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In der Garage des Geheimagenten

Die Ausstellung «Bond in Motion» im Londoner Covent Garden blickt auf die Autos von 007 zurück – und wir voraus.

Der Aston Martin DB5 hatte 1964 in «Goldfinger» seinen ersten Auftritt: 007 (Sean Connery) am Furkapass
Der Aston Martin DB5 hatte 1964 in «Goldfinger» seinen ersten Auftritt: 007 (Sean Connery) am Furkapass

Da steht er wieder, umringt von bewaffneten Männern. Wie sein Fahrer ist er etwas in die Jahre gekommen. Und doch sieht er noch immer äusserst elegant aus: der Aston Martin DB5. Auch im neuen James-Bond-Film, der im Frühjahr in die Kinos kommt, spielt der Sportwagen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Im Kinostreifen «Keine Zeit zu sterben» sitzt Bond in dem silbergrauen Auto aus den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts und drückt auf einen Knopf in der Mittelkonsole. Hinter den Scheinwerfern kommen Maschinengewehre hervor. Bond zieht die Handbremse, das Auto dreht sich um 360 Grad. Kugeln fliegen durch die Luft, es knallt und kracht. Doch 007 bleibt unversehrt. Der Aston Martin hat ein paar Schrammen, aber das macht nichts, schliesslich hat er seinen Dienst getan: Der voll bewaffnete Sportwagen hat Bond das Leben gerettet. Mal wieder.

Supersport­wagen – und Waffe: Im Lotus Esprit S1 schaltete der Agent am meisten Widersacher aus. Foto: PD
Supersport­wagen – und Waffe: Im Lotus Esprit S1 schaltete der Agent am meisten Widersacher aus. Foto: PD

Die ersten Ausschnitte aus dem neuen Bond-Streifen haben die Londoner «Times» dazu gebracht, noch einmal genau nachzurechnen. Die Zeitung wollte wissen, mit welchen Autos Bond nun eigentlich wie viele Menschen getötet hat. An der Spitze steht bislang der Lotus Esprit S1 aus dem Film «Der Spion, der mich liebte» – mit insgesamt acht Toten. Ob er nun vom Aston Martin DB5 verdrängt wird, lässt sich erst sagen, wenn der neue Bond-Film Premiere hat. Bis dahin kann man sich als 007-Interessierter die Zeit im London Film Museum vertreiben. So makaber wie in der «Times» geht es dort zwar nicht zu, aber die Sonderausstellung «Bond in Motion» zeigt die weltweit grösste Auswahl an Automobilen, die Bond in den letzten Jahrzehnten beschützt haben.

007 und seine Fahrzeuge – das ist eine mitunter recht wechselhafte Beziehung. Der erste Bond-Film «007 jagt Dr. No» hatte am 5. Oktober 1962 im London Pavilion am Piccadilly Circus Premiere. Seitdem hat der Kinoheld die westliche Welt wieder und wieder vor dem Untergang gerettet. Auch wenn sich Bond noch nie besonders für Politik interessierte, steht 007 doch seit jeher für den Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus. Bis heute verkörpert der Agent die Werte des alten Westens. Bonds Konsum, sein Geschmack und sein Stilbewusstsein fanden schon immer ihren besonderen Ausdruck: in der Mode, die er trug; in den Drinks, die er bestellte; vor allem aber in den Autos, die er fuhr.

Prestigebewusster Early Adopter und Hedonist

Es waren stets die allerneusten Sportwagen. Denn auch darum geht es in den Filmen von James Bond: um den Rausch der Geschwindigkeit und die absolute Einheit von Mensch und Maschine. 007 war schon immer das, was man heutzutage einen Early Adopter nennt, jemanden, der bei technischen Entwicklungen immer gleich mit dabei ist. Bond probierte stets die neueste Technik aus – vom Sportwagen bis zum Mobiltelefon. Es ging dabei immer auch um Prestige und einen Hedonismus, für den der rebellische Geheimagent steht. Für manche mag er aus der Zeit gefallen sein, aber die Begeisterung für 007 scheint sich auch nach 57 Jahren nicht zu legen.

Im London Film Museum steht jedenfalls ein Vater mit seinen beiden Söhnen vor dem Aston Martin DB5 und erklärt ihnen mit Hingabe die Ausstattungsmerkmale. Die schusssichere Verglasung, den Schleudersitz auf der Beifahrer­seite und das Kennzeichen, das die Nummern wechseln kann. Da wären ausserdem noch: ein Ölspray auf Höhe der Rücklichter, ein Waffenfach unter dem Beifahrersitz und eine Rauchwolke, die auf Knopfdruck aus den Auspuffrohren kommt, um Verfolgern die Sicht zu vernebeln.

Bonds Autos sind bestens ausgerüstet und auf dem neusten Stand der Technik. Foto: PD
Bonds Autos sind bestens ausgerüstet und auf dem neusten Stand der Technik. Foto: PD

Kein anderes Auto tauchte in so vielen Bond-Filmen auf. Das Exemplar im Londoner Film­museum war unter anderem in «Goldeneye» zu sehen, ebenso in «Der Morgen stirbt nie», in «Skyfall» und in «Spectre». Seinen ersten Auftritt hatte der Aston Martin DB5 in «Goldfinger» im Jahr 1964. Sean Connery spielte damals James Bond. Sein Wider­sacher Goldfinger liess sich in einem Rolls-Royce Phantom III chauffieren. Das Fahrzeug steht gleich am Anfang der Ausstellung. Schräg gegenüber parkt ein weiterer Rolls-Royce, das Modell Silver Cloud II aus dem Film «Im An­gesicht des Todes».

Selbst Fans, die die meisten der Bond-Episoden gesehen haben, dürfte es manchmal schwerfallen, die Fahrzeuge den jeweiligen Filmen zuzuordnen. Gut, dass es neben den ausgestellten Exemplaren auch Videoausschnitte gibt, die das jeweilige Auto zusammen mit Bond in Aktion zeigen. So wie den Aston Martin V8 aus dem Jahr 1987, mit dem Timothy Dalton als 007 im Film «Der Hauch des Todes» einen Schneehang in den Alpen hinunterbrettert – mit ausfahrbaren Kufen an den Seiten. Oder der weisse Lotus Esprit S1, Baujahr 1977, der sich in «Der Spion, der mich liebte» mal eben schnell in ein U-Boot verwandelte.

In London sind aber nicht nur Autos der Luxusklasse zu sehen. Ganz ohne Dach steht da beispielsweise ein blaues Pariser Taxi, in das Bond «Im Angesicht des Todes» am Fusse des Eiffelturms stieg. Gespielt von Roger Moore, nahm er damals eine Verfolgungsjagd durch die französische Hauptstadt auf. Der Renault 11 mit Pariser Kennzeichen lockert die Ausstellung ebenso auf wie das Tuk-Tuk-Taxi aus «Octopussy» oder die gelbe, reichlich verbeulte Ente von Citroën, die Bond «In tödlicher Mission» fuhr. Es sind klare Gegenstücke zu den voll bewaffneten Supersportwagen, mit denen Bond in der Filmreihe die meiste Zeit unterwegs war.

Bonds Schicksal ist ungewiss – ausser in einem Punkt

Und wer kurz innehalten will, kann sich in der Ausstellung auf eine Museumscouch setzen und eine Dokumentation über Bonds Autos anschauen. Darin kommt auch Bill Clinton zu Wort. Der ehemalige US-Präsident spricht über Bond und das Ende des Kalten Kriegs. Den hat der Doppelnullagent zwar nicht im Alleingang beendet, aber zumindest schaffte er es, den Ausbruch eines Atomkriegs ein ums andere Mal zu verhindern. Und dann rollt Agentenchefin M (gespielt von Judy Dench) mit den Augen, als sie von den Eskapaden ihres Draufgängeragenten hört und entschuldigt sich: «007 ist nun mal ein sexistischer Dinosaurier.»

Ob James Bond bald ausstirbt und, wie britische Medien bereits mutmassen, durch eine Frau ersetzt wird, ist bislang offen. Nur eines scheint sicher zu sein: Die Autos werden bleiben. Im neuen 007-Film fährt Bonds Agenten­kollegin jedenfalls stilecht einen Aston Martin.

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