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«Nicht mehr im Bereich von Bagatellen»

«Eine gewisse Überforderung, Druck und fehlendes Fachwissen»: Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.
«Eine gewisse Überforderung, Druck und fehlendes Fachwissen»: Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Strafentscheide zeigen unhygienische Zustände in Beizen. Nur ein kleiner Teil macht sich strafbar – bleibt dann aber anonym. Was halten Sie davon?

Sara Stalder: Bei der Debatte um das Lebensmittelgesetz hatten sich die Gastro-Lobby und der Detailhandel durchgesetzt. Es wäre wichtig gewesen, dass die Betriebe das Resultat der letzten Inspektion in verständlicher Form aushängen müssten. Dann hätten die Gäste Transparenz. Das gibt es im Ausland, doch bei uns wird so etwas in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Der politische Wille fehlt.

Was müsste passieren, damit sich diese Situation ändert und Täter doch bekannt werden?

Es gibt momentan höchstens die Möglichkeit, dass die Gastro-Branche oder der Detailhandel freiwillig eine solche Massnahme umsetzen. Denn es kann nicht in ihrem Interesse sein, dass ganze Branchen unter Generalverdacht kommen.

Was sind die Folgen für die Gäste?

Es bleibt ihnen verborgen, dass selbst in guten Restaurants, Bäckereien oder Kantinen hygienisch zum Teil schlimme Bedingungen herrschen.

Branchenvertreter geben an, bei den allermeisten Anzeigen gehe es um Bagatellen.

Details der Kontrollen kenne ich nicht. Aber ich weiss, dass Inspektoren Fristen setzen, wenn sie Mängel feststellen. Dann gibt es Nachkontrollen, die Betreiber erhalten zwei bis drei Möglichkeiten, sich zu verbessern. Erst dann erfolgt eine Anzeige. Eine Anzeige gibt es nur bei ganz krassen Verstössen. Also sind wir hier nicht mehr im Bereich von Bagatellen.

Können Sie sich erklären, warum es in der Gastronomie zu solchen Verfehlungen kommt?

Am Ende ist es wohl ein Zusammenspiel von verschiedenen Gründen: Eine gewisse Überforderung, finanzieller und zeitlicher Druck. Und fehlendes Fachwissen. Da einzelne Kantone kein Wirtepatent mehr verlangen, fördert das dort sicher nicht die Qualität.

Viele Wirte lagern Waren zu lange. Die Alternative wäre, sie wegzuwerfen. Ist das ein Widerspruch? Gibt es bessere Qualität nur mit mehr Foodwaste?

Es ist möglich, beides in den Griff zu bekommen. Zum Beispiel führen viele Restaurants abstruse Karten mit Dutzenden Gerichten. Da ist die saubere Bewirtschaftung quasi unmöglich. Es braucht ein überschaubares Angebot, genaues Management der Waren und Finanzen und natürlich gut ausgebildetes Personal. Und wenn Waren übrig bleiben, gibt es Organisationen, die sie übernehmen.

Interview: Catherine Boss, Roland Gamp

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