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Das schwächste Glied

Trainer leben gefährlich – auch in unteren Ligen. Nach einem Drittel der Saison haben schon drei ambitionierte Amateurklubs den Coach gewechselt. «Ich hätte mir mehr Kredit erhofft», sagt Fabrizio Romano, entlassener Coach des FC Langenthal.

Max Spring

Ambitionierte Amateurvereine orientieren sich oft an den Profimannschaften. Auf allen möglichen Ebenen. Da vermag es kaum zu verwundern, dass viele Klubverantwortliche schnell zum weit verbreiteten Reflex neigen, in sportlich schwierigen Zeiten den Trainer infrage zu stellen.

Zehn Fussballvereine aus dem Kanton Bern agieren derzeit in überregionalen Meisterschaften (Promotion League, 1. Liga, 2. Liga interregional) – nach einem knappen Drittel der Saison haben bereits drei Klubs ihren Übungsleiter ausgewechselt: Beim Promotionsligisten FC Köniz trat Bernard Pulver nach sieben Spieltagen und einer 0:7-Kanterniederlage freiwillig von seinem Posten zurück und überliess seinen Platz dem Ex-Profi Gabriel Urdaneta.

Erstligist Langenthal entliess Fabrizio Romano ebenfalls nach dem siebten Spieltag, nachdem das Aufstiegsteam in der neuen Liga erst einen Punkt geholt hatte, und verpflichtete den 69-jährigen Willy Neuenschwander.

Und auch der FC Muri-Gümligen, der als Aufsteiger in der 2. Liga interregional agiert, zog nach sieben Partien die Reissleine, trennte sich nach lediglich drei erspielten Punkten von Coach Bajram Kurtulus.

«Mussten handeln»

«Der Trainer ist halt einfach das schwächste Glied in der Kette», sagt Muri-Gümligens Sportchef Jürg Bürki. Dabei hatte der entlassene Kurtulus die Geschicke der Vorstädter fünf Jahre erfolgreich geleitet und den Verein aus der 3. Liga zu zwei Aufstiegen de suite geführt. «Wir hatten das Gefühl, dass wir nach dem schwachen Saisonstart handeln müssen», erklärt Bürki.

Und weil man nicht gleichzeitig zehn Spieler wegschicken könne, habe man den Trainer gewechselt und seinen Assistenten Riccardo Pileggi zum neuen Chef bis zum Ende der Saison befördert. Leichtgefallen ist den Verantwortlichen des FCMG der Schritt indes nicht: «Wir haben Bajram Kurtulus viel zu verdanken, hatten fünf gute Jahre mit ihm. Klar, dass die Trennung dann auch schmerzt», sagt Bürki.

«Mehr Kredit erhofft»

Fabrizio Romano hatte den FC Langenthal im vergangenen Juni nach einer 14-jährigen Abstinenz zum lang ersehnten Aufstieg in die 1. Liga geführt. Knapp vier Monate später war der Italoberner seinen Trainerposten bei den Oberaargauern jedoch bereits wieder los.

«Ich war zunächst schon ziemlich überrascht von der Entlassung, hätte mir nach dem Aufstieg sicher ein bisschen mehr Kredit für meine geleistete Arbeit erhofft», sagt Romano, der als Coach unter anderem schon mit dem FC Ostermundigen und dem FC Weissenstein beacht­liche Erfolge gefeiert hatte.

Immerhin habe er nach seiner Absetzung von vielen Leuten aus dem Vereinsumfeld etliche aufmunternde Nachrichten erhalten, erläutert Romano, «das hat schon sehr gutgetan».

Auf der Website des FC Langenthal heisst es, der Verein habe nach dem schwachen Saisonstart die «Notbremse gezogen». Für den entlassenen Trainer Romano gehören solche Vorgehensweisen auch in unteren Ligen «ganz einfach zum Fussballgeschäft».

Je höher die Ligazugehörigkeit sei und je professioneller die Vereinsverantwortlichen denken würden, desto höher sei wohl auch die Wahrscheinlichkeit, «dass man als Trainer entlassen wird», erklärt Romano, der hofft, bald wieder einen Klub «mit grossen Ambitionen» trainieren zu dürfen.

Es geht auch anders

Dass es sich manchmal auch lohnt, geduldig zu bleiben, manifestiert sich derweil bei den interregionalen Zweitligisten Bern und Lerchenfeld. Bei beiden Traditionsklubs blieb man trotz eines schwachen Saisonstarts ruhig, stand ein Trainerwechsel nie zur Diskussion.

Am letzten Wochenende feierten beide Klubs überraschende Erfolge und sehen Licht am Horizont – mit den alten Coachs. Nicht immer braucht es neue Besen, um sauber zu wischen.

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