«Wer stillsteht, wird überrannt, liegen gelassen und vergessen»

Inkonsistenz und die Blamage im Cup gegen Buochs werfen Fragen auf. YB-Sportchef Fredy Bickel sagt vor dem Heimspiel gegen Basel unmissverständlich, was er in Zukunft auch von Trainer Uli Forte erwartet.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Fredy Bickel, wie hat YB die Nationalmannschaftspause überbrückt?
Wir haben intensiv gearbeitet und ein Testspiel gegen Bundesligist SC Freiburg absolviert.

Wie verlief dieser Test?
Wir spielten in Lörrach. Und es kamen 2200 Zuschauer, die ein spektakuläres Spiel sahen.

Was hat Ihnen daran so gefallen?
Unsere Mannschaft zeigte eine engagierte Leistung. Ein gutes Spiel hat beim 1:2 auch Stürmer Adrian Nikci gemacht, der uns mit einem herrlichen Spielzug über Gajic in Führung brachte. Zudem konnten wir nach seiner Verletzungspause endlich wieder einmal Stürmer Gonzalo Zarate einsetzen, der über 45 Minuten gespielt hat und am Samstag gegen Basel womöglich wieder im Kader steht.

Wen kann man von den Langzeitverletzten ebenfalls bald einmal zurückerwarten?
Verteidiger Milan Vilotic wird möglicherweise gegen Basel ebenfalls auf der Ersatzbank sitzen. Stürmer Alexander Gerndt macht nach seiner schweren Verletzung, die er sich in der letzten Saison gegen Basel zugezogen hat, ebenfalls grosse Fortschritte. Er wird in absehbarer Zeit erstmals mit der U-21-Mannschaft einlaufen.

Sie haben die Probleme bei YB unter anderem auch mit den vielen Abwesenden begründet.
Alle unsere Führungsspieler – Von Bergen, Gerndt, Wölfli und Vilotic – waren lange verletzt. Auch während unserer gesamten Vorbereitungszeit. Zudem hat Spycher seine Karriere beendet. Das sind alles absolute Leader, die grosse Löcher rissen. So etwas kann in der Schweiz wohl ausser dem FC Basel kein Club einfach so wegstecken.

Doch bald wird YB wieder auf sämtliche Akteure im Kader zurückgreifen können. Die Zeit der Ausreden und Alibis ist dann vorbei.
Ich habe diese Ausfälle nie als Ausrede benutzt. Wir haben auch so noch sehr viel Qualität im Kader, konnten diese aber nicht immer auf den Platz bringen.

Aber wo liegt denn das Problem?
Es ist wie verhext, wir haben noch immer zu viele negative Ausreisser in unseren Partien. Wir sind auf dem Weg der Besserung, aber es fehlt noch immer schlicht und einfach die Konstanz.

Verantwortlich ist im Endeffekt der Trainer. Ist Uli Forte überhaupt noch der richtige Trainer für YB?
Ja, absolut, da bin ich mir ganz sicher. Ich bin mit dem Verlauf der Meisterschaft plus minus zufrieden. Das Spiel in Aarau zuletzt hätten wir nicht verlieren dürfen. Dafür wollen wir uns bei den Fans im Heimspiel am Samstag gegen den Meister rehabilitieren. Das Ausscheiden im Cup bei Erstligist Buochs ist unverzeihlich und für uns alle noch immer eine Riesenenttäuschung.

Uli Forte hat in diesem Spiel gleich neun Änderungen vorgenommen. War das nicht ein kapitaler Fehler des Trainers?
FCZ-Trainer Urs Meier hat im Cupspiel gegen die Basler Blackstars acht Änderungen vorgenommen und das Spiel gewonnen. Wir hatten in Buochs immer noch eine sehr gute Mannschaft auf dem Platz, da hat es anderweitig nicht gestimmt. Auch an der Einstellung. Die Einstellung zu diesem unterklassigen Gegner fehlte. Diese Niederlage kreide ich nicht einem Einzelnen, nicht dem Trainer, sondern uns allen an.

Aber trotzdem kann es in Zukunft ja nicht so weitergehen mit dem ständigen Auf und Ab. Was erwarten Sie im Speziellen von Uli Forte?
Auch er steht wie wir alle unter einem Druck, unter Beobachtung. Wir brauchen den mittelfristigen Erfolg, wollen uns weiterentwickeln, an Kontinuität gewinnen. Um sich als Verein weiterentwickeln zu können, braucht es Führungspersonen, die vorneweg gehen, im Leben, an jedem Tag ebenfalls immer einen Schritt vorwärtskommen wollen.

Und wenn das Forte nicht gelingt?
Dies liegt auf der Hand und gilt für jede Person in einer Kaderposition. Wer stillsteht wird irgendwann eingeholt, überrannt und darf sich nicht wundern, wenn er anschliessend liegen gelassen und vergessen wird und gehen muss.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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