Souverän im Spiel, staunend auf dem Sofa

Den Young Boys scheint die ruhige Winterpause mit dem Bekenntnis zum Titel vorzüglich bekommen zu sein. Nach dem 2:0 gegen St. Gallen und der überraschenden Basler Niederlage ist der Vorsprung auf den FCB auf fünf Punkte angewachsen.

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Da war Zurückhaltung: «Es gibt immer Dinge zu verbessern», sagte Leonardo Bertone. Da war Weitsicht: «Nächste Woche müssen wir uns neu beweisen», sagte Steve von Bergen. Und da war Verzicht: «Frag einen andern», sagte Marco Wölfli keck.

YB 2, St. Gallen 0 – der Auftakt ins Jahr 2018 ist den Young Boys nach Mass geglückt, doch allzu viel wollten die Berner Exponenten diesem Sieg nicht beimessen. Nebst Zurückhaltung hatten sie zuvor vor allem eine Qualität demonstriert, die gerade in der Langstreckendisziplin Meisterschaft von Nutzen ist: Timing.

YB war ja furios gestartet im Sommer, mit drei Siegen und neun Toren. Es gab Ausrutscher gegen Thun, gar zweimal, auch in Lausanne, aber immer vermochten die Berner zu reagieren. In der Vorweihnachtszeit, als YB in zwei Runden fünf Punkte verspielt hatte, traten die Beobachter mit dem allwissenden Gesicht auf den Plan. Daraufhin gewannen die Young Boys souverän in Luzern.

Alles im Zeichen des M-Wortes

Es mag vielleicht auf den ersten Blick nicht danach ausgesehen haben, aber in gewisser Hinsicht war auch am Samstag so ein Moment für die Young Boys. Abgesehen von der bitteren Nachricht, dass Stammkeeper David von Ballmoos grosse Teile der Rückrunde verpassen würde, blieb es in der Winterpause ziemlich ruhig, Sportchef Christoph Spycher liess sich auf keine Spielchen an der Transferfront ein.

Früh und konsequent suchten die Berner den Weg zum Tor, ein solches war nur eine Frage der Zeit, und schliesslich traf Guillaume Hoarau zum 1:0. 

Endlich konnten die Berner im Fernduell mit dem FC Basel auch mal wieder vorlegen und am Samstag antreten. Ein guter Start war unabdingbar. Das bedeutete auch Druck. Druck, mit dem YB souverän umzugehen wusste.

Und so gab es nie Zweifel am Ausgang dieser Partie. Früh und konsequent suchten die Berner den Weg zum Tor, ein solches war nur eine Frage der Zeit, und schliesslich traf Guillaume Hoarau zum 1:0. Hoarau. Noch so eine Personalie, um die man sich in der Winterpause so seine Gedanken gemacht hatte. Kann er seine Baisse aus der Hinrunde überwinden? Gibt es für ihn überhaupt einen Platz in dieser vorzüglich harmonierenden Mannschaft? Solche Fragen hat der Franzose mit dem überzeugenden Auftritt gegen St. Gallen fürs Erste beantwortet.

In kommunikativer Hinsicht standen die letzten Wochen bei YB ja ganz im Zeichen des M-Wortes. Natürlich wolle man jetzt Meister werden, verkündete Trainer Adi Hütter vor einer Woche. Und skizzierte die Ausgangslage am Freitag vor der Partie gegen St. Gallen noch genauer. «Wir können mit diesem Druck positiv umgehen, davon bin ich überzeugt. Deswegen sprechen wir auch offen darüber.»

Der Österreicher tut sich manchmal schwer damit, dass die Öffentlichkeit die Liga auf den Titelkampf Basel gegen YB reduziert. «Wir spielen ja nicht nur gegen Basel. Aber wir müssen die Öffentlichkeit nicht von unserer Sichtweise überzeugen. Wir müssen Leistung bringen.»

In kommunikativer Hinsicht standen die letzten Wochen bei YB ja ganz im Zeichen des M-Wortes.

Das ist den Young Boys gegen St. Gallen vorzüglich geglückt. Der Druck liess bis zum 2:0 nicht nach, die Tore fielen zum idealen Zeitpunkt. Und nach Miralem Sulejmanis Tor nahm YB Tempo aus dem Spiel, was keine Folgen zeitigte, vor allem auch, weil St. Gallen kaum noch Regung zeigte.

Der Paukenschlag am Sonntag

Die eigentliche Überraschung des Wochenendes folgte für YB dann am Sonntag auf dem Sofa. Dort gedenke man zu verfolgen, wie sich der FCB gegen Lugano schlage, sagte Christian Fassnacht noch am Samstagabend. Dass der Meister zu Hause gegen den Aufsteiger gleich verliert, hatte man sich weder in Bern noch in Basel so vorgestellt.

Neu beträgt der Vorsprung fünf Punkte. Es ist ein verheissungsvoller Start in dieses für YB womöglich so bedeutende Jahr. Auf dem Weg zum Titel wird es für die Young Boys auf jeden Fall noch härtere Prüfungen geben, als es die Ostschweizer waren. Aber Anzeichen, diesen nicht gewachsen zu sein, zeigten sie am Samstag keine. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.02.2018, 09:06 Uhr

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