Zum Hauptinhalt springen

Auch im Galaanzug stilsicher

Beim drittplatzierten FC Thun herrscht vor dem Rückrundenauftakt bemerkenswerte Ruhe. Die Leistungsträger sind geblieben, trotzdem will Trainer Marc Schneider nichts von Euphorie wissen.

Herausgeputzt: Marc Schneider auf dem grünen Teppich vor der SFL Award Night am Montag in Luzern.
Herausgeputzt: Marc Schneider auf dem grünen Teppich vor der SFL Award Night am Montag in Luzern.
Urs Lindt

Statistikaffine Sympathisanten des FC Thun könnten durchaus in Euphorie verfallen, wenn sie die Super-League-Tabelle anschauen. Rang 3, 28 Punkte. Es ist erst zum dritten Mal seit der Einführung der Super League 2003/2004, dass die Thuner nach der Vorrunde so viele Punkte auf dem Konto haben. Vor vier Jahren waren es unter Urs Fischer gar 29 gewesen, Ende Saison lagen die Oberländer mit 52 Punkten auf Rang 4 und stiessen bis ins Europa-League-Playoff vor. Zehn Jahre davor ging der europäische Höhenflug gar noch weiter. Nach 28 Punkten in der Vorrunde beendeten die Thuner die Saison als Vizemeister und spielten sich bis in die Champions-League-Gruppenphase. Die 28 Punkte der ­aktuellen Spielzeit könnten also durchaus verheissungsvoll interpretiert werden.

Die veränderte Mentalität

Doch in der Stockhorn-Arena sind am Mittwochmorgen, drei Tage vor dem Auftakt in die Rückrunde in Lugano (Samstag, 19 Uhr), europäische Träume weit weg. Während draussen ein eisiger Wind über die Tribünen fegt, schwitzen die Spieler des FC Thun in den ­Katakomben. Konditionstrainer Pi Zürcher leitet eine intensive Krafteinheit. Auch Dejan Sorgic, Matteo Tosetti und Marvin Spielmann ­machen mit. Dass die drei Leistungsträger nach wie vor in Thun sind, ist neben Punkteausbeute und Tabellenplatz ein weiterer Beleg für die ausgezeichnete Arbeit, die im Oberland zuletzt geleistet wurde. Wahrscheinlich, sagt Trainer Marc Schneider, hätte sie früher nach so einer erfolgreichen Vorrunde der eine oder andere Spieler mehr verlassen.

Mit dem an Kriens ausgeliehenen Omer Dzonlagic und dem gestern bekannt­ gegebenen Wechsel von Mickaël Facchinetti nach Zypern (siehe Box) hatte der FCT erst zwei ­Abgänge von Ergänzungsspielern zu verzeichnen. Im Team herrschen eine bemerkenswerte Ruhe und Kontinuität, die Schneider auf eine Veränderung in der Mentalität zurückführt. «Die Spieler spüren nicht nur, dass sie sich hier weiterentwickeln, sondern auch, dass sie etwas erreichen können.»

Dies führe dazu, dass sie nicht gleich beim erstbesten Angebot einen Wechsel anstreben, sondern sich den Verlauf ihrer Karriere genau überlegen. «Ein Wechsel in der Winterpause ist nicht optimal», sagt denn auch Captain Dennis Hediger, weil man in ein an sich funktionierendes Team komme. Das sei ­seinen jüngeren Teamkollegen ­bewusst. «Es muss niemand etwas erzwingen, denn das Projekt hier ist noch nicht fertig.»

Aller Ruhe zum Trotz: Schneider sagt, es wäre falsch, anzunehmen, dass auf eine gute Vorrunde automatisch eine gute Rückrunde folge. «Wir müssen noch mehr investieren, noch besser arbeiten. Es kann schnell gehen.» Der 38-Jährige hält kurz inne, das Floskelhafte dieser Aussage ist ihm durchaus bewusst. Und deshalb schiebt er leicht verschmitzt nach: «Das ist keine Floskel.»

Die Stimme für Seoane

Schneider ortet in allen Mannschaftsteilen Verbesserungspotenzial. Die Thuner stellen zwar hinter dem souveränen Leader YB die zweitproduktivste Offensive (36 Tore) sowie hinter den Bernern und Zürich die drittbeste Defensive der Liga (27 Gegentreffer). Dennoch sagt Schneider: «Wir können noch mehr Tore schiessen und weniger erhalten. Wenn wir das schaffen, können wir eine gute Rückrunde spielen. Wenn nicht, kann es eine zähe Angelegenheit werden.» Oberstes Ziel bleibe, möglichst schnell genügend Punkte für den Ligaerhalt gesammelt zu haben.

Diese Akribie, sich und das Team ständig zu verbessern, ­gepaart mit bemerkenswerter ­Bodenständigkeit und Sozialkompetenz ist das Erfolgsrezept des Thuner Teamchefs, das ihm diese Woche auch eine Nomination zur Auszeichnung des Trainers des Jahres eingebracht hat. Dass am Ende nicht er, sondern YB-Trainer Gerardo Seoane den Preis entgegennehmen durfte, störte Schneider indes gar nicht. «Ich habe selber ja auch für Gerry gestimmt.» Viel mehr habe ihn sowieso gefreut, dass mit Sorgic, Tosetti und Nicola Sutter drei seiner Spieler fürs Team des Jahres nominiert gewesen waren und Topskorer Sorgic darin Aufnahme fand.

«Das zeigt, dass wir einiges richtig machen.» Trotzdem spielen solche Auszeichnungen in Schneiders Wahrnehmung eine untergeordnete Rolle. Das Wichtigste bleiben die Arbeit und der Erfolg auf dem Fussballfeld. Und deshalb fügt Marc Schneider an: «Mir ist lieber, wenn wir in ­diesem Jahr als Team etwas gewinnen.» Im Cup fehlen dem FC Thun drei Siege bis zum Titel.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch