Jetzt spricht Seferovic über die Pfiffe gegen Xhaka

Haris Seferovic weiss, was Granit Xhaka derzeit bei Arsenal durchleben muss. Der Nationalstürmer wurde 2017 in Basel von den eigenen Fans ausgepfiffen.

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Nur wenige wissen, wie sich das anfühlt: von den eigenen Fans verhöhnt und ausgepfiffen zu werden, von den Medien zum Abschuss frei gegeben. Haris Seferovic kennt das Gefühl. Darum versteht er auch ganz genau, was Granit Xhaka derzeit durchmacht, der am Sonntag bei seinem Club Arsenal vom Feld gebuht worden ist.

Auch Seferovic wurde einst vom eigenen Publikum ausgepfiffen – noch dazu im eigenen Land. Es war, als die Schweiz am 12. November 2017 gegen Nordirland den knappen 1:0-Vorsprung aus dem Barrage-Hinspiel im Rückspiel über die Zeit bringen musste. Das Ereignis veränderte ihn nachhaltig. «Die Pfiffe haben etwas in mir ausgelöst, ich musste sie verarbeiten», sagt Seferovic. «Ich habe mir gesagt, dass ich nie aufgebe und habe weiter gearbeitet. Wichtig war mir das Vertrauen des Trainers und sein Urteil», erinnert sich Seferovic.


Video: Schweizer Fans pfeifen Seferovic aus

Bitterer Abgang für den Stürmer. Video: SRF


Zu Xhakas Reaktion in Richtung der pfeifenden Fans will sich Seferovic nicht äussern: «Weil ich die Vorgeschichte nicht kenne». Er lese kaum Zeitungen oder Medienberichte, aber er sagt dennoch. «Wenn du über einen längeren Zeitraum immer wieder zum Sündenbock gestempelt wirst, würde es wohl jeden Menschen irgendwann ‹vertätschen›, oder? Und wir sind auch Menschen.»

Seferovic kommt stark zurück

Trotzdem hat er sich damit abgefunden, dass er als Fussballer selbst dann zur Zielscheibe werden kann, wenn er sich keinen mangelnden Einsatz vorwerfen lassen muss. Gegen Nordirland hatte er sich auf dem tiefen Boden vollkommen verausgabt – und war doch zur Zielscheibe des eigenen Publikums geworden. «Was sollen wir machen, wenn andere pfeifen? Es ist, wie es ist. Das müssen wir aushalten, das gehört leider zum Job. Ich höre nicht auf die Meinung anderer.»


Video: Xhaka wird ausgebuht

Die Arsenal-Fans verabschieden Xhaka gehässig. Video: Twitter


Seferovic hat diese Einstellung geholfen. Er hat jene schwierige Phase aus dem Jahr 2017 hinter sich gelassen und ist mit 18 Treffern hinter Xherdan Shaqiri (22 Tore) der zweitbeste Torschütze für die Schweiz. Im September wurde er vom Publikum gar zum «Spieler des Jahres» gewählt. Heute kann er sagen, dass ihn die Pfiffe im Basler St.-Jakob-Park «stärker gemacht haben».

Nicht nur deshalb macht sich der 27-Jährige keine Sorgen um Granit Xhaka. Seferovic: «Granit ist der mental stärkste Spieler, den ich kenne. Hauptsache ist doch, dass der Trainer mit ihm zufrieden ist.» Und da kann man feststellen, dass er bei Arsenal sowohl unter Arsène Wenger als auch unter Unai Emery immer Stammspieler war. Das kann nicht nur Zufall sein.

Xhaka ist kein Einzelfall

Xhaka und Seferovic sind nur die letzten Beispiele Schweizer Nationalspieler, die bei den Fans unten durch mussten. Schon Marco Streller und Alex Frei litten unter sogenannten «Fans». Am 30. Mai 2008 pfiffen die Zuschauer in St. Gallen Streller gegen Liechtenstein aus. Aus Frust kündigte der Stürmer seinen Rücktritt an, von dem er aber vorübergehend wieder absah.

Auch bei Alex Frei waren es Pfiffe und Buhrufe, die den Schweizer Rekordtorschützen (84 Länderspiele/42 Tore) im Oktober 2010 nach gewonnenem Qualifikationsspiel gegen Wales zum Rücktritt bewogen. Im April 2011 traten die beiden verdienstvollen Nationalspieler gemeinsam zurück.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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