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Bayerns grosser Plan mit Goalie-Legende Oliver Kahn

Steht ein spektakulärer Umbruch bevor? Bei den Bayern zeichnen sich grosse Änderungen in der Vereinsführung ab.

Der neue Bayern-Präsident? Oliver Kahn soll künftig Clubchef des deutschen Rekordmeisters werden. Foto: Guido Kirchner (Keystone)
Der neue Bayern-Präsident? Oliver Kahn soll künftig Clubchef des deutschen Rekordmeisters werden. Foto: Guido Kirchner (Keystone)

Die Europameisterschaft 2020 ist wie gemacht für den Fernsehexperten Oliver Kahn. Die Qualifikation vorausgesetzt, würde die deutsche Nationalelf zwei ihrer drei Vorrundenspiele in München bestreiten, das steht bei diesem Mehrländer-Turnier nach diversen Vorabsprachen bereits fest. Kahn könnte also in der eigenen Stadt zur Arbeit gehen, aber ob er dieses Turnier noch als Fernsehexperte erreicht, erscheint zunehmend fraglich. Aktuell deutet zwar einiges darauf hin, dass Kahn diese EM als Heimschläfer verfolgen wird, aber nicht mehr im Dienst des ZDF.

Kahn könnte zu diesem Zeitpunkt schon wieder doppelt zu Hause sein: in seiner Stadt und bei seinem Verein, beim FC Bayern. Dort fällt sein Name auf den Fluren seit Jahren immer wieder mal, wenn es um die Zukunft des Klubs geht – gemäss der «Süddeutschen Zeitung» sind solche lockeren Gedankenspielchen inzwischen aber von einem konkreten Szenario mit Kahn als Vereinschef abgelöst worden, über das am Mittwoch als erstes die «SportBild» berichtete.

Dass Deutschlands berühmtester Fussballverein mitten in einem gewaltigen Umbruch steckt, zählt inzwischen zum Allgemeinwissen der Branche, allerdings wird diese These meist nur mit Fakten unterlegt, die sich aus der Tabelle und aus der Aufstellung dieser Fussballmannschaft herleiten. Der FC Bayern ist Fünfter hinter Eintracht Frankfurt, und Menschen, die ein Herz besitzen, macht es nicht so viel Spass, Spielern wie Ribéry, Robben, Boateng, Hummels, Müller oder Martinez beim Altern zuzuschauen. Diese markanten Gesichter verdecken aber oft das grosse Bild: Das zeigt einen Verein, bei dem sich auf allen Organisations- und Hierarchie-Ebenen ein Umbruch andeutet, nicht nur drunten auf dem Trainingsrasen, wo die Münchner am Mittwoch stolz den 18-jährigen kanadischen Flügelstürmer Alphonso Davies präsentierten, der ab Januar für den FC Bayern spielberechtigt ist.

Beim ZDF kennen sie Kahns Präferenz

Einen Umbruch müssen die Bayern zurzeit auch auf der Trainerbank moderieren, auf die nach menschlichem und vielleicht sogar nach Hoeness'schem Ermessen kein Jupp Heynckes mehr zurückkehren wird. Und ob es sich beim aktuellen Trainer Niko Kovac bereits um die Zukunftslösung handelt, wird mit jedem weiteren Tag auf Tabellenplatz fünf unwahrscheinlicher.

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Video: Scharfe Abrechnung der Bayern-Bosse

An einem Medientermin schoss die Bayern-Führung gegen Medien und Kritiker. Video: Tamedia

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Das lenkt den Blick nun wieder zurück zu Kahn, der – wenn es nach dem aktuellen Szenario geht – spätestens in zwei Jahren über die Besetzung der Trainerbank entscheiden oder mit entscheiden wird. Denn das ist die spektakulärste Dimension dieses sich anbahnenden Umbruchs: dass Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge, die den Verein irgendwann nach oder gar vor der Vereinsgründung übernommen haben müssen, sich inzwischen ernsthaft mit der eigenen Nachfolgeregelung befassen. Hoeness, 66, ist bis November 2019 als Präsident gewählt, Rummenigge, 63, besitzt als Vorstandsvorsitzender einen Vertrag bis zum 31. Dezember 2019.

Auch Kahn, 49, ist im Besitz eines gültigen Arbeitsvertrages, dem ZDF hat er sich bis zum Ende der EM 2020 versprochen. Allerdings hat der Sender schon im Falle des BVB-Funktionärs Sebastian Kehl gezeigt, dass er seine Experten nicht aufhält, wenn ihre Heimatvereine rufen. Beim ZDF haben sie auch schon von ernsthaften Gesprächen zwischen Kahn und Bayern gehört, und sie kennen auch die Präferenz ihres Mitarbeiters. «Seit Jahren» warte Kahn «sehnsüchtig» auf so einen Anruf, sagt einer, der ihn gut kennt. Tatsächlich hat sich Kahn auch seriös vorbereitet, nicht nur als Dauerbesichtiger hochwertiger Fussballspiele, sondern auch als Unternehmer.

Im Stillen am Masterplan gearbeitet

Beim FC Bayern kommentieren sie das Szenario nicht, aber natürlich kann es den Bossen nicht gefallen, dass eine Woche vor der Jahreshauptversammlung am 30. November öffentliche Dynamik in die Sache kommt. Bis dahin hatten die Bayern weitgehend im Stillen an diesem Masterplan herumgedacht, der tatsächlich einen gewissen Charme besitzt.

Oliver Kahn, Sternzeichen Titan, passt perfekt ins Beuteschema, er kommt einem trotz des nachgewiesenen Geburtsjahrs 1969 vor wie einer, dessen Namen schon auf der Gründungsurkunde des Vereins im Jahr 1900 stehen müsste. Möglicherweise war es auch Kahn, der der Vereinssatzung den bis heute gültigen «immer-weiter-immer-weiter»-Passus hinzu gefügt hat, und so wirkt er einstweilen wie die einzig einleuchtende Lösung auf dem Markt. Zumal sich Philipp Lahm inzwischen bis 2024 mit dem DFB verabredet hat, als Organisationschef für die EM 2024 in Deutschland - offenbar übrigens mit dem Segen des FC Bayern, in dessen Reihen es durchaus Lahm-Skeptiker gab. Einer davon heisst Uli Hoeness.

Max Eberl könnte wieder ins Spiel kommen

Lahms Erwartungen an sein Jobprofil sind dem konservativen Hoeness damals offenbar zu offensiv gewesen, und so ist mit Spannung zu erwarten, auf welches Modell sich Kahn und der Klub einigen könnten. Möglich wäre, dass Kahn, quasi zum Einlernen, ab Herbst 2019 oder zum Jahresanfang 2020 die vakante Stelle eines Sportvorstands übernehmen und neben Vorstandschef Rummenigge die Geschäfte führen könnte - mit der Aussicht, in sehr absehbarer Zeit Rummenigges Posten an der Spitze zu übernehmen (Rummenigge könnte neben Hoeness in den Aufsichtsrat rücken).

Der Posten eines Sportvorstands unter Kahn wäre dann wieder zu vergeben, und es gilt als nicht sehr wahrscheinlich, dass der kaum sichtbare Hasan Salihamidzic - als Sportdirektor eine Ebene tiefer platziert - in den Vorstand aufrückt. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» könnte eher ein alter Bekannter wieder ins Spiel kommen: Gladbachs Sportchef Max Eberl, 45, der schon einmal Hoeness' Lieblingskandidat war.

Am liebsten wäre es den Bayern gewesen, sie hätten diese Modelle in Ruhe zu Ende denken können. Eine öffentliche Debatte passt ihnen überhaupt nicht, und schon gar nicht in einem Moment, in dem sie Fünfter hinter Eintracht Frankfurt sind.

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