmer werden

Zurückkehren soll in absehbarer Zeit Dennis Hediger, der Captain. Er trainiert nach dem im Februar erlittenen Kreuzbandriss wieder mit dem Team. Hedigers Name fällt immer wieder, wenn nach Erklärungen gesucht wird, wieso Thun seit sieben Runden auf einen Sieg wartet. «Natürlich wäre es allen lieber, wenn Hediger dabei wäre. Aber was hilft es, wenn seine Absenz ständig thematisiert wird?», fragt Gerber. Vielmehr wünscht er sich, dass sich das Team noch stärker als Einheit präsentiert, noch unangenehmer für den Gegner wird: «Wenn wir das hinbekommen, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass wir YB bezwingen.»

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