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Die Kosten der Corona-Krise Spitäler melden Kurzarbeit an

Auf Anordnung des Staates müssen Spitäler wie auch Arztpraxen Kapazitäten für Corona-Patienten bereithalten. Das bringt sie in finanzielle Schwierigkeiten.

Susanne Anderegg
Spitäler wie das Zürcher Hirslanden führen weniger Eingriffe durch, um für die Corona-Welle bereit zu sein. Doch der staatlich verordnete Operationsstopp kostet viel Geld.
Spitäler wie das Zürcher Hirslanden führen weniger Eingriffe durch, um für die Corona-Welle bereit zu sein. Doch der staatlich verordnete Operationsstopp kostet viel Geld.
Gaëtan Bally (Keystone)

Es klingt paradox: Alle reden wegen der Corona-Krise von der drohenden Überlastung der Spitäler. Doch derzeit beschert die Krise den Spitälern riesige finanzielle Einbussen. Denn viele Häuser stehen momentan halb leer in Erwartung der grossen Welle. Einige Kliniken der Hirslanden-Gruppe haben deshalb jetzt Kurzarbeit angemeldet. Auch die zweite grosse Schweizer Privatklinikgruppe, Swiss Medical Network, hat Kurzarbeit eingeführt und bereitet entsprechende Anträge an die Kantone vor; betroffen seien vor allem Angestellte im Restaurant- und Hotelbereich, heisst es auf Anfrage.

Der Grund für den Umsatzeinbruch: Die Spitäler – private ebenso wie öffentliche – müssen im Auftrag des Staates Vorhalteleistungen erbringen. Sie müssen Intensivpflegebetten, Beatmungsgeräte und genügend Personal bereitstellen, um die schwerkranken Corona-Patienten zu behandeln. Der Bundesrat hat Anfang letzter Woche vorsorglich alle nicht dringlichen Wahleingriffe untersagt.

Teure Vorhalteleistungen

Nun stehen viele Betten leer, und ein Teil des Personals ist zu Hause. «Die Spitäler der Schweiz werden in nächster Zeit diese grossen Herausforderungen meistern müssen», sagt Hirslanden-CEO Daniel Liedtke. Wichtig werde das Liquiditätsmanagement sein das gelte auch für spezialisierte Arztpraxen und für Gruppenpraxen. Sie alle haben erhöhte Ausgaben für Vorhalteleistungen und gleichzeitig reduzierte Einnahmen, weil sie sich auf die Corona-Welle vorbereiten. Zahlreiche Praxen haben ebenfalls bereits Kurzarbeit angemeldet.

Wir haben an den meisten Standorten Kurzarbeit beantragt.

Daniel Liedtke, CEO Hirslanden

Im Kanton Zürich hat die Gesundheitsdirektion das Problem erkannt und reagiert. In einem Schreiben an alle Spitäler teilte sie am Dienstagabend mit, dass der Kanton bei Liquiditätsschwierigkeiten helfen und ab 31. März Akontozahlungen ausrichten werde. Laut dem Hirslanden-Chef sind auch die anderen Kantone bestrebt, Lösungen anzubieten.

Doch die Abgeltung von gemeinwirtschaftlichen Leistungen bleibe eine offene Frage, erklärt er. Laut den aktuellen Schätzungen werden die Fallzahlen der Corona-Infizierten erst im Mai ihren Höhepunkt erreichen. Bis die Spitäler wieder einigermassen normal arbeiten können, wird es Sommer werden.

Weniger Eingriffe

Die 17 Kliniken der Hirslanden-Gruppe waren bis Mitte März normal ausgelastet. «Jetzt beginnen sie die Auswirkungen der Coronavirus-Krise zu spüren», sagt Liedtke. In der Stammklinik in Zürich liegt die Auslastung noch bei rund 70 Prozent. Das Spital nimmt auch Notfälle wie Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten auf und führt spezialisierte Eingriffe durch, die nicht aufgeschoben werden können, zum Beispiel Tumoroperationen.

In den Fachkliniken, die nur elektive Eingriffe durchführen, ist der Umsatz am stärksten zurückgegangen. «Wir haben an den meisten Standorten Kurzarbeit beantragt, wobei alle betroffenen Mitarbeitenden keine Lohneinbusse haben werden», sagt der Hirslanden-CEO. Und er versichert: «Wir wollen unsere Leute nicht entlassen, wir zählen auf sie während und nach der Krise.»

Kanton will helfen

Die Klinikgruppe gehört zum internationalen, börsenkotierten Unternehmen Mediclinic, das seinen Hauptsitz in Südafrika hat. Auf die Frage, ob Hirslanden nicht einfach den Profit sicherstellen wolle, entgegnet Liedtke: «Jetzt geht es primär ums Überleben von Menschen und Unternehmungen und um unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.»

Im Kanton Zürich will der Regierungsrat auch für die längerfristige finanzielle Sicherung der Spitäler sorgen. Er hat letzte Woche die Rechtsgrundlage geschaffen, die es ihm erlauben würde, die Einbussen der Spitäler zu decken, die aufgrund der Corona-Krise entstehen.

Laut dem Präsidenten des Verbandes Zürcher Krankenhäuser, Christian Schär, haben die meisten Spitäler wegen der Corona-Krise finanzielle Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Man werde diese Problematik zusammen mit der Gesundheitsdirektion lösen «wenn das Schlimmste dann vorbei ist». Ob ein Spital jetzt Kurzarbeit anmelden wolle, sei ein individueller Entscheid, den jeder Betrieb aufgrund seiner finanziellen Situation treffen müsse.