«Das ist eine völlig verrückte Geschichte»

Ex-Nationalgoalie Pascal Zuberbühler spricht über Privates und wie ein Telefonanruf sein Leben schlagartig verändert hat.

Pascal Zuberbühler freut sich auf eine neue Herausforderung.

Pascal Zuberbühler freut sich auf eine neue Herausforderung.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Pascal Zuberbühler, Sie waren Technischer Direktor bei Servette und haben den Challenge-League-Club nach zwei Jahren per Ende Saison wieder verlassen. Die Agenturen nannten vor allem private Gründe.
Das ist irgendwie falsch rübergekommen. Natürlich war ich von Solothurn nach Genf und zurück täglich mit dem Auto viel und während Stunden unterwegs und viel weg von daheim. Aber ansonsten könnte es mir Privat besser nicht gehen. Meine beiden Zwillinge Nevil und Nuria werden jetzt jährig und gedeihen prächtig. Meine Frau Beatriz ist eine wunderbare Mutter. Ich hätte nie geglaubt, wie schön das Vaterglück überhaupt sein kann. Ich bin rundum zufrieden und glücklich. Wir ziehen jetzt vom Solothurnischen nach Muttenz. Ich hätte in Genf arbeiten können. Aber das ging leider nicht mehr.

Weshalb?
Finanziell wurden die Probleme in Genf immer grösser. Und ich konnte mich auch mit einigen Entscheidungen der Clubführung nicht mehr identifizieren. Ich möchte es mal so zusammenfassen. Wir hatten mit dem ganzen Staff und einer hochtalentierten jungen Mannschaft eigentlich einen Ferrari. Aber wir hatten keine Autobahn, um so richtig Gas zu geben.

Sie blicken also auf zwei verlorene Jahre zurück, in der sich die Arbeit eigentlich nicht gelohnt hat?
Nein, überhaupt nicht. Es waren für mich zwei unglaublich wertvolle Jahre, in denen ich in einem für mich neuen Metier sehr viel lernen und profitieren konnte. Wir haben aus der Academy heraus viele junge Talente in die erste Mannschaft integriert und spielten bis fast zuletzt um den Aufstieg. Das werte ich als grossen Erfolg.

Sie waren einst Torhüter bei West Bromwich Albion und Fulham. Jetzt kehren Sie nach England zurück und werden Goalietrainer beim englischen Zweitligisten Derby County. Wie kam es dazu?
Das ist eine völlig verrückte Geschichte. Ich hatte längst meine Pläne in der Schweiz geschmiedet, wollte verschiedene Projekte in Angriff nehmen. Unter anderem auch mit der Fifa und dem Teleclub. Vor zehn Tagen erhielt ich einen Telefonanruf, der mein Leben schlagartig veränderte.

Wer hat Sie angerufen?
Trainer Paul Clement, der zuletzt Assistent von Carlo Ancelotti bei Chelsea, Paris St-Germain und Real Madrid war.

Was hat er Ihnen gesagt?
Dass er mich unbedingt als Goalietrainer verpflichten will. Und das macht mich unheimlich stolz.

Wie meinen Sie das?
Ich weiss aus Erfahrung: Wenn ein englischer Trainer seinen Staff zusammenstellt, dann setzt er vorwiegend auf Landsleute. Da hat ein Ausländer keine Chance. Und dass Paul Clement mich nun partout will, ist nun wirklich nicht üblich. Und Derby County ist nach wie vor eine grosse Adresse im englischen Fussball, auch wenn der Club zurzeit nur zweitklassig ist. Er ist ein Verein mit grossen Ambitionen.

Das kann also nur der Aufstieg in die Premier League bedeuten?
Ja, das muss unser Ziel sein. Der Club nimmt zurzeit brutal viel Geld in die Hand und investiert auch Millionen in die Infrastruktur. Ich habe noch nie ein solches Trainingsgelände mit zwölf Trainingsplätzen, Schwimmhallen und Rehabilitationsräumen gesehen. Da stimmt einfach alles. Ich musste nicht lange überlegen, um diese Herausforderung anzunehmen. Zudem hat mich meine Frau total unterstützt. Sie weiss, was der englische Fussball und dieses Land für mich bedeuten.

Ihre Familie wird also mit Ihnen nach England ziehen?
Ja, das ist für die Zukunft so geplant. Aber vorerst werde ich noch hin und her pendeln.

Viele englische Clubs verschulden sich massiv, um in die Premier League aufzusteigen, weil man sich in der obersten Liga mit einem Schlag durch die Fernsehgelder sanieren und viel Geld verdienen kann. Ist das auch bei Ihrem neuen Club der Fall?
Nein, soviel ich weiss, ist Derby County ein äusserst finanzstarker und gesunder Club, der sich auch in den Planungen für einen Aufstieg nicht verschulden muss.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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