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Als Blogger gestartet, in der Bundesliga gelandet

Im Internet dachte René Maric laut über Taktik nach. So brillant, dass er heute Assistenztrainer bei Borussia Mönchengladbach ist.

Als Autor beim Taktik-Blog «spielverlagerung.de» hat sich Maric Spiele angeschaut, tage- und nächtelang, und darüber Berichte verfasst. Und das mit Erfolg: Er findet Anstellungen im Profifussball.
Als Autor beim Taktik-Blog «spielverlagerung.de» hat sich Maric Spiele angeschaut, tage- und nächtelang, und darüber Berichte verfasst. Und das mit Erfolg: Er findet Anstellungen im Profifussball.
Bild: borussia.de
So steigt er bei Salzburg ein, feiert zusammen mit dem damaligen Trainer Rose (l.) Erfolge. Die beiden gewinnen mit der U19 die Youth League der Uefa, die Champions League für den Nachwuchs.
So steigt er bei Salzburg ein, feiert zusammen mit dem damaligen Trainer Rose (l.) Erfolge. Die beiden gewinnen mit der U19 die Youth League der Uefa, die Champions League für den Nachwuchs.
Keystone
Mit Rose ist er dann auch nach Gladbach gewechselt. Beim zwischenzeitlichen Leader der Bundesliga und aktuellen Tabellenvierten ist der 27-Jährige als einer von vier Assistenten für das Spiel mit dem Ball verantwortlich.
Mit Rose ist er dann auch nach Gladbach gewechselt. Beim zwischenzeitlichen Leader der Bundesliga und aktuellen Tabellenvierten ist der 27-Jährige als einer von vier Assistenten für das Spiel mit dem Ball verantwortlich.
Keystone
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Es gab eine Zeit, da konnte man deutsche Fussball-Granden mit einem Wort in Rage bringen. «Laptop-Trainer», so der etwas flapsige Begriff für jene modernen Fussball-Lehrer, die die Vermittlung des Spiels etwas ganzheitlicher angingen, als nur mit der Erfahrung aus der eigenen Karriere. Und so heissen die deutschen Erfolgstrainer heute Klopp, Tuchel und Nagelsmann. Und eben nicht Scholl – der Begründer der «Laptop»-Kritik –, Matthäus oder Effenberg.

Als Autor beim Taktik-Blog «spielverlagerung.de» hat sich Maric Spiele angeschaut, tage- und nächtelang, und darüber Berichte verfasst.

Und die deutschen Co-Erfolgstrainer heissen zum Beispiel Maric, waren selber nie Profi, bis vor kurzem noch Student und kommen eigentlich aus Österreich. Wie René Maric, 27, aufgewachsen im Innviertel im Nordwesten Österreichs, die rechte Hand von Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach wurde, ist eine ebenso einzigartige wie schöne Geschichte.

Ein Laptop steht dabei tatsächlich am Anfang, gewissermassen. Als Autor beim Taktik-Blog «spielverlagerung.de» hat sich Maric Spiele angeschaut, tage- und nächtelang, und darüber Berichte verfasst. Es sind lange Texte in sperriger Sprache, manchmal an die 60.000 Zeichen zu einem Spiel, es geht um Rauten und Rhomben, um Pressing und Positionsspiel. «Wir wussten damals oft nicht, wie wir etwas beschreiben sollten, wenn wir es neu entdeckten», sagte Maric kürzlich gegenüber «11Freunde».

Ein Mandat für Tuchel

Maric schreibt Text um Text, und er schreibt auch Marco Rose an, damals noch Trainer in der Jugend von Red Bull Salzburg. Die beiden tauschen sich aus, Rose erkennt Marics Talent, einen Gegner taktisch zu durchschauen. Maric erarbeitet sich einen Namen in der Szene, hat einmal kurzzeitig ein Mandat beim damaligen Mainz-Trainer Thomas Tuchel, berät dann den fortschrittlichen, auf Datenanalyse vertrauenden dänischen Club FC Midtjylland.

Das Psychologiestudium muss immer mehr hinten anstehen, irgendwann auch die Arbeit als Jugendtrainer bei einem Kleinclub. Maric steigt bei Salzburg ein, feiert zusammen mit Rose Erfolge. Die beiden gewinnen mit der U19 die Youth League der Uefa, die Champions League für den Nachwuchs. Sie werden befördert, werden mit der ersten Mannschaft Meister und stossen in den Halbfinal der Europa League vor. Als Rose im vergangenen Jahr zu Gladbach weiterzieht, nimmt er Maric gleich mit. Beim zwischenzeitlichen Leader der Bundesliga und aktuellen Tabellenvierten ist der 27-Jährige als einer von vier Assistenten für das Spiel mit dem Ball verantwortlich – neben Ex-Profis wie Alexander Zickler oder Oliver Neuville.

Der Weg von René Maric steht für die Akademisierung des modernen Fussballs. Das Spiel steht kurz vor seiner kompletten Vermessung – da ist es nichts als selbstverständlich, dass jemand an der Seitenlinie steht, der an dieser Vermessung selber teilgenommen hat. Der Weg vom Laptop auf die Trainerbank ist kein ungewöhnlicher mehr – und die eigene Erfahrung als Profi rückt in den Hintergrund. Von der Karriere als Spieler hielten Maric unter anderem zwei Kreuzbandrisse, ein Beckenbruch und ein Knochentumor ab.

Von den Grossen auf die Kleinen schliessend

«Ich konnte einen Ball stoppen und hatte auch mal eine kreative Idee», sagt er über seine Veranlagungen als Spieler, auch wenn sein Vorgesetzter Rose heute meint, er wäre ein guter Kicker geworden. Schon als Teenager begann Maric deswegen, Kinder und Jugendliche zu trainieren. Nach grossen Spielen am Fernsehen fasste er die beobachteten Muster bei «spielverlagerung.de» zusammen und fragte sich «Klappt das auch mit Amateuren?»

Die Arbeit im Nachwuchs scheint für viele prominente Ex-Profis zu wenig reizvoll – obwohl sie die perfekte Grundlage für ein späteres Trainerleben wäre. Die Auffassung, dass nur prominente Spieler auch gut coachen können, hat bereits unter Karrieren wie jener von José Mourinho gelitten – heute gilt sie als komplett widerlegt. Und weil die bejubelten Spieler nach ihrem Rücktritt dann oft eine Stufe zu hoch einsteigen und unter dem massiven Druck selten lange am Werk bleiben, steht im Unterbau der neuen Trainergilde Tür und Tor offen. Es sind Trainer wie René Maric. Sie mögen mehr am Laptop sitzen. Dort, wo das Spiel halt vor dem Anpfiff verhandelt wird.

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Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

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