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Das Rassismusproblem des russischen Fussballs

In einem Manifest haben Fans des russischen Spitzenclubs Zenit St. Petersburg homosexuelle sowie dunkelhäutige Spieler abgelehnt. Der Club verliere dadurch seine Identität, sagen sie.

Anfeindungen: St. Petersburgs Neuzugänge Hulk (l.) und Axel Witsel sind von vielen Fans nicht erwünscht. (14. September 2012)
Anfeindungen: St. Petersburgs Neuzugänge Hulk (l.) und Axel Witsel sind von vielen Fans nicht erwünscht. (14. September 2012)
Keystone

Russlands Fussball hat ein Fanproblem. Immer wieder machen Fans mit rassistischen Aktionen auf sich aufmerksam. So fliegen von den Tribünen regelmässig Bananen in Richtung dunkelhäutiger Spieler, oder es werden ausländerfeindliche Banner ausgerollt. Eine neue Ebene der Verachtung haben nun die Anhänger des russischen Clubs Zenit St. Petersburg erreicht. In einem Manifest, wie sie es nennen, haben sich die Fans gegen schwule und dunkelhäutige Spieler ausgesprochen. Zenit verliere seine Identität, wenn Spieler aus anderen Regionen der Welt dort spielen, heisst es im von dem Fanclub Landskrona veröffentlichten Text. Zudem dürfen die Spieler laut dem Forderungskatalog keine Starallüren haben und weder rauchen noch trinken. Auch ehemalige Kicker von den Erzrivalen Spartak Moskau, Dynamo Moskau und ZSKA Moskau seien im Team nicht erwünscht.

Einer, der diesem rassistischen Feindbild der Fans entspricht, ist der brasilianische Torjäger Hulk. Im Sommer wechselte er für eine Rekordsumme von 58 Millionen Euro vom FC Porto zu Zenit St. Petersburg. Das stiess nicht nur einigen Fans sauer auf, sondern auch Mitspieler beklagten sich. So äusserte sich Igor Denissow, Captain der russischen Nationalmannschaft und gebürtiger Petersburger, über den Transfer von Hulk und dem ebenfalls dunkelhäutigen Belgier Axel Witsel: «Sie verdienen viel mehr als wir, aber sie sind nicht besser. Ich würde das alles verstehen, wenn wir Messi und Iniesta bekommen hätten.» Witsel soll gut 3 Millionen Euro pro Jahr verdienen, Hulks Salär wird auf 6,5 Millionen Euro geschätzt. Nebst der internen Kritik äusserte sich der Ärger der Fans unter anderem so, dass sie vor dem Trainingszentrum der Mannschaft eine Bombenattrappe mit einem angehefteten Bild von Hulk deponierten.

Der Verein lehnte das Manifest der Fans klar aber. Wie ein Clubsprecher gestern gegenüber der Agentur Itar-Tass sagte, sei Zenit stets für Toleranz eingestanden.

Auch in Moskau ein grosses Problem

Rassismus unter den Fans ist aber keineswegs nur ein Problem in St. Petersburg. Auch in der Hauptstadt des Gastgeberlands der Weltmeisterschaft 2018 sorgen Anhänger von Spartak Moskau beispielsweise mit einer Choreografie zu Ehren von Adolf Hitler für negative Schlagzeilen. Selbst Banner mit der Aufschrift «Spartak nur für Weisse» oder «Affen haut ab» waren schon in der Kurve des Hauptstadtclubs zu sehen. Im Dezember 2010 kam es sogar zu Ausschreitungen in Moskaus Innenstadt, nachdem ein Spartak-Fan nach einem Streit um ein Taxi angeblich von einem Kaukasier getötet worden war. Hooligans des Clubs machten danach Jagd auf Leute, die angeblich nicht slawisch aussahen.

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