Als ob Gerndt nie weg gewesen wäre

Positives aus dem Trainingslager in Belek: YB-Stürmer Alexander Gerndt ist nach fast einjähriger Absenz wieder zurück.

Den Ball endlich wieder im Visier: Alexander Gerndt meldet sich nach einer Verletzungsodyssee zurück (Archivbild).

Den Ball endlich wieder im Visier: Alexander Gerndt meldet sich nach einer Verletzungsodyssee zurück (Archivbild).

(Bild: Max Füri)

Es war, als wäre er nie weg gewesen. Alexander Gerndt rackerte an vorderster Front, kam zu einer hervorragenden Torchance und verrichtete generös Defensivarbeit, für ein dezidiertes Einsteigen wurde er zudem etwas hart mit einer Verwarnung bestraft. Nach einer Halbzeit war dann sein Arbeitstag beendet, für Gerndt überhaupt kein Problem. «Kurz vor der Pause wurde ich immer müder, aber das ist normal. Insgesamt bin ich auf dem richtigen Weg», zog er eine positive Bilanz des Teileinsatzes.

Den Rest der Partie verfolgte er auf der Bank. Und er sah, wie YB dem Bundesligisten Hertha Berlin Paroli bot, ja die besseren Chancen hatte, obwohl Uli Forte in der Pause neun Wechsel vornahm, während Herthas Stammelf durchspielte. Und er sah auch, wie im Penaltyschiessen Guillaume Hoarau, Renato Steffen, Leonardo Bertone und Marco Bürki alle souverän trafen und wie Yvon Mvogo den Sieg durch Glanztaten gegen Valentin Stocker und Fabian Lustenberger sicherstellte.

Testspiele bedeuten innerhalb eines Trainingslagers generell eine wettkampfmässige Abwechslung von den knochenharten Einheiten, und dies ohne substanziellen Resultatdruck. Für Gerndt war das gestrige Duell zweier Hauptstadtclubs aber viel mehr, wie er strahlend verriet: «Die Freude, dass ich wieder das YB-Dress tragen darf, ist riesengross.» Schliesslich hatte er diese Erfahrung elf Monate missen müssen. 345 Tage waren vergangen zwischen dem brutalen Foul von Basels Taulant Xhaka und dem vergangenen Samstag, als Gerndt gegen Hannover im offensiven Mittelfeld sein 30-minütiges Comeback gab.

Das Innenleben vermisst

Für den verheirateten Vater dreier Kinder ist derzeit jede Einsatzminute wichtig, noch viel wichtiger aber, dass er überhaupt wieder seiner Passion nachgehen darf. Denn die vergangene Zeit war nicht nur lang, sie war vor allem hart. Der Teamplayer vermisste in erster Linie das Innenleben in der Mannschaft. «Wenn man sich gewohnt ist, jeden Tag zusammen in der Garderobe zu sein und immer zusammen zu trainieren, und dies dann monatelang nicht tun darf, dann ist das schon sehr schwierig.»

Drei Monate, so hatte man anfangs gedacht, würden die Verletzungen – Innenbandriss am Knöchel, Riss des Syndesmosebands und Knochenabsplitterungen – den Schweden von den Plätzen fernhalten. Etwas später, kurz vor Beginn der Meisterschaft, schien er dann endlich bereit zu sein, als ein neuer Schock kam. Statt wieder voll mitzuspielen, musste er sich einer weiteren Operation unterziehen, und «als ich den Gips am Bein gesehen habe, wusste ich, dass es ein paar weitere Monate dauern wird».

Im November dann machte verstärkte Narbenbildung im operierten rechten Sprunggelenk einen neuerlichen kleineren Eingriff nötig. «Aber jetzt bin ich wieder ganz fit», sagt er lächelnd. Am 22.Februar wird YB den FCB empfangen, und es dürfte zu einem Wiedersehen mit Xhaka kommen, der sich nie entschuldigt hat. Groll hegt der 28-Jährige gegenüber dem rustikalen Abwehrspieler nicht: «Ich war nie wütend auf ihn. In diesem Moment sind einfach viele Sachen falsch gelaufen.»

«Guillaume macht uns besser»

Während der Pause hatte Gerndt über Gebühr Musse, seinen Kameraden zuzusehen. Was er sah, hat ihm gefallen: «Wir sind in den schwierigen Partien stabiler geworden, mental stärker und treten noch mehr als Einheit auf.» Verändert hat sich auch die Physiognomie in der Offensive. Michael Frey und Josef Martinez verdienen ihr Geld nun im Ausland, dafür wurde mit Guillaume Hoarau ein Brecher verpflichtet und damit ein Konkurrent für Gerndt. Dieser ist voll des Lobes über ihn: «Guillaume ist ein sehr guter Spieler, er ist clever und talentiert und macht uns besser.»

Dass er selber wegen der Qualitäten des Franzosen einen schwierigen Stand haben könnte, ist für Gerndt derzeit kein Thema, ebenso wenig will er sich an Diskussionen beteiligen, ob er sich beim Rückrundenstart hinter den Spitzen sehe. «Ich komme von so weit weg, ich kann nicht davon ausgehen, in zwei Wochen schon in der Startformation zu stehen. Im Moment denke ich nur ans nächste Training und sehe mich als Bonusspieler, der dem Team hoffentlich bald einiges bringen kann.»

Berner Zeitung

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