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Der bessere Aufsteiger als der FCZ

Xamax hat vorzeitig die Promotion in die Super League geschafft. Noch vor sechs Jahren herrschte Tristesse am Neuenburgersee.

Souveräne Promotion: Mittelstürmer Gaëtan Karlen und seine Copains dominieren die Challenge League nach Belieben.
Souveräne Promotion: Mittelstürmer Gaëtan Karlen und seine Copains dominieren die Challenge League nach Belieben.
Peter Schneider, Keystone
Wandervogel Michel Decastel hat Xamax in die Super League geführt.
Wandervogel Michel Decastel hat Xamax in die Super League geführt.
Laurent Gilliéron, Keystone
Tempi passati und stetiges Schreckensgespenst in Neuenburg: Der ehemalige Xamax-Boss Bulat Tschagajew wird zum Gericht in Boudry NE geführt. (29. Februar 2012)
Tempi passati und stetiges Schreckensgespenst in Neuenburg: Der ehemalige Xamax-Boss Bulat Tschagajew wird zum Gericht in Boudry NE geführt. (29. Februar 2012)
Sandro Campardo, Keystone
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Seit gestern Sonntag ist es definitiv, dass der Traditionsclub Neuchâtel Xamax in der nächsten Saison sein Comeback in der Eliteklasse des Schweizer Fussballs geben wird. Gewinnt die Equipe von Trainer Michel Decastel am Montagabend zum Abschluss der 30. Runde gegen Servette, dann beträgt der Vorsprung auf den zweitklassierten FC Schaffhausen sagenhafte 23 Punkte. Der Leader der Challenge League ist auf gutem Weg, ein sogar noch souveränerer Aufsteiger zu sein als der FC Zürich im vergangenen Jahr. Damals hatte die Mannschaft von Coach Uli Forte am Ende zwölf Punkte Vorsprung auf Verfolger Xamax. Und für die Zürcher stand die Promotion in die Super League erst nach der 33. Runde fest.

Dieser Vergleich mit dem FCZ dürfte den Neuenburgern allerdings ziemlich egal sein. Sie freuen sich, dass sie den Sprung nach ganz oben geschafft haben. Das ist aufgrund der jüngeren Vereinsgeschichte alles andere als selbstverständlich. Noch im Spätsommer 2012 stand der Club sportlich und finanziell am Abgrund, war er ein Scherbenhaufen, den der tschetschenische Grössenwahnsinnige Bulat Tschagajew hinterlassen hatte.

Ein Mann namens Binggeli

Innert sechs Jahren von der 2. Liga interregional bis in die Super League: Diese Bilanz darf sich sehen lassen. 2016 stand in der zweithöchsten Liga noch Lausanne, ein Jahr später der FC Zürich den Neuenburgern vor der Sonne. Dass Neuchâtel Xamax FCS, wie der Club seit der Fusion mit dem FC Serrières seit 2013 heisst, sich in allen Belangen erholt hat, ist nicht zuletzt das Verdienst von Christian Binggeli. Der erste Präsident nach Tschagajew hat den Verein aus der Tristesse geführt und Xamax wieder zu einer populären und vertrauenswürdigen Institution in der Region gemacht.

Das Desaster der Ära Tschagajew am Neuenburgersee ist in den Köpfen der Vereinsleitung stets präsent. «Mit den Füssen auf dem Boden bleiben» beschrieb der Präsident seine Vereinspolitik jüngst in der «SonntagsZeitung». Jetzt, wo die Promotion feststeht, wird an diesem Grundsatz festgehalten. Das hat Binggeli in den ersten Interviews mit Westschweizer Zeitungen bereits angedeutet. Das Budget steht momentan bei 4,1 Millionen Franken, es muss, das weiss auch der Präsident, für die Super League erhöht werden. Die Ausgaben sollen aber überschaubar bleiben und von den Sponsoren zu einem grossen Teil gedeckt werden.

Die Verträge werden per Handschlag geschlossen

Dass zum Verein Attribute wie Bodenständigkeit und Bescheidenheit passen, zeigen auch die Besitzverhältnisse. Der Präsident teilt sich die Aktien mit seinem Sohn, der im Club diverse Funktionen innehat. Dazu passen auch die Vertragsverhandlungen: «Immer per Handschlag», erklärte Binggeli der «SonntagsZeitung». In seinem Dentaltechnikunternehmen in Neuenburg und Genf sind die Spieler Mustafa Sejmenovic und Pietro Di Nardo Teilzeitangestellte.

Er denke nicht, dass ein Fussballer besser spiele, wenn man ihm einfach mehr bezahle, fügte der Patron weiter an. Binggeli will nun «höchstens drei, vier Spieler» engagieren. Auf 600 Partien Erfahrung in der Super League kommt sein Kader, die Hälfte davon entfällt allerdings auf Raphaël Nuzzolo. Fussball-Experten sind der Meinung, dass das spielende Personal kostengünstig und klug zusammengestellt wurde.

Seit 52 Jahren eine Herzensangelegenheit

«Seit 52 Jahren verfolge ich den Club», erklärte der 64-jährige Binggeli. Er hat in all diesen Jahren nicht nur Supporter und Geld hereingeholt, sondern vor allem wieder Vertrauen hergestellt. Das will er nicht so leicht verspielen. Die Gefahr, dass sich ein Aufsteiger finanziell übernimmt, ist immer vorhanden. «Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir alles tun werden, um in der Super League zu bleiben», sagte Binggeli nach der Promotion freudig einem Journalisten der «Tribune de Genève».

Die Gefahr, dass sich Xamax nochmals übernimmt, scheint gering. Das hat auch mit einem Namen zu tun: Tschagajew.

Challenge League, Rangliste: 1. Neuchâtel Xamax FCS 29/71 (67:31). 2. Schaffhausen 30/51 (57:43). 3. Vaduz 30/50 (53:38). 4. Servette 29/49 (45:30). 5. Rapperswil-Jona 30/49 (45:37). 6. Wil 30/34 (31:37). 7. Aarau 30/34 (40:52). 8. Chiasso 30/30 (34:51). 9. Winterthur 30/24 (34:48). 10. Wohlen 30/17 (34:73).

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