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Der scheue Superstar macht seinem Ruf alle Ehre

Gut 200 Personen haben am Montag das Training des argentinischen Nationalteams verfolgt und versucht, einen Blick auf ihren Liebling Lionel Messi zu erhaschen. Das gelang nur aus der Distanz.

Am Montagabend absolvierte die argentinische Fussballnationalmannschaft ein erstes Training in Bern.
Am Montagabend absolvierte die argentinische Fussballnationalmannschaft ein erstes Training in Bern.
Keystone
Obwohl das Team allgemein hochkarätig bestückt ist, interessierte vor allem Lionel Messi.
Obwohl das Team allgemein hochkarätig bestückt ist, interessierte vor allem Lionel Messi.
Keystone
Auch die Schweizer Verteidiger werden schauen, dass sie Argentiniens Topstar nicht aus den Augen verlieren.
Auch die Schweizer Verteidiger werden schauen, dass sie Argentiniens Topstar nicht aus den Augen verlieren.
Keystone
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Fast verpassen die Anhänger am Montagabend in Bern, wie Lionel Messi ihr Erscheinen würdigt: Schüchtern, nur mit zwei, drei Handbewegungen winkt der argentinische Fussballsuperstar nach Betreten des Rasens im Leichtathletikstadion Wankdorf ihnen zu. Etwa 200 Zuschauer sind versammelt und wollen dem dreimaligen Weltfussballer so nahe sein wie nur möglich. Weit kommen sie nicht, Polizei und Angestellte von privaten Sicherheitsdiensten haben das Stadion abgesperrt. Durch die Zaunmaschen bloss erhaschen die Fans einen Blick auf ihren Liebling und dessen Kollegen aus dem Nationalteam Argentiniens. Die Südamerikaner sind morgen Testspielgegner im ersten Länderspiel der Schweiz seit November 2005, das im Stade de Suisse stattfindet.

Die Zuschauer verhalten sich gesittet und respektieren die Regeln. Trotzdem husten auf einmal viele, und ihre Augen beginnen zu brennen. Ein Polizist hat seinen Reizstoff versprüht – versehentlich, wie sogleich über Funk kundgetan wird. Die Situation beruhigt sich, neben dem Platz war in diesem Moment aber mehr los, als sich während des gesamten einstündigen Trainings der Argentinier tun wird. Messi und Co. joggen ein bisschen und jonglieren mit dem Ball. Einige tragen nicht einmal Fussballschuhe.

Gonzalo Higuain etwa hat das Leichtathletikstadion mit Laufschuhen betreten. Seinetwegen ist Raúl Bobadilla gekommen: «Wir haben zusammen in der zweiten Mannschaft von River Plate gespielt», sagt der YB-Stürmer, der wie Higuain – heute Angreifer bei Real Madrid – vom Traditionsklub aus Buenos Aires ausgebildet wurde. Bobadilla schaut seinen Landsmännern gemeinsam mit Teamkollege Josef Martinez und YB-Trainer Christian Gross zu. Später am gleichen Abend wird er sich im Hotel Schweizerhof, wo die Argentinier bis am Donnerstag logieren, noch mit seinem Jugendfreund treffen und Erinnerungen auffrischen.

20 Spieler hat Nationaltrainer Alejandro Sabella für die Partie im Stade de Suisse aufgeboten, aus acht Ländern sind sie am Montag nach Bern gereist. Sechs kamen aus Italien, fünf aus Spanien, drei aus England, je einer aus der Ukraine, Frankreich, Russland und Portugal. Mit Ersatzgoalie Mariano Andújar und Mittelfeldspieler Rodrigo Braña von Estudiantes de La Plata sind zwei Spieler des aktuellen Aufgebots in Argentinien engagiert.

Nach und nach sind die argentinischen Fussballer im Verlauf des frühen Nachmittag in Kleinbussen vor dem Schweizerhof eingetroffen. Natürlich sorgte Messi für das grösste Interesse bei den Fussballfans, die sich vor dem Nobelhotel versammelt hatten. Am Sonntag hatte der 24-Jährige im Barcelona-Dress seine Anhänger mit dem clever erzielten Traumtor gegen Getafe verzückt. Dass er sie gestern in Bern enttäuschte, wortlos und ohne Autogrammwünsche zu erfüllen, verschwand, erstaunt nicht. Nur ungern stellt sich das klein gewachsene grosse Fussballgenie der Öffentlichkeit. Nach den Spielen mit Barcelona führen ihn jeweils zwei Klubangestellte an den Reportern vorbei und auf kürzestem Weg in den Mannschaftsbus.

In Bern ist das nicht viel anders. Auch hier wird Messi bestens abgeschirmt. Eine Polizeieskorte begleitet die Argentinier auf ihren Wegen durch die Stadt. Mehr als das Fahrzeug gibt es für die Fans nicht zu sehen. Einige sind trotzdem ganz verzückt: «Ich habe ihn gesehen, Mann», sagt ein Halbwüchsiger stolz zu seinen Kollegen. Es ist mehr Wunschdenken, denn die Scheiben des Cars sind dunkel getönt. Vielleicht können heute Abend aber zwei andere junge Berner erzählen, wie es ist, Messi ganz nah zu sein. Die Argentinier haben die Young Boys gefragt, ob Nationalcoach Sabella im Dienstagstraining für einige Übungen allenfalls auf zwei Spieler der U-21 zurückgreifen dürfe.

Lionel Messi ist einer von drei Spielern im argentinischen Aufgebot, die auch beim letzten Aufeinandertreffen mit der Schweiz, am 2. Juni 2007, dabei waren. Er und Fernando Gago (AS Roma) spielten damals beim 1:1 im Basler St.-Jakob-Park (Torschützen Carlos Tevez und Marco Streller) von Anfang an. Javier Mascherano wurde eingewechselt.

Der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bot mit Diego Benaglio, Philippe Senderos, Gökhan Inler und Reto Ziegler vier Akteure auf, die vor viereinhalb Jahren dabei waren. Ihnen und den anderen Schweizer Nationalspielern ist zu wünschen, dass sie Messi in Bern näherkommen als seine Fans, sonst ist eine Kanterniederlage gegen die Südamerikaner zu befürchten.

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