Berner Handballer als Spiegelbild der Schweiz

Ordentlich, aber gewiss nicht Weltklasse: Nikola Portner und Co. prägten an der EM den Auftritt der Handball-Landesauswahl.

Zu wenig beständig: Lenny Rubin.

Zu wenig beständig: Lenny Rubin.

(Bild: freshfocus)

Adrian Horn

Alen Milosevic: Der Kreisläufer hat weit mehr drauf, als er in Schweden zu zeigen vermochte. Erstaunlich ineffizient agierte er im Abschluss. Wirkungslos war der in Leipzig engagierte 30-Jährige deswegen nicht: Er provozierte Penaltys und setzte sich in den Zweikämpfen meist durch. Ausserdem gefiel er auf der Halbposition in der Deckung. Der Bundesligaprofi hat mit dem gleichfalls in Deutschland beschäftigten und in Göteborg genauso glücklosen Lucas Meister einen ernsthaften Widersacher um Einsatzzeit.

Nikola Portner:Ungenügend gegen Schweden, formidabel gegen Polen, ansprechend, aber ohne Exploit gegen Slowenien – des Keepers Leistungen spiegelten die jeweiligen Auftritte des Teams. Der Captain bestätigte sich als klare Nummer 1, obwohl er mit wenig Spielpraxis aus Montpellier angereist war, wo er teils bloss dritte Wahl ist. Den 26-Jährigen zur Weltklasse zu zählen, wäre vermessen; der Ex-BSV-Bern-Schlussmann aus Grosshöchstetten verfügt aber über das Potenzial, ein Spitzentorhüter zu werden.

Nicolas Raemy: Der Linkshänder hatte nicht nur wenig Matchpraxis gehabt, sondern gar keine: Er bestritt an der EM seine ersten Pflichtspieleinsätze nach dem Bruch des Mittelfussknochens in der Saisonvorbereitung. Die grossteils überzeugenden Darbietungen des Aufbauers von Wacker Thun sind entsprechend hoch einzuschätzen. Der 27-jährige Luzerner war der Lichtblick in der Partie gegen die Schweden und demonstrierte in Göteborg, dass er nach Anführer Andy Schmid der spielstärkste Schweizer ist.

Samuel Röthlisberger: Als Chef einer oftmals funktionierenden Abwehr ist der Oberaargauer gerade so was wie ein Kritikerliebling. Der in Stuttgart unter Vertrag stehende 23-Jährige, als MVP des Vorbereitungsturniers angereist, überzeugte gegen Polen und gegen Slowenien. Defizite offenbarte er bei Gegenstössen; da hatte er das Pech, zumeist in der ungewohnten Position halb rechts zu agieren.

Lenny Rubin:Wer Riese und Bundesligaprofi ist, mit aussergewöhnlich viel Talent gesegnet und Sohn einer Handballlegende, der wird mit sehr hohen Erwartungen konfrontiert. Der Thuner vermochte sie nur ansatzweise zu erfüllen. Er spielte, wie er dies im Club häufig tut: phasenweise exzellent, teils aber auch auffallend zögerlich. Der 23-Jährige ist wie Portner zu wenig beständig, als dass man ihn zu den ganz Grossen der Branche zählen könnte.

Lukas von Deschwanden:Der langjährige Wacker-Thun-Schlüsselspieler ist einer der Verlierer der jüngsten Entwicklungen. Der mehrmalige MVP der hiesigen Liga hat sich nach seinem Abgang im Sommer 2018 im Ausland wegen körperlicher Beschwerden nicht nachhaltig durchgesetzt, in der Hierarchie der Schweizer Aufbauer kostete ihn dies einige Ränge. Bloss Ergänzungskraft ist der 30-Jährige in der Auswahl Michael Suters gegenwärtig. Das korrespondiert so gar nicht mit dem Bild, das vom vielseitigen Urner hat, wer ihn im Berner Oberland hat spielen sehen.

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