Constantins Coup mit Behrami

Dem FC Sion gelingt der spektakulärste Transfer, den die Super League seit zehn Jahren gesehen hat. Er nimmt Valon Behrami unter Vertrag.

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Ein bisschen Glanz tut der Liga gut. Und den bekommt sie jetzt: Der FC Sion hat für die nächsten zwei Jahre Valon Behrami verpflichtet. Dass ausgerechnet diesem Verein dieser «joli coup» gelungen ist, dieser nette Erfolg, darf nicht weiter überraschen: Christian Constantin ist dafür immer wieder gut.

Der Herrscher über den Walliser Verein ist damit für seine Hartnäckigkeit belohnt worden. Schon vor zwei Jahren begann sein Werben um den Spieler, der für die Schweiz 83 Länderspiele bestritt und für sie an sechs WM- und EM-Endrunden teilnahm. Behrami hat ihn immer angezogen, seine Leidenschaft, sein Kampfgeist. Jetzt ist er am Ziel, auch deshalb, weil Behrami mit seinen 34 Jahren am Ende seiner Karriere angelangt ist. Behrami kommt ablösefrei von Udinese Calcio, wo er die letzten zwei Saisons in seiner wechselvollen Karriere bestritt.

Einer wie Alex Frei

Seit der Rückkehr von Alex Frei zum FC Basel hat es in der Super League keinen vergleichbaren Transfer mehr gegeben. Das war vor zehn Jahren, im Sommer 2009, als der FCB für ihn 6 Millionen Franken an Borussia Dortmund überwies. Allerdings gibt es zwischen Frei und Behrami einen Unterschied: Frei war damals körperlich noch in einer Verfassung, um die Liga prägen zu können. Behrami dagegen ist nicht mehr der Behrami seiner besten Jahre, dafür sind seine Knie zu gezeichnet von seiner langen Karriere und seinem kräfteraubenden Spiel.

«Mit dem Alter zahlst du für die körperlichen Probleme», sagte er letzten Sommer, bevor er mit der Schweiz die WM in Russland bestritt. Er machte sich damals auch seine Gedanken, ob er denn deshalb nicht dauerhaft Probleme bekommen könne. «Ja, manchmal», sagte er, «aber diese Phase dauert nur 30 Sekunden. Dann denke ich: Wie kann ich jetzt sagen: Okay, fertig mit Fussball?»

Das «verrückte Pferd»

Behrami ist das Kind von Einwanderern aus Kosovo. Als Fussballer begann er seinen Weg in Italien zu machen. Mit 20 wechselte er zu Lazio Rom und debütierte er im Schweizer Nationalteam. Doch in der Schweiz blieb er lange verkannt, er war der junge Mann, der allen zu verstehen gab: Ich bin der Kosovare, ich bin der Aussenseiter. «Cavallo pazzo» nannten sie ihn in Rom, verrücktes Pferd, weil er länger im Ausgang war und wert auf sein Äusseres legte. Und weil er auf dem Platz ein wilder Kämpfer war.

An der WM 2010 in Südafrika sah er im zweiten Spiel die rote Karte. Er verzweifelte und fragte sich: «Was muss ich machen, damit es im Nationalteam nicht mehr schiefgeht?» Ottmar Hitzfeld, damals sein Nationaltrainer, half ihm sehr, seinen Weg zu finden. Und Behrami begann mit der Zeit zu realisieren, dass er gegen die Kritik in den Medien chancenlos ist. Und er begann immer mehr zu schätzen, was er an der Schweiz hat, was er ihr zu verdanken hat. Er hatte auf den Weg gefunden, um als Nationalspieler akzeptiert zu werden.

Die Anerkennung von 2014

Vier Jahre nach Südafrika, an der WM 2014 in Brasilien, wurde seine Verwandlung vom Aussenseiter zum allseits respektierten Leader offensichtlich. Da war dieses erste Spiel gegen Ecuador, als er in der 93. Minute mit einem waghalsigen Tackling das 1:2 verhinderte und im nächsten Moment mit seinem Sturmlauf das Siegtor durch Haris Seferovic einleitete. «Das charakterisiert mich sehr gut», sagte er danach, «das ist mein wesentlicher Charakterzug.» Valon, der Krieger? «Ja, das bin ich.»

Jetzt ist er als Fussballer wieder zurück im Land, das er 2003, mit 18, verlassen hatte. Zurück ist der Fussballer, der in Italien (Genoa, Verona, Lazio, Napoli, Udinese), England (West Ham und Watford) und Deutschland (Hamburger SV) spielte. Der vor einem Jahr Lara Gut heiratete. Und wenig später, nach einem ziemlich unglücklich verlaufenen Telefon mit Nationalcoach Vladimir Petkovic, seinen sofortigen Rücktritt aus dem Nationalteam gab.

Auf seiner Homepage zeigt Sion das Bild, das Behrami bei der Vertragsunterschrift im Büro von Constantin zeigt. Neben ihm ist Constantin zu sehen. Der strahlt, als hätte er gerade eine Meisterschaft gewonnen.

ths.

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