New York drückt YB die Daumen

Geht es nach der «New York Times», der bekanntesten Zeitung Nordamerikas, ist es an der Zeit, dass Serienmeister Basel mal wieder das Nachsehen hat.

Weil es ihnen vor langweiligen Ligen graut: Die Amis hoffen, dass YB die Basler Dominanz brechen kann. <i>Cartoon: Max Spring</i>

Weil es ihnen vor langweiligen Ligen graut: Die Amis hoffen, dass YB die Basler Dominanz brechen kann. Cartoon: Max Spring

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

YB-Sportchef Christoph Spycher wurde während seiner Laufbahn als Fussballer sicher nie von der «New York Times» (NYT) beachtet. Doch dieser Tage war das der Fall. Die Young Boys werden von der prominentesten Zeitung Nordamerikas als Hoffnungsträger einer neuen Entwicklung beschrieben, nachdem selbst dem Korrespondenten nicht entgangen ist, dass die Berner vor dem FC Basel liegen.

Denn dem amerikanischen Sportpublikum graut es vor Zuständen wie im europäischen Fussball: Dominanz der immer gleichen Clubs und deshalb fehlende Spannung. Aus diesem Grund sorgen die Profiligen in den USA seit je durch reglementarische Eingriffe für möglichst grosse Ausgeglichenheit. Beispiele sind das Draftsystem, wonach die schlechtesten Clubs den ersten Zugriff auf die besten Nachwuchsspieler erhalten, oder die Lohnbegrenzung für das Kader.

Bemerkenswert ist, dass die NYT nicht nur die Dominanz der ewig gleichen Champions-League-Favoriten beklagt oder die Langeweile der Bundesliga, wo an der Spitze allenfalls die Frage interessiert, ob Bayern München jeweils mit 15 oder 20 Punkten Vorsprung gewinnt. Analysiert wird die Überlegenheit im Unterbau der Champions League: die acht Titel hintereinander des FC Basel, die Serie von zwölf Titeln des weissrussischen Meisters Bate Borisow, die Überlegenheit von Teams wie Celtic Glasgow, Dinamo Zagreb oder Olympiakos Piräus.

Die Meisterschaften dieser Länder seien zu reinen Prozessionen verkommen, wird festgehalten. Entsprechend hat die B-Prominenz des europäischen Fussballs gut verdient: Für den Club Bate Borisow sind die über die letzten fünf Jahre erzielten Einnahmen als Vorzimmerteilnehmer der Champions League noch mehr wert als die 68 Millionen Dollar, die der Analyst dem FC Basel anrechnet. Olympiakos hat in derselben Zeit 125 Millionen Dollar an Uefa-Prämien verdient.

All diese Mannschaften finden ihr sportliches Glück in der Qualifikation für die Gruppenspiele, wie das dem FCB erneut gelungen ist. Dazu kommt der Verkauf der besten Spieler, die im Königswettbewerb gezeigt werden können und allein deshalb mehr Transfergeld einbringen.

Schon die Tatsache, dass der FC Basel ausnahmsweise seiner nationalen Konkurrenz noch nicht enteilt ist, findet also bereits über die Grenzen hinaus Beachtung. Das deckt den Fehler des europäischen Fussballsystems auf: Wer nicht an die Honigtöpfe der Uefa rankommt, kann von Erfolgen nur träumen. Als kommerziell benachteiligter Aussenseiter hat man nicht einmal mehr in der eigenen Liga eine Chance, von der Champions League nicht zu reden.

YB hat es in den vergangenen Jahren immer irgendwie geschafft, letztlich als Verlierer dazustehen. Nichts gegen den FC Basel, aber drücken wir nun den Bernern die Daumen. Diesmal hat Basel die Meisterschaft noch nicht erstickt, die Prozession ist ins Stocken geraten. Vielleicht halten die Berner für einmal durch, vielleicht führen sie dem Schweizer Fussball endlich neuen Sauerstoff zu.

Guido Tognoni arbeitete jahrelang für Fifa und Uefa. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 15:36 Uhr

Artikel zum Thema

YB: Vier Tore und eine Botschaft

Die Young Boys lassen sich sowohl von gegnerischen Psychotricks als auch von eigenen Abwesenden nicht vom Kurs abbringen.Sie gewinnen am Geburtstag von Trainer Adi Hütter in Lausanne souverän 4:1. Mehr...

Souverän im Spiel, staunend auf dem Sofa

Den Young Boys scheint die ruhige Winterpause mit dem Bekenntnis zum Titel vorzüglich bekommen zu sein. Nach dem 2:0 gegen St. Gallen und der überraschenden Basler Niederlage ist der Vorsprung auf den FCB auf fünf Punkte angewachsen. Mehr...

Neue Töne, neue Titelmelodie?

VIDEO Vor dem Start der zweiten Saisonhälfte präsentieren die Young Boys ein neues Selbstverständnis. YB-Trainer Adi Hütter spricht vom Titel. Zuversichtlich stimmt der Verlauf der Winterpause. Mehr...

Paid Post

Erkunden Sie Europa mit dem Zug

Mit einem Zugang zu 250 000 km Eisenbahnstrecken bietet Interrail die Möglichkeit, mit noch mehr Verkehrsunternehmen in 30 Länder zu reisen.

Kommentare

Abo

Jetzt von 20% auf alle Digitalabos profitieren

Mit dem Gutscheincode DIGITAL20 erhalten Sie 20% Rabatt auf alle nicht-rabattierten Digitalabos.
Jetzt einlösen!

Die Welt in Bildern

Andocken: Ein F-22 Kampfjet der US-Luftwaffe tankt während eines Trainings in Norwegen mitten im Flug. (15. August 2018)
(Bild: Andrea Shalal) Mehr...