Zwei abgezockte Stürmer gesucht

Der Traum von Trainings mit Messi und die Rückkehr eines 40-Jährigen: Geschichten aus der Zeit des Mercato.

Fredy Bickels Stürmertransfer: Jérémy Guillemenot. Bild: Twitter/Rapid Wien

Fredy Bickels Stürmertransfer: Jérémy Guillemenot. Bild: Twitter/Rapid Wien

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Gesucht: Spieler. Es ist Sommer, es ist die Zeit des Mercato, und gehandelt werden Fussballer mit grossen Namen und andere, die an einem Ort nicht mehr gebraucht werden. Oder junge, die begehrt sind, weil mit ihnen vielleicht später Geschäfte gemacht werden können, oder alte, deren grosse Zukunft längst hinter ihnen liegt, die aber mit ihrem Namen an einem neuen Ort nochmals Sehnsüchte wecken.

Turin weinte vor einigen Wochen, weil der ewige Gigi, 40 inzwischen, sein Tor verlassen hat, doch jetzt herrscht Hysterie, weil eine noch viel grössere Marke, CR7, ins Piemont gezogen ist. Paris empfing dafür Gigi, der seine Handschuhe doch noch nicht ablegen wollte.

Gesucht: Spieler. Mercato sind auch solche Geschichten. Von Spielern, die von einer grossen Karriere träumten. Wie Jérémy Guillemenot. 20 ist er erst, in Genf zur Welt gekommen, er hat einen Schweizer Pass, der Vater ist Franzose, die Mutter Portugiesin. Er sei, hiess es, als er noch ein Kind war, eines der grössten Stürmertalente im Land, überall war er begehrt.

Ein Traum zerplatzt

Barcelona holte ihn, versprach vieles, Guillemenot sah sich schon neben Messi trainieren, doch die Realität war anders, er wurde in die Provinz zu Sabadell abgeschoben. Jetzt ist er in Wien bei Rapid. Weil Sportchef Fredy Bickel ihn seinerzeit von YB überzeugen wollte und ihn, um Eindruck zu machen, zusammen mit Hoarau in Genf besuchte, vergeblich. Weil Bickel ihm auch nachher oft SMS geschrieben hat. Der FC Basel war noch letztes Jahr bereit, 750'000 Franken zu zahlen, Barcelona winkte ab, jetzt holte ihn Bickel gratis nach Wien. Aus dem einst selbstbewussten Talent ist ein schüchterner Mann geworden, der Zweifel hat und verunsichert ist. Bickel glaubt immer noch an Guillemenot.

Gesucht: Spieler. So lange ist es nicht her, es war die Zeit, als es in dieser Zeitung noch die Rubrik «Schatzchäschtli» gab und man so die Frau suchen konnte, die am Montag im 2er-Tram sass, nachmittags um halb zwei beim Bellevue ausgestiegen ist, blond, lange Haare. Und im Fussballmagazin «Kicker» gab es solche Anzeigen: «Seriöser Fussballbundesligist benötigt 2 abgezockte Stürmer, welche Tore schiessen.» Es stand eine Telefonnummer dabei, faxen konnte man auch.

Noch 1999 gab es diese Anzeigen. Claudio Pizarro, Peruaner, ging damals zum ersten Mal zu Werder Bremen. Bald 40 ist Pizzaro heute, er wechselt jetzt zum fünften Mal nach Bremen. Faxgeräte gibt es in Europas Fussballwelt wohl nur noch eines, im Hause von Uli Hoeness am Tegernsee. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2018, 10:33 Uhr

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