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«Die sexuell selbstbestimmte Frau ist eine Fata Morgana»

Die Psychologin Sandra Konrad analysiert in ihrem neuen Buch messerscharf den Zustand der Gleichberechtigung. Die Bilanz ist bitter. Und die Frauen sind daran nicht ganz unschuldig.

Mit Sandra Konrad sprach Bettina Weber
«Das Tabu des 21. Jahrhunderts ist nicht der Sex, sondern Grenzen zu setzen»: Sandra Konrad. Foto: Paula Markert
«Das Tabu des 21. Jahrhunderts ist nicht der Sex, sondern Grenzen zu setzen»: Sandra Konrad. Foto: Paula Markert

Ihre Bestandesaufnahme ist so nüchtern wie faktenbasiert, und gerade das macht sie so beklemmend: Im Buch «Das beherrschte Geschlecht» zeigt die Psychologin Sandra Konrad anhand der weiblichen Sexualität auf, dass es mit der Selbstbestimmung der Frau heute auch im Westen noch nicht weit her ist.

Sandra Konrad ist Therapeutin mit eigener Praxis in Hamburg. Sie publiziert nicht nur wissenschaftlich – ihre Dissertation handelte von der Traumatisierung jüdischer Frauen während des Holocausts – sondern auch populärwissenschaftlich; das ist ihr viertes Buch.

Ihr Buch heisst «Das beherrschte Geschlecht» – ist es wirklich immer noch so schlimm?

Die Gleichberechtigung ist ein moderner Mythos. Das sage ich auch nicht gerne, aber es hilft ja nichts, so zu tun, wie wenn alles in bester Ordnung wäre. Noch immer bestimmt nicht die Frau selbst über ihren Wert, sondern die Öffentlichkeit. Und Öffentlichkeit heisst: der männliche Blick.

Der Untertitel ist noch böser: «Warum sie will, was er will». Wie kommen Sie darauf?

Weil sich beispielsweise nichts daran geändert hat, dass die sexuelle Freiheit der Frau darin besteht, das zu wollen, was der Mann will. Die Frau als sexuell selbstbestimmtes Wesen ist eine Fata Morgana – oft gesehen und herbeigewünscht, aber sie löst sich zwangsläufig in Luft auf, je näher man ihr kommt.

«Die Bewertung ‹gut im Bett› ist wichtiger, als sich gut im Bett zu fühlen.»

Da werden Ihnen viele Frauen heftig widersprechen.

Sexuelle Freiheit ist derzeit ein Imageprodukt, ein It-Accessoire, das stolz mit sich herumgetragen wird. In der Realität ist aber das Hauptziel vieler jungen Frauen immer noch, dem Mann sexuell zu gefallen und das zu tun, was er will, auch wenn sie gewisse Praktiken selbst nicht mögen oder davor gar angeekelt sind. Das Tabu des 21. Jahrhunderts ist nicht der Sex, sondern Grenzen zu setzen. Rousseau sagte schon vor 300 Jahren: «Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will.»

Junge Frauen würden sich aber zweifellos als frei bezeichnen. Wie erklären Sie diese Diskrepanz?

Sie wollen dem Idealbild entsprechen: sexuell befreit und selbstbestimmt. Gleichzeitig ist sexy aber wichtiger, als lustvoll zu sein. Die Bewertung «gut im Bett» ist wichtiger, als sich gut im Bett zu fühlen. Um sich das nicht eingestehen zu müssen, weil das unemanzipiert und uncool wäre, um das also in Einklang mit dem Selbstbild zu bringen, deuten sie es um. Sie sagen: «Ich bin lustvoll, weil ich ihm Lust mache. Sexuelle Erfahrungen steigern meinen Marktwert, ich darf nur nicht zu schlampig werden.» – Diese Norm gilt immer noch.

«Die grosse Mehrheit der jungen Frauen gab an, Blowjobs wie Hausaufgaben zu betrachten.»

Früher sollten Frauen prüde sein, heute sollen sie promisk sein, wenn auch nicht zu sehr. Sie unterwerfen sich damit erneut einem Diktat, es kommt nur anders verpackt daher?

Richtig. Eine Studie unter Highschool-Schülerinnen in New York deckt sich mit meinen Interviews. Die grosse Mehrheit der jungen Frauen gab an, Blowjobs wie Hausaufgaben zu betrachten: eine lästige Arbeit, die gemacht werden muss, etwas, das sie lernen müssen und wofür sie dann bewertet werden. Die eigene Lust spielt dabei keine Rolle, es geht darum, dass die Bewertung gut ausfällt.

Aber wir haben 2018! ­Bundeskanzlerin Merkel, Weltwährungsfonds-Chefin Christine Lagarde, mehr Mädchen als Buben, die die Matur machen!

Bloss wachsen die Mädchen immer noch in einer Welt auf, in der sie vor allem gefallen und nicht bestimmen sollen. Die männliche Herrschaft ist in weibliche Selbstbeherrschung und in die emotionale DNA der Frau übergegangen.

In der #MeToo-Debatte fiel auf, dass vor allem junge Frauen schulterzuckend fanden: Ist doch normal, dass wir angefasst werden. Finden sie das deshalb ­«normal»?

Das hat zwei Gründe. Zum einen funktioniert das älteste Mittel, um Frauen zu kontrollieren, immer noch bestens: das öffentliche Beschämen. Weibliches Verhalten hat bis heute Konsequenzen, männliches sehr viel weniger. Wenn eine Frau begrapscht oder vergewaltigt wird oder wenn man ihr sexuelle Gewalt androht – was im Netz massiv zugenommen hat –, heisst es: Die muss sich ja nicht wundern, wenn sie so spät noch unterwegs ist, ein solches Foto von sich postet, solch feministische Meinungen vertritt. Thematisiert wird die Frau, die von ihrer Freiheit Gebrauch macht. Und nicht der Mann, der diese Freiheit verletzt.

Bilder: Die #MeToo-Welle

Gegen den Präsidenten der Ocar-Academy, John Bailey, wurde eine Untersuchung eingeleitet.
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Angela Weiss, AFP
Der österreichische Volleyballtrainer Hannes H. hat sich unter anderem an seiner Enkelin vergangen.
Der österreichische Volleyballtrainer Hannes H. hat sich unter anderem an seiner Enkelin vergangen.
Denise Auer/heute.at
Die New Yorker Metropolitan Oper hat jegliche Zusammenarbeit mit ihm beendet: Star-Dirigent James Levine. (Archivbild)
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Michael Dwyer, Keystone
Mit Cristina Garcia wird eine Frau der sexuellen Belästigung beschuldigt. Insgesamt acht Männer berichten, sie seien von der US-Abgeordneten belästigt worden. Sie spricht von einer Schmutzkampagne.
Mit Cristina Garcia wird eine Frau der sexuellen Belästigung beschuldigt. Insgesamt acht Männer berichten, sie seien von der US-Abgeordneten belästigt worden. Sie spricht von einer Schmutzkampagne.
Keystone
Soll 2003 von einem ehemaligen HFPA-Präsidenten missbraucht worden sein: Brendan Fraser.
Soll 2003 von einem ehemaligen HFPA-Präsidenten missbraucht worden sein: Brendan Fraser.
AP, Keystone
Belästigungsvorwürfe: Der Vizedirektor des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, Justin Forsyth, ist sein Amt los. (Bild: Twitter/justinforsyth)
Belästigungsvorwürfe: Der Vizedirektor des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, Justin Forsyth, ist sein Amt los. (Bild: Twitter/justinforsyth)
Keystone
Karla Souza sagte, sie wurde von einem Regisseur zu Beginn seiner Karriere vergewaltigt. Sie hat aber keinen Namen genannt.
Karla Souza sagte, sie wurde von einem Regisseur zu Beginn seiner Karriere vergewaltigt. Sie hat aber keinen Namen genannt.
Paul A. Hebert/Invision/AP, Keystone
Muss bei Ford sofort gehen: Spitzenmanager Raj Nair. (Archivbild)
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Carlos Osorio, Keystone
Soll Frauen am Drehort der US-Serie «Dr. House» belästigt haben: Manson bei einem Auftritt in Basel im Dezember 2012.
Soll Frauen am Drehort der US-Serie «Dr. House» belästigt haben: Manson bei einem Auftritt in Basel im Dezember 2012.
Patrick Straub, Keystone
Der ehemalige Präsident und CEO des US-Basketballteams Dallas Mavericks, Terdema Ussery, soll während mehreren Jahren in seiner Amtszeit mehrere weibliche Angestellte sexuell belästigt haben.
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YouTube/DallasFacesRace
Sexistische Kommentare über die Snowboarderin führte zu einer Entlassung: Chloe Kim freut sich über Gold in der Halfpipe, (13. Februar 2018)
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Antonio Bat, Keystone
Er und seine Firma hätten die Mitarbeiter nicht geschützt: Filmproduzent Harvey Weinstein. (Archivbild)
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John Carucci, Keystone
Bestreitet die Vorwürfe und macht seine Ex-Frau für eine Kampagne verantwortlich: Zurückgetretener Kasino-Chef Steve Wynn. (Archivbild)
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Mike Clarke, AFP
Gibt dem Druck nach: Der Bürgermeister von Melbourne, Robert Doyle. (Archivbild)
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Julian Smith, Keystone
Schauspielerin Uma Thurman erhebt Anschuldigungen gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein und Regisseur Quentin Tarantino.
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Guillauma Horcajuelo, AFP
Vorwürfe gegen Paul Marciano: Kate Upton an einem Event von Harper's Bazaar im September 2016 in New York.
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Andy Kropa/Invision, Keystone
Der Chef des Musiklabels Republic Records, das Stars wie Ariana Grande, Lorde und The Weeknd unter Vertrag hat, ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung beurlaubt worden. (1. Februar 2018)
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Richard Shotwell, Keystone
US-Schauspielerin Rose McGowan enthüllt in ihrer Autobiographie «Brave» schockierende Einzelheiten über Harvey Weinstein. (Archiv)
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Paul Sancya/AP
«Die Frauen müssen selbst aktiv werden»: Neil Portnow. (28. Januar 2018)
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Michael Kovac/Getty Images, AFP
Räumt nach Belästigungsvorwürfen seinen Posten als Finanzchef der Republikaner: Casino-Mogul Steve Wynn.
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Charles Krupa, Keystone
Die Zahl der Sexualstraftaten in der deutschen Bundeswehr hat einem Medienbericht zufolge 2017 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent zugenommen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 234 Sexualstraftaten gemeldet worden. (Archivbild)
Die Zahl der Sexualstraftaten in der deutschen Bundeswehr hat einem Medienbericht zufolge 2017 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent zugenommen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 234 Sexualstraftaten gemeldet worden. (Archivbild)
Franziska Kraufmann, Keystone
Die Zahl der Sexualstraftaten in der deutschen Bundeswehr hat einem Medienbericht zufolge 2017 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent zugenommen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 234 Sexualstraftaten gemeldet worden. (Archivbild)
Die Zahl der Sexualstraftaten in der deutschen Bundeswehr hat einem Medienbericht zufolge 2017 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 80 Prozent zugenommen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 234 Sexualstraftaten gemeldet worden. (Archivbild)
Martin Schutt, Keystone
Oscar-Preisträger Casey Affleck, dem zwei frühere Arbeitskolleginnen sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten, will der Oscar-Gala in diesem Jahr fernbleiben.
Oscar-Preisträger Casey Affleck, dem zwei frühere Arbeitskolleginnen sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten, will der Oscar-Gala in diesem Jahr fernbleiben.
Jordan Strauss/Invision/AP
Regisseur Wedel habe sie gewürgt und verletzt, sagt Esther Gemsch in einem Interview mit der «Zeit». (Archiv)
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Gaetan Bally, Keystone
«Derzeit ist es hart, ein Mann zu sein»: Schauspieler William H. Macy gewinnt den Preis als bester Darsteller in einer Comedyserie. Geehrt wurde er für seine Rolle in «Shameless. (21. Januar 2018)
«Derzeit ist es hart, ein Mann zu sein»: Schauspieler William H. Macy gewinnt den Preis als bester Darsteller in einer Comedyserie. Geehrt wurde er für seine Rolle in «Shameless. (21. Januar 2018)
Frazer Harrison/Getty
Regisseur Dieter Wedel tritt nach wiederholten Vorwürfen sexueller Übergriffe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück: Wedel im Juni 2017 beim Festakt zur Eröffnung der 67. Festspiele.
Regisseur Dieter Wedel tritt nach wiederholten Vorwürfen sexueller Übergriffe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück: Wedel im Juni 2017 beim Festakt zur Eröffnung der 67. Festspiele.
/wen Pförtner, Keystone
Hinterfragt die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs: Brigitte Bardot, hier in Paris. (Archiv)
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AFP
«Ein Wandel ist unausweichlich, und er wird kommen»: Oscargewinner Robert Redford. (18. Januar 2018)
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Angela Weiss, AFP
Was auf Twitter über ihn verbreitet werde, stimme nicht: James Franco. (7. Januar 2018)
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Jordan Strauss, Keystone
Seal kritisiert Oprah Winfrey nach ihrer Rede bei den Golden Globes. Sie sei jahrelang Teil des Problems gewesen, schrieb der Sänger in Bezug auf die Sexismus-Debatte in Hollywood. (Archivbild)
Seal kritisiert Oprah Winfrey nach ihrer Rede bei den Golden Globes. Sie sei jahrelang Teil des Problems gewesen, schrieb der Sänger in Bezug auf die Sexismus-Debatte in Hollywood. (Archivbild)
Hermann J. Knippertz, Keystone
Harvey Weinstein soll am 9.1.2018 vor einem Restaurant in Scottsdale, Arizona, angegriffen worden sein. Ein Betrunkener soll ihm zweimal ins Gesicht geschlagen haben.
Harvey Weinstein soll am 9.1.2018 vor einem Restaurant in Scottsdale, Arizona, angegriffen worden sein. Ein Betrunkener soll ihm zweimal ins Gesicht geschlagen haben.
AP/Jordan Strauss/Invision, Keystone
Michael Douglas geht mit Vorwürfen gegen ihn an die Öffentlichkeit.
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Keystone
Bella Thorne schildert Auszüge aus ihrer dramatischen Kindheit. Der Disney-Star wurde sexuell missbraucht.
Bella Thorne schildert Auszüge aus ihrer dramatischen Kindheit. Der Disney-Star wurde sexuell missbraucht.
Keystone
Sei von einem Wahlkampfmanager des Präsidenten belästigt worden: Trump-Anhängerin und Sängerin Joy Villa. (Archivbild)
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Jordan Strauss, Keystone
Hat eine Anzeige wegen sexueller Belästigung am Hals: Trump-Wahlkampfmanager Corey Lewandowski. (Archivbild)
Hat eine Anzeige wegen sexueller Belästigung am Hals: Trump-Wahlkampfmanager Corey Lewandowski. (Archivbild)
Mary Schwalm, Keystone
Geriet durch seine Aussagen zur Metoo-Debatte in die Kritik: Matt Damon am WEF in Davos. (17. Januar 2017)
Geriet durch seine Aussagen zur Metoo-Debatte in die Kritik: Matt Damon am WEF in Davos. (17. Januar 2017)
Michel Euler, Keystone
Zahlreiche Schönheitsköniginnen wollen sich nicht länger dumme Sprüche anhören lassen: Miss New York Mallory Hytes wurde 2013 zur Miss America gewählt. (12. Januar 2013)
Zahlreiche Schönheitsköniginnen wollen sich nicht länger dumme Sprüche anhören lassen: Miss New York Mallory Hytes wurde 2013 zur Miss America gewählt. (12. Januar 2013)
Isaac Brekken/AP, Keystone
Wird auf 10 Millionen Dollar Schmerzensgeld verklagt: Harvey Weinstein. (Archivbild)
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Yann Coatsaliou, AFP
Verlässt den US-Kongress am 2. Januar: Senator Al Franken.
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J. Scott Applewhite/AP, Keystone
Tritt zurück: Der britische Vize-Premierminister Damian Green wird der sexuellen Belästigung beschuldigt.
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Charlotte Hopkin/EPA, Keystone
Der frühere «Glee»-Star Mark Salling auf dem Weg ins Gericht. (18. Dezember 2017)
Der frühere «Glee»-Star Mark Salling auf dem Weg ins Gericht. (18. Dezember 2017)
Reed Saxon, Keystone
Salling soll 50'000 kinderpornographische Bilder besessen haben. (18. Dezember 2017)
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Reed Saxon, Keystone
Mark Salling spielte bei «Glee» den «Bad Boy». (Archivbild)
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Matt Sayles, Keystone
Sagt, er habe Harvey Weinstein mit der rechten Hand ins Gesicht geschlagen: Jason Priestley kommentierte einen Artikel über Regisseur Peter Jackson.
Sagt, er habe Harvey Weinstein mit der rechten Hand ins Gesicht geschlagen: Jason Priestley kommentierte einen Artikel über Regisseur Peter Jackson.
Henny Ray Abrams/AP, Keystone
Dieser bezeichnete Harvey Weinstein und dessen Bruder Bob als «zweitklassige mafiöse Mobber». Schauspielerinnen loben Peter Jackson auf Twitter für dessen Ehrlichkeit.
Dieser bezeichnete Harvey Weinstein und dessen Bruder Bob als «zweitklassige mafiöse Mobber». Schauspielerinnen loben Peter Jackson auf Twitter für dessen Ehrlichkeit.
Joel Ryan/AP, Keystone
Königin Letizia von Spanien soll im Jahr 2000 von einem TV-Boss sexuell belästigt worden sein.
Königin Letizia von Spanien soll im Jahr 2000 von einem TV-Boss sexuell belästigt worden sein.
Keystone
Der Schauspieler sieht sich neuen Vorwürfen konfrontiert: Dustin Hoffman an einem Event in Beverly Hills. (2. August 2017)
Der Schauspieler sieht sich neuen Vorwürfen konfrontiert: Dustin Hoffman an einem Event in Beverly Hills. (2. August 2017)
Jordon Strauss/Invision/AP, Keystone
Der Republikaner nahm sich das Leben: Am 12. Dezember noch wies Dan Johnson die Vorwürfe zurück.
Der Republikaner nahm sich das Leben: Am 12. Dezember noch wies Dan Johnson die Vorwürfe zurück.
Timothy D. Easley/AP, Keystone
«Harvey Weinstein war auch mein Monster», schreibt Salma Hayek in der New York Times. (Bild: 15. November 2017)
«Harvey Weinstein war auch mein Monster», schreibt Salma Hayek in der New York Times. (Bild: 15. November 2017)
Chris Delmas, AFP
Neue Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs: Der mittlerweile 84-jährige Roman Polanski.
Neue Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs: Der mittlerweile 84-jährige Roman Polanski.
Keystone
«Weshalb ziehen wir den Präsidenten nicht zur Rechenschaft?»: Drei weitere Frauen werfen Trump vor, sie belästigt zu haben. (11. Dezember 2017)
«Weshalb ziehen wir den Präsidenten nicht zur Rechenschaft?»: Drei weitere Frauen werfen Trump vor, sie belästigt zu haben. (11. Dezember 2017)
Monica Schipper, AFP
Überblick über die #MeToo-Welle: Die beschuldigten TäterHarvey Weinstein: Der Filmproduzent war der Auslöser der Welle. Diverse Frauen beschuldigen ihn der sexuellen Belästigung, Nötigung oder Vergewaltigung. Er wurde unter anderem aus der US-Filmakademie ausgeschlossen und von seiner Frau verlassen.
Überblick über die #MeToo-Welle: Die beschuldigten TäterHarvey Weinstein: Der Filmproduzent war der Auslöser der Welle. Diverse Frauen beschuldigen ihn der sexuellen Belästigung, Nötigung oder Vergewaltigung. Er wurde unter anderem aus der US-Filmakademie ausgeschlossen und von seiner Frau verlassen.
Richard Shotwell, Keystone
Brett Ratner: Sechs Frauen werfen dem Filmregisseur  vor, sie zu Oralsex gezwungen oder vor ihnen masturbiert zu haben.
Brett Ratner: Sechs Frauen werfen dem Filmregisseur vor, sie zu Oralsex gezwungen oder vor ihnen masturbiert zu haben.
AFP
Rückzug: Al Franken (M.) vor seiner Ankündigung im Capitol von Washington. (7. Dezember 2017)
Rückzug: Al Franken (M.) vor seiner Ankündigung im Capitol von Washington. (7. Dezember 2017)
Getty Images
Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017)
Der ehemalige Kongressabgeordnete Anthony Weiner tritt seine Haftstrafe wegen Sexting an. (6. November 2017)
Keystone
Ein ehemaliger Staatsanwalt soll die Anschuldigungen gegen ihn überprüfen: Stardirigent James Levine. (Archivbild)
Ein ehemaliger Staatsanwalt soll die Anschuldigungen gegen ihn überprüfen: Stardirigent James Levine. (Archivbild)
Michael Dwyer, Keystone
Wegen Vergewaltigung zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv)
Wegen Vergewaltigung zu einer neunjährigen Gefängnisstrafe verurteilt: Robinho im Trikot von AC Milan. (Archiv)
Simone Spada/Lapresse/AP
Er sei über die Vergewaltigungs-Anschuldigung «schockiert und traurig»: Nick Carter von den Backstreet Boys an den 52. Country Music Awards in Las Vegas. (2. April 2017)
Er sei über die Vergewaltigungs-Anschuldigung «schockiert und traurig»: Nick Carter von den Backstreet Boys an den 52. Country Music Awards in Las Vegas. (2. April 2017)
Jordan Strauss/Invision/AP, Keystone
Sie sei damals 18 und noch Jungfrau gewesen. Nick Carter war 22 Jahre alt, schreibt Sängerin Melissa Schuman auf ihrem Blog. (10. Dezember 2003)
Sie sei damals 18 und noch Jungfrau gewesen. Nick Carter war 22 Jahre alt, schreibt Sängerin Melissa Schuman auf ihrem Blog. (10. Dezember 2003)
EPA/Francis Specker, Keystone
Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas.
Gehört zu den Missbrauchs-Opfern von Larry Nassar: Turn-Olympiasiegerin Gabrielle Douglas.
Instagram
Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg
Nicola Werdenigg, eine ehemalige Skirennfahrerin, hat über schockierende Zustände im österreichischen Skisport der 70er-Jahre berichtet: Ein Bild der Skirennfahrerin (undatierte Aufnahme). Bild: Facebook/Nicola Werdenigg
Keystone
Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015)
Auch er ist mit Vorwürfen konfrontiert: Sylvester Stallone während einer Pressekonferenz für den Film «Creed». (6. November 2015)
Matt Slocum/AP, Keystone
Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild)
Fünf Frauen haben Vorwürfe gegen den US-Republikaner erhoben: Roy Moore. (Archivbild)
Scott Olson/Getty Images, AFP
Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman.
Beschuldigt Nassar, sie sexuell missbraucht zu haben: Die 23-jährige US-Turnerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Aly Raisman.
Valerie Macon, AFP
Unter den vielen Demonstranten waren auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017)
Unter den vielen Demonstranten waren auch die Schauspielerin Frances Fisher und die afroamerikanische Aktivistin Tarana Burke, deren «#MeToo»-Slogan («Ich auch») von der US-Schauspielerin Alyssa Milano aufgegriffen und verbreitet worden war: Frauen mit «#MeToo»-T-Shirts und Postern über den Hollywood Boulevard und am Dolby Theatre vorbei, wo seit 2002 die Oscar-Trophäen verliehen werden. (12. November 2017)
Damian Dovarganes/AP, Keystone
Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page.
Fühlte sich von Brett Ratner blossgestellt: Schauspielerin Ellen Page.
Keystone
Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013)
Die US-Torhüterin Hope Solo sagt, Sepp Blatter habe ihr bei der Verleihung des Ballon d'Or im Januar 2013 an den Po gefasst: Solo und Blatter (rechts) verleihen Abby Wambach ihre Auszeichnung im Kongresshaus Zürich. (7. Januar 2013)
Steffen Schmidt, Keystone
«Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C. K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017)
«Diese Geschichten sind wahr»: US-Comedian Louis C. K. hat vor mehreren Frauen masturbiert. (15. September 2017)
Rich Fury, AFP
Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv)
Eine Schauspielerin wirft Steven Seagal sexuelle Belästigung vor – er soll bei einem Vorsprechen seine Hose geöffnet haben: Der 65-Jährige an einer Pressekonferenz. (Archiv)
Ivan Sekretarev/AP, Keystone
Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten.
Beurlaubung in gegenseitigem Einverständnis: Der Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan wird vorerst nicht mehr an der britischen Oxford-Universität unterrichten.
AFP
Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war, und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild)
Soll einen Mann sexuell belästigt haben, als dieser 15-jährig war, und am Set der TV-Serie «House of Cards» männliche Angestellte angefasst haben: Kevin Spacey reagierte auf den Vorwurf mit dem Bekenntnis, dass er schwul sei. (Archivbild)
AFP
Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten.
Der prominente österreichische Grünen-Politiker Peter Pilz ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten.
Ronald Zak, Keystone
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Der zweite Grund?

Die Sozialisation. Das, was wir jeden Tag erfahren, scheint normal. Damit lässt sich auch erklären, weshalb Frauen die männlich-patriarchale Argumentation verinnerlicht haben. Und zueinander sagen: «Stell dich nicht so an» oder «Sei doch nicht so humorlos». Frauen, die im Rahmen von #MeToo offenbarten, begrapscht worden zu sein, wurde vorgeworfen, sie würden dadurch echte Vergewaltigungen bagatellisieren. Damit sprach man ihnen gleich wieder das Recht ab, eigene Grenzen zu setzen. Es ist bezeichnend, dass während der Debatte geradezu wissenschaftliche Abstufungen von Sexismus, sexueller Belästigung und Gewalt gefordert wurden. Dabei hängt das alles zusammen: Sexismus ist die Abwertung von Frauen und der Nährboden für sexuelle Gewalt.

Video: «Die #MeToo-Bewegung läuft Gefahr, alles zu vermengen»

Kulturredaktor Martin Ebel schaut mit einem sprachlichen Jahresrückblick auf das Jahr 2017 zurück.

Während #MeToo ein urfeministisches Anliegen vertritt, gilt Feministin – auch für viele Frauen – als Schimpfwort. Warum?

Weil Feminismus immer noch häufig mit Männerhass gleichgesetzt wird. Die Frau gerät damit in die Defensive und muss sich erklären: Ich bin Feministin, aber ich habe trotzdem gerne Sex, und Männer mag ich auch. Und schon sind wir weg vom eigentlichen Thema. Solange Feminismus ein Schimpfwort ist, kann es keine Gleichberechtigung geben. Denn solange Frauen sich davor fürchten, Feministin zu sein, haben Männer die Deutungshoheit darüber, was eine gute Frau ausmacht.

Heute gilt aber alles, was Frauen tun, als selbstbestimmter Akt: das Annehmen des Männernamens bei der Heirat, das Tragen des Kopftuchs, das Hausfrau-Sein oder sich sexuell zu unterwerfen. Man könnte einwenden, dass Sie es sind, die den Frauen die Selbstbestimmung absprechen.

Das mit dem Annehmen des männlichen Namens kommt aus derselben Ecke wie das väterliche Führen der Braut zum Altar: Es geht historisch gesehen um Eigentumsverhältnisse und Eigentumsübergabe. Aber viele Frauen romantisieren das bis heute. Und Unterwerfung und Sexualisierung werden uns heute als Gipfel der weiblichen Selbstbestimmtheit und Freiheit verkauft. Der Unterschied zu früher ist bloss: Die Frau wird nicht mehr gezwungen, sondern stimmt der Aufgabe ihrer Selbstbestimmung zu.

Dafür machen Sie auch Pornos verantwortlich.

Ja, denn Pornos haben eine einzige Botschaft: Sie macht, was er will. Darauf beruht die ganze Sexindustrie. Aus patriarchalischer Sicht ist da die Welt noch in Ordnung. Problematisch ist vor allem, dass die Filme immer gewalttätiger werden, das geben selbst die Produzenten unumwunden zu.

Je mehr Terrain Frauen erobern, desto gewalttätiger werden Pornos. Zufall?

Nein. Pornografie ist eine Parallelwelt zur Gleichberechtigung. Wer sagt, es handle sich ja nur um Fantasien, mit denen sich Männer jene Macht zurückholten, die sie im realen Leben verloren hätten, macht es sich zu einfach. Pornografische Bilder wirken auf die gesamte Gesellschaft: Der Porno-Chic ist im Mainstream angekommen, das sehen wir am Ekel vor Intimbehaarung.

Video – Porno-Darsteller und die Rechte der Frauen

Vier Darsteller sprechen über die Rollenverteilung in der Pornoindustrie. Video: Tamedia

Es wird aber auch nicht jeder gewalttätig, der Ego-Shooter-Spiele spielt.

Stimmt. Dennoch müssen wir uns bewusst werden, dass wir mitten in einem sozialen Grossexperiment stecken, weil heute bereits 12-Jährige problemlos sehr brutale Pornos schauen können. Laut Studien verändert das unser Verhältnis zur Gewalt: Wenn man Menschen Filme zeigt, in denen Frauen misshandelt werden und diese dabei protestieren, werden die Filme eher abgelehnt, als wenn die Frauen die Gewalt einfordern. Dann wird das als stimulierend empfunden. Denn die Botschaft ist: Wenn eine Frau herabgewürdigt wird und freiwillig mitmacht, dann gibt es kein Opfer und keinen Täter, und alles ist gut. Nach solchen Szenen wird sexuelle Gewalt als akzeptabler erachtet, und zwar von beiden Geschlechtern.

Genauso hart wie mit der Pornoindustrie gehen Sie mit dem Sexgewerbe ins Gericht. Warum?

Man kann es nicht wegdiskutieren: Prostitution ist der Ausdruck sexualisierter Macht, die zeigt, wie alltäglich und gewöhnlich es ist, dass man Frauen kaufen kann. Es spiegelt ein Frau-Mann-Verhältnis wider, das so nicht mehr akzeptiert ist, aber immer noch praktiziert wird. Die Prostitution wird gerne als glamourös dargestellt und als ein Beruf wie jeder andere – trotzdem wollen die wenigsten Männer, dass ihre Töchter in dem Metier Karriere machen. Warum wohl?

Als die Stadt Zürich ­Verrichtungsboxen zur Verfügung stellte, weil der Strassenstrich ausuferte, fanden es selbst Frauen in Ordnung, dafür mit Steuergeldern aufzukommen – weil es sich halt um das älteste ­Gewerbe der Welt handle. Auch da wieder: Sie will, was er will?

Natürlich. Das Argument mit dem ältesten Gewerbe der Welt ist die älteste Entschuldigung der Welt, um patriarchalische Gesellschaftsstrukturen nicht hinterfragen zu müssen. Eine ehemalige Prostituierte hat das einmal so auf den Punkt gebracht: Prostatakrebs gab es auch schon immer, trotzdem tut man was dagegen. Abgesehen davon waren die ersten Prostituierten Sklavinnen, und ihre Töchter wurden in die Prostitution geboren. Das hatte mit Freiwilligkeit und Selbstbestimmung nichts zu tun.

Kann es in einer gleichberechtigten Gesellschaft überhaupt Prostitution geben?

Nirgends zeigt sich das Geschlechterverhältnis so deutlich wie bei käuflichem Sex, und nirgends wird das so konsequent verleugnet. Der Ansatz, die Frauen mit der Legalisierung nicht länger kriminalisieren zu wollen, hat nichts gebracht, profitiert haben nur die Freier und eine hochkriminelle Parallelgesellschaft. Und gesellschaftlich gesehen heisst die Legalisierung nichts anderes als: Es ist in Ordnung, den Körper einer Frau zu kaufen und eine Frau zu benutzen. Die schwedische Idee, den Freier strafrechtlich zu verfolgen, ist sinnvoller, weil es klar macht: Frauen sind weder Objekte noch käuflich. Wer behauptet, es gäbe ohne Prostitution mehr Vergewaltigungen, sagt damit, dass alle Männer Triebtäter sind. Das ist sexistischer Blödsinn.

Ihr Buch ist nie bitter, die Bilanz ist es aber sehr wohl. Haben Sie Hoffnung?

Unbedingt! Aber wir müssen schon selbst was tun. Das ist die Selbstbestimmung, von der ich träume – und die hätte die echte sexuelle Revolution zur Folge.

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