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Das Jahr war erfolgreich, aber unbefriedigend

Die Bilanz 2019 in Bezug auf Wacker Thun fällt zwiespältig aus. In ihrem letzten Auftritt vor der fünfwöchigen Winterpause bestätigt Martin Rubins Mannschaft den Eindruck, den sie über weite Strecken hinterlassen hat.

Die Thuner bedanken sich beim Anhang für die Unterstützung 2019.Foto: Markus Grunder
Die Thuner bedanken sich beim Anhang für die Unterstützung 2019.Foto: Markus Grunder

Aufstehen? Oder doch sitzen bleiben? Die Zuschauer sind uneins. Die meisten von ihnen erheben sich dann doch. Das ist ein Akt des guten Willens und für die Akteure als Lohn für die im ganzen Jahr erbrachten Leistungen zu verstehen. Von den Sitzen gerissen hat einen die letzte Partie 2019 nicht. Vier Tore betrug der Vorsprung der Thuner zur Pause; die Führung hätte im Grunde noch höher ausfallen sollen. Gegner Basel schafft es zu Beginn von Hälfte zwei im Nu, die Begegnung auszugleichen. Und so muss Wacker sehr lange zittern um den Sieg im Heimspiel gegen den Tabellenletzten (29:26).

Der Match steht exemplarisch für das Kalenderjahr: Die Berner Oberländer waren ziemlich erfolgreich. Aber sie überzeugten nicht immer. Inkonstant agierten sie, und Kantersiege feierten sie selten. Martin Rubins Team triumphierte Mitte März im Cup und schaffte es später in den Playoff-Halbfinal. Es gestaltete die abschliessenden drei Vergleiche positiv und ist in Tuchfühlung mit der erweiterten Spitze, obwohl teils viele Akteure fehlten. Das ist bemerkenswert.

2019 war aber auch jenes Jahr, in dem Wacker teils reihenweise Niederlagen erlitt. Es gab die Baisse, die bis kurz vor dem Cupfinal anhielt. Und es gab im Herbst ein weiteres Tief, das im Cupviertelfinalout gipfelte. Davor waren die Thuner im Europapokal bei erster Gelegenheit gescheitert, und dies gegen einen Club, welcher gewiss nicht übermächtig ist. Heimsiege waren für die Oberländer lange Standard. Das sind sie nicht mehr. Wacker gewann 2019 in der Lachenhalle weder gegen Erzrivale Schaffhausen noch gegen Nachbar Bern. Aus dem phasenweise so faszinierenden Club ist zuletzt in vielerlei Hinsicht ein ziemlich normaler Verein geworden. Andere Mannschaften sind gegenwärtig ein wenig besser oder zumindest ähnlich gut, die Zuschauerzahlen sind ansprechend, aber nicht länger überwältigend.

Insofern war 2019 kein gutes Jahr für Rubins Equipe. Das mag ein hartes Verdikt sein. Aber die Beteiligten sorgten in der Vergangenheit mit all ihren Erfolgen dafür, dass an sie ausgesprochen hohe Ansprüche gestellt werden.

Wackers grösstes Problem waren und sind die vielen Ausfälle. In jeder Partie 2019 verzeichnete das Ensemble Abwesende. Dass sich immer wieder Thuner verletzen, ist gewiss vor allem Pech. Aber die Oberländer haben nun mal überdurchschnittlich viele Akteure engagiert, welche in den letzten Jahren gefühlt mehr Spiele verpassten als bestritten. Über deren Ausfälle brauchen sie sich vor diesem Hintergrund nicht zu wundern.

Die Mannschaft wird seit je eher mit Kampf und Tempo denn mit Kunst in Verbindung gebracht. Das war vorübergehend ein so gar nicht zutreffendes Vorurteil, 2017/2018 etwa, als der Club die bestbesetzte Equipe stellte. In jüngster Zeit aber wirkte das Angriffsspiel mitunter fantasielos. Mit dem verletzten Nicolas Raemy, dem zuletzt teils angeschlagenen Ivan Wyttenbach und Phillip Holm beschäftigt der Verein lediglich drei Aufbauer, welche regelmässig durch tolle Zuspiele auffallen. Die andern Rückraumspieler zeichnen sich vorab durch ihre Dynamik aus, agieren mehr oder weniger nach dem Motto «Augen zu und durch», gehen oft mit dem Kopf durch die Wand. Furios wird angegriffen, und an guten Tagen ist das attraktiv und vor allen Dingen wirkungsvoll. Hat der Gegner aber Zeit, sich ordentlich hinzustellen, stösst Wacker an Grenzen, auch weil es nicht bloss an Kreativität, sondern gleichzeitig an klassischen Shootern mangelt.

Holm ist der Gewinner der ersten Saisonhälfte. Er blickte im Sommer auf ein schwieriges erstes Jahr zurück, startete dann schwach in die Spielzeit, steigerte sich aber markant. Noch keine Verstärkung ist der im Herbst dazugestossene Noah Haas, welcher verunsichert wirkt.

Die Aussichten für die Oberländer – sie sind sehr gut. Luca Linder dürfte nach der Winterpause genauso wieder dabei sein wie Raemy und Marc Winkler. Und der Rückstand auf Platz zwei beträgt zehn Qualifikationsspiele vor Schluss nur vier Punkte. Es ist durchaus möglich, dass Titelhamsterer Wacker erneut einen Titel holen wird. In jenem Fall werden auch die Zuschauerzahlen wieder steigen. Thuner sehen Thuner offensichtlich gerne siegen.

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