Das Problem sitzt beim FC Basel ganz oben

Der Rücktritt von Marco Streller als Sportchef gibt den Blick frei auf den Verantwortlichen der Basler Chaos-Tage: Clubbesitzer Bernhard Burgener.

Sie wollten mal zusammen mit dem FC Basel die Fussballwelt erobern: Marco Streller, Ex-Sportchef (l.), und Bernhard Burgener, Clubbesitzer.

Sie wollten mal zusammen mit dem FC Basel die Fussballwelt erobern: Marco Streller, Ex-Sportchef (l.), und Bernhard Burgener, Clubbesitzer.

(Bild: Keystone)

Florian Raz@razinger

Keiner stand mehr für den neuen FC Basel als Marco Streller. Dass er nur zwei Jahre nach seinem Amtsantritt als Sportchef aufgibt, ist deswegen eine Niederlage für das ganze Projekt, das Anfang 2017 mit wunderbaren Powerpoint-Präsentationen gestartet ist.

Strellers Rücktritt macht aber auch den Blick frei auf das eigentliche Problem, das der FCB in dieser neuen Ära hat. Und dieses Problem sitzt in Basel ganz oben. Seit Bernhard Burgener Präsident und Besitzer ist, hat das Millionenunternehmen keine funktionierende Führungsstruktur mehr.

Wo früher eine Kultur des Vertrauens zu einem geschlossenen Auftritt gegen aussen führte, gibt es heute Seilschaften, wie Clublegende Karli Odermatt (76) als Einflüsterer im Ohr des Präsidenten, und Machtkämpfe. Den heftigsten hat soeben Marco Streller verloren.

Auch heute steht keiner hin

Unter Burgener muss der FCB von seinen finanziellen Reserven zehren. Und er macht in der Kommunikation Fehler um Fehler. Auch jetzt, da der aktuelle Trainer Marcel Koller durch wochenlanges Schweigen von Clubseite demontiert worden ist und der Sportchef abtritt, gibt es keine klärenden Worte des Präsidenten oder eines Verwaltungsrats.

Natürlich machte auch Streller als Sportchef nicht nur eine glückliche Figur. Vor allem der Umbruch im Team in der Winterpause 2017/18 misslang. Es wäre allerdings auch überraschend gewesen, wenn Streller als Lehrling gleich alle Entscheidungen richtig getroffen hätte.

Welche Freiheiten hatte Streller überhaupt?

Nach dem aktuellen Chaos rund um die Trainerwahl stellt sich allerdings die Frage, welche Entscheide Streller denn wirklich fällen durfte? Es ist bekannt, dass Streller schon 2017 am liebsten Patrick Rahmen als Trainer eingestellt hätte. Doch obwohl Rahmen bereits eine mündliche Zusage erhalten hatte, wurde Raphaël Wicky inthronisiert. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass im Sommer 2018 Marcel Koller Strellers Wunschtrainer war.

Was aber sagt es über die Entscheidungsbefugnis eines Sportchefs aus, wenn er schon bei der Trainerwahl immer wieder Kompromisse eingehen muss? Es ist deswegen fast logisch, dass Streller nicht die verpassten sportlichen Ziele zum Verhängnis wurden. Sondern dass er selbst den Rücktritt wählte, weil er im eigenen Club nicht mehr genügend Rückendeckung verspürte.

Burgener sagt in der Öffentlichkeit zwar gern, er stelle jeweils die besten Leute ein und lasse ihnen dann freie Hand. Beim FCB aber scheint das nicht der Fall zu sein. Streller jedenfalls hatte offenbar nie völlig freie Hand.

Jetzt fehlt Streller als Blitzableiter

Für Bernhard Burgener könnte der Rücktritt seines Sportchefs nicht nur deswegen zum Problem werden, weil er jetzt einen Nachfolger aus dem Hut zaubern muss. Streller war das Gesicht des neuen FCB. Burgener wurde auch deswegen in der Stadt schnell als neuer Clubbesitzer akzeptiert, weil er sich im Schein der rot-blauen Überfigur sonnen konnte.

Ohne Streller aber fehlen Burgener sowohl Glanz als auch Blitzableiter. Ab jetzt fallen die Resultate auf dem Feld direkt auf den Clubbesitzer zurück. Und schon vor dem grossen Knall an diesem 14. Juni war Burgeners Popularität im Sinken begriffen. Anfang Juni wurde er zwar als Präsident des FCB bestätigt. Aber er erhielt bloss noch 65 Prozent der Stimmen. Gestartet war er vor zwei Jahren mit 82 Prozent Zustimmung.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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