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Das Ziel ist der Weg

YB läuft es. In der Liga. Im Cup. Und im Torschützenranking, in dem gleich vier Berner Akteure Sieg­chancen besitzen.

Torjäger unter sich: Guillaume Hoarau, Roger Assalé und Jean-Pierre Nsame (von links) dürfen sich Hoffnungen auf die Torschützenkrone machen – der Fokus aber liegt auf Grösserem.
Torjäger unter sich: Guillaume Hoarau, Roger Assalé und Jean-Pierre Nsame (von links) dürfen sich Hoffnungen auf die Torschützenkrone machen – der Fokus aber liegt auf Grösserem.

Die Situation ist vermutlich einmalig für alle Länder, Ligen und Zeiten. Gleich drei Spieler der Young Boys stehen gemeinsam an der Spitze der Torschützenliste – und aussichtsreichster Kandidat, am Ende der beste Skorer zu sein, ist ein Teamkollege!

Jean-Pierre Nsame, Roger Assalé und Miralem Sulejmani haben je zehn Treffer geschossen, und dass nach 24 Runden keiner in der Super League erfolgreicher gewesen ist, stellt den Angreifern des Landes nicht unbedingt ein brillantes Zeugnis aus. Auch deshalb besitzt Guillaume Hoarau immer noch die Möglichkeit, das führende Trio im letzten Drittel der Saison zu überflügeln. Der YB-Stürmer hat siebenmal getroffen, sechsmal davon in den ersten vier Partien nach der Winterpause.

Seit gestern ist Hoarau 34. Er hat die vielen Zweifler ruhiggestellt, die gedacht und gesagt hatten, der Franzose werde nach seiner schweren Verletzung im letzten Jahr nie mehr die alte Klasse erreichen. Auch die anderen Routiniers, der überragende Abwehrchef Steve von Bergen und Tor­hüter Marco Wölfli, sind wie der Serbe Sulejmani entgegen vielen Prognosen (wieder) Leistungsträger bei YB. An ihrer Seite gedeihen die vielen Talente prächtig. «Es ist schön, zu sehen, wie sich die Spieler gut ergänzen und bereit sind, wenn sie gebraucht werden», sagt Trainer Adi Hütter.

Verfahren gegen Sanogo

Beim 4:2-Sieg in Lugano am Sonntag liessen die Young Boys ihre Muskeln spielen. Sie bewiesen ihre Robustheit und die Bereitschaft, auch mal dazwischenhauen zu können, wenn es die ­Situation erfordert. Manchmal übertrieben sie es allerdings, insbesondere Sékou Sanogo leistete sich mehrere harte Foulspiele.

Wegen einer Aktion des YB-Aggressivleaders hat der Disziplinarrichter der Liga gestern ein Verfahren eröffnet. Kurz vor der Pause trat Sanogo seinem am Boden liegenden Gegenspieler Mattia Bottani rüde auf das Bein. Weil der Schiedsrichter diese Szene nicht sah, könnte Sanogo nachträglich gesperrt werden.

Die physische Überlegenheit von YB war schon vor einer Woche im Cuphalbfinal gegen Basel eine erstaunliche Erkenntnis aus der Berner Dominanz gewesen. In Lugano unterstrich YB zudem wie bereits in der Vorrunde, dass es auch ohne Hoarau läuft. «Das ist für das Team ein gutes Signal», sagt Hütter. Er schonte seinen angeschlagenen Goalgetter Hoarau (85 Super-League-Spiele, 60 Tore, 23 Assists) – und gab Nsame erstmals im neuen Jahr eine längere Spielgelegenheit. Der Kameruner nutzte seine Chance eindrucksvoll. Er sagt: «Es ist schön, konnte ich dem Team helfen.»

Es war für Jean-Pierre Nsame ja schwierig zu akzeptieren ge­wesen, nach starker Vorrunde auf einmal nur noch zweite Wahl zu sein. Letzte Woche lehnte er es ab, mit den Medien zu reden, nach dem Sieg in Lugano spricht er über seine Gefühlswelt. «Natürlich möchte ich in jeder Partie in der Startformation stehen. Aber die Konkurrenz ist stark.» Und, fügt Nsame schmunzelnd an, Hoarau habe es ja in den letzten Wochen nicht schlecht gemacht. Sein Trainer Hütter erklärt, Nsame kenne seine Position derzeit genau. «Er ist der Back-up von Hoarau. Und auch in dieser Rolle sehr wertvoll.»

Die Demut des Torjägers

Im Gespräch vermittelt Nsame das übergeordnete Denken aller Fussball spielenden YB-Angestellten. «Es geht immer zuerst um das Team. Und wir haben einen weiteren Schritt auf unserem Weg absolviert.» Nsame ist ja beileibe nicht der einzige am­bitionierte Akteur im Kader, der im Moment nicht zur Stammelf gehört. Seine Worte klingen aufrichtig, sie sind gar ein bisschen demütig, was kein schlechtes ­Zeichen ist. «Wir haben einen Traum, und dafür arbeiten wir jeden Tag hart», sagt Nsame.

Natürlich spricht man bei YB auch über das interne Torschützenkönigcasting. «Aber es spielt keine Rolle, wer sich durchsetzt», sagt Hütter. Und Nsame meint, es gelte, den Weg zu Ende zu gehen: «Ich würde alle Tore gegen zwei Pokale tauschen.»

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