Der Ärger von Xhaka und Sommer

Mainz – Gladbach, das Duell der Schweizer Trainer Martin Schmidt und Lucien Favre, endete nach einem aufregenden Finale 2:2. Es war auch ein Spiel, das zwei Schweizer auf dem Platz prägten.

Vorsprung verspielt: Granit Xhaka und Gladbach kommen in Mainz nur zu einem 2:2-Remis.

Vorsprung verspielt: Granit Xhaka und Gladbach kommen in Mainz nur zu einem 2:2-Remis.

(Bild: Keystone)

Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Granit Xhaka schüttelte den Kopf, er gab sich gar nicht erst Mühe, seinen Ärger für sich zu behalten. Mit nacktem Oberkörper stellte er sich nach dem 2:2 von Mönchengladbach in Mainz vor die Journalisten und fing an, mit strengem Blick und Tonfall über den Schiedsrichter zu schimpfen. Der Schweizer ereiferte sich vor allem über jene Szene nach 73 Minuten, in der Xhaka ein Foul begangen haben sollte, zumindest wertete der Unparteiische das so. Die Fortsetzung war die: Verwarnung für den Gladbacher, Freistoss – 1:2. «Es ist doch lächerlich zu pfeifen, wenn der Gegner wegrutscht», sagte Xhaka, «und dafür die gelbe Karte zu sehen, das...» Er brach ab und schüttelte wieder den Kopf.

Hinter ihm lag ein Abend, an dem die Gladbacher zwei Punkte liegen gelassen hatten, fahrlässig schon fast. Und das hatte eben auch mit ihm zu tun, Xhaka, sowie Goalie Sommer. Lange hatten beide gut und stilsicher ausgesehen, lange war Xhaka der Chef der Mannschaft gewesen und hatte Sommer die übliche Ruhe ausgestrahlt. Aber eben, es kam dieser Moment, in dem die Mainzer den beschriebenen Freistoss aus 30 Metern treten durften. Und bei dem Sommer schlecht aussah. Hinterher sagte er selbstkritisch: «Der Ball fliegt aus grosser Distanz in meine Ecke, den muss ich abwehren.»

«Zwei verlorene Punkte»

Das gelang ihm aber nicht, und folglich blieb ihm nur die Erkenntnis: «Das war der Schlüsselmoment in dieser Partie.» Mainz erhöhte den Aufwand, getragen vom Publikum stürmte das Team und belohnte sich vier Minuten nach dem 1:2 prompt mit dem Ausgleich. Xhakas Befreiungsversuch mit dem Kopf missriet, davon profizierte am Ende Okazaki. «Das ist einfach dumm», kritisierte Xhaka, «wir dürfen uns den Sieg nicht mehr nehmen lassen.» Sommer fügte an: «Es sind zwei verlorene Punkte im Kampf um einen Champions-League-Platz.» Trainer Lucien Favre beschäftigte sich zunächst auch mit dem Schiedsrichter, mit vielen Entscheiden, die ihn ratlos machten, vor allem jenem vor dem 1:2: «Das war kein Freistoss, das war ein Geschenk.» Bevor er die Runde mit einem schönen Satz erheiterte, weil er die Unparteiischen doch in Schutz nahm: «Es ist fast unmöglich, Schiedsrichter zu machen.»

Für Favre war es in der mit 34‘000 Zuschauern ausverkauften Coface-Arena auch ein Duell gegen einen Schweizer Berufskollegen gewesen, gegen den Oberwalliser Martin Schmidt, der vor drei Wochen auf den Chefposten befördert worden ist – und den Favre bislang nicht gekannt hat. «Aber er hat die Ausbildung in der Schweiz gemacht», sagte Favre, «also ist er sehr gut, weil ich weiss, was die Trainer bei uns lernen müssen, bis sie die Uefa-Pro-Lizenz besitzen.»

Und Schmidt? Der 47-Jährige war nach dem aufwühlenden 2:2 gegen qualitativ stärkere Gladbacher erleichtert, weil er von seiner Mannschaft ermutigende Signale erhalten hatte: «Dass sie den Rückstand wettgemacht hat, zeugt von ihrem Glauben an sich selber. Sie hat nie resigniert und es in der zweiten Halbzeit geschafft, mit erhöhter Lauf- und Leidensbereitschaft die Niederlage abzuwenden.» Die Reaktion der Zuschauer fiel entsprechend aus: Sie feierten die Spieler – und den Trainer, dem sie zutrauen, dass er den FSV zum Ligaerhalt führt.

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