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Wer schön sein will, soll anständig dafür bezahlen

Spottpreise in Nagelstudios sind verlockend. Dass man den Leidtragenden dabei nicht in die Augen sieht, ist beschämend.

Warum nicht: Über Mittag kurz ins Nailstudio. Die Preise sollten aber human sein. Foto: plainpicture
Warum nicht: Über Mittag kurz ins Nailstudio. Die Preise sollten aber human sein. Foto: plainpicture

Auf einmal sind sie auch bei uns überall: Nagelstudios, in die man einfach so reinmarschieren und wo man sich eine Mani- oder Pediküre gönnen kann. Man darf sich zurücklehnen, während die Nageldesignerin feilt und schleift und poliert und modelliert. Eine Stunde später ist man mit ultrahaltbarem Lack auf den Nägeln und babyweicher Haut an den Fersen wieder draussen. In den USA ist es schon lange normal, sich die Nägel machen zu lassen; die Haare schneidet man sich ja auch nicht selber.

Walk-in-Nail-Bars haben das Angebot für die breite Masse erschwinglich gemacht. Je mehr Salons entstehen, desto stärker sinken auch bei uns die Preise. Maniküren werden bereits ab 30 Franken angeboten, neue Kunstnägel ab 65 – für rund 90 Minuten Handarbeit. Man muss schliesslich mithalten können im Kampf um die Kundinnen und Kunden.

Nur: Um faire Löhne bezahlen zu können, müssten die Salons 1.50 Franken pro Minute für die Behandlungen verlangen. Bei einer halbstündigen Maniküre à 30 Franken geht diese Rechnung nicht auf. Dagegen anzugehen, ist jedoch schwierig; die Schweizer Nagelbranche ist nahezu unreguliert. Es gibt keine geschützte Berufsbezeichnung, keine Hygienevorschriften, keine verbindlichen Mindestlöhne. Die Leidtragenden sind all jene, die zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen, und jene, die ihre Salons schliessen müssen, weil sie in der Billigspirale nicht mehr mitdrehen können.

Viele scheint das aber nicht zu kümmern. Hauptsache, günstig, das ist ja auch mit Billigkleidern so. Dass es unmöglich ist, dass deren Näherinnen fair entlöhnt werden, lässt sich problemlos ignorieren, immerhin sitzen sie am anderen Ende der Welt. Bei Nageldesignern die Augen zu verschliessen, ist aber einfach nur dreist. Sie sitzen uns direkt gegenüber. Wir haben es in der Hand, sie anständig zu bezahlen.

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