Das M-Wort spricht keiner aus

Rang 3 als Ziel, Rang 2 im Visier, Rang 1 als zarter Traum – YB steht vor einem spannenden Frühling. Am Sonntag geht es zu Hause gegen das erstarkte Sion (13.45 Uhr).

Hoch im Kurs: YB holte aus den letzten 9 Super-League-Spielen 23 Punkte – und schlug unter anderem Leader Basel problemlos mit 4:2.

Hoch im Kurs: YB holte aus den letzten 9 Super-League-Spielen 23 Punkte – und schlug unter anderem Leader Basel problemlos mit 4:2.

(Bild: Matthias Käser)

Fabian Ruch

Zart wie die ersten Schneeglöckchen in der Frühlingssonne spriessen die Meisterträume im Anhang der Young Boys. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Leader Basel, aber es gibt durchaus Aspekte, die für YB sprechen.

Einerseits die wenig berauschenden Vorstellungen des FCB in letzter Zeit, andererseits die beeindruckende Serie der Young Boys, die seit 9 Partien ungeschlagen sind, dabei 23 Punkte geholt und den FC Basel kürzlich beim 4:2-Heimsieg klar dominiert haben. Zudem sind die Basler mal wieder im März noch in drei Wettbewerben engagiert, während sich die Berner voll auf die Liga konzentrieren können.

Und so lohnt es sich durchaus, die Äusserungen der YB-Protagonisten anzuhören. Natürlich spricht keiner offen von der Zielsetzung Meistertitel, das wäre angesichts der Tabellensituation und der Dominanz des FCB in den letzten Jahren ungeschickt.

Fredy Bickel beispielsweise antwortet auf die Frage, wer Meister werde, blitzschnell: «Basel!» Der FCB sei stabil und weit voraus, meint der YB-Sportchef. Und: «Wir konzentrieren uns darauf, Rang 2 zu verteidigen.»

«Wir sind Zweiter, das ist gut»

In der Öffentlichkeit lässt sich auch kein Spieler zu einer unbedachten Aussage hinreissen. Captain Steve von Bergen reagiert reserviert, als er gefragt wird, ob er daran glaube, Basel noch angreifen zu können: «Diese Frage stellt sich gar nicht. Wir schauen auf uns. Wenn wir in der Rückrunde weiter unsere Heimspiele gewinnen und auswärts einen Punkt holen, wäre das ausgezeichnet.»

Es bringe wenig, sagt der erfahrene Abwehrstabilisator von Bergen, wenn man jedes Wochenende neu beurteile, was der Rückstand auf Basel zu bedeuten habe: «Wir sind Zweiter, das ist gut. Alles andere interessiert uns derzeit nicht.»

Auch Guillaume Hoarau, die Offensivstütze der Young Boys, hat die Vereinsdoktrin verinnerlicht. Er sagt: «Wir müssen schauen, dass wir den zweiten Platz halten können.» Forsch immerhin gestaltet sich Hoaraus Bemerkung, er wolle nächste Saison unbedingt in der Champions League spielen.

Der Zweite darf im Sommer ja auch die Qualifikation zur Königsklasse bestreiten, allerdings stellt sich ihm spätestens als letzte Hürde ein Topteam aus den grossen Ligen entgegen.

Hoaraus Traum von Ronaldo

Guillaume Hoarau hat seinen Vertrag in Bern am Mittwoch auch deshalb um drei Jahre bis 2018 verlängert, weil er daran glaubt, mit diesem Team Erfolg zu haben. «Und es wäre doch wunderbar, wenn wir mit YB nächste Saison Cristiano Ronaldo empfangen könnten», sagt er.

Von Begegnungen gegen Real Madrid sind die Young Boys in der Realität weit entfernt, die Zuversicht unter den Spielern aber ist gross. «Ich spüre, dass wir etwas Grosses erreichen können», sagt Raphael Nuzzolo, ehe er schmunzelnd anfügt: «Aber ich werde das Wort jetzt nicht sagen.»

Das M-Wort (Meister) steht bei YB auf dem Index. Uli Forte sagt: «Unser offizielles Saisonziel war Rang 3. Jetzt wollen wir den zweiten Platz halten.» Der Trainer hat in seinen bald zwei Jahren in Bern die volle Dosis Wundertütenmentalität der Young Boys erlebt – und jetzt eine verbesserte Stabilität bei seinem Team festgestellt: «Unser Weg stimmt. Seit Milan Vilotic in der Abwehr mitspielt, sind wir defensiv deutlich stärker geworden.»

Totalschaden als Warnsignal

Noch ist YB ja dabei, in den letzten Jahren verlorenes Vertrauen bei der Kundschaft zurückzugewinnen. Am Sonntag geht es zu Hause gegen das in der Rückrunde gleichfalls überzeugende, mal wieder komplett renovierte Sion weiter.

Und noch weiss man nicht so recht, wie widerstandsfähig dieses YB tatsächlich ist. In der Offensive ist das Team enorm von Hoaraus Klasse abhängig, und im Mittelfeld fehlt der wertvolle Abräumer Sékou Sanogo mindestens vier Wochen verletzt.

Ausgerechnet die zwei letzten Auftritte in der Europa League, wo YB im Herbst grösstenteils überzeugt hatte, lassen zudem Zweifel an der Berner Leistungsfähigkeit aufkommen.

Der Totalschaden gegen Everton (Gesamtskore: 2:7) deckte die Grenzen des Teams auf – gegen eine Mannschaft, die in der Premier League in einer monumentalen Krise steckt und aus den letzten 12 Spielen bloss 7 Punkte holte.

Gelingt es den Young Boys, Rang 2 gegen den FCZ zu verteidigen, dürfen sie mit dieser Spielzeit trotzdem zufrieden sein. Und Fredy Bickels Dreijahresplan sieht ohnehin erst nächste Saison einen Titel vor.

Berner Zeitung

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