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Der Wiederaufbau der Berliner Mauer

Markus Somm über die DDR und ihre Folgen.

Markus Somm@sonntagszeitung

Vor einer Woche wurde in Thüringen, einem ostdeutschen Bundesland, der Landtag neu bestellt – und seither wartet man auf eine Regierung, weil die Bildung einer solchen sehr schwierig geworden ist. Die Linke, die Nachfolgerin der kommunistischen SED, und die AfD, die rechten Populisten, haben dermassen zugelegt, dass sich alle anderen Parteien ausserstande sehen, ohne sie zu regieren, selbst wenn sie sich zu einer Monumental-Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen zusammenschliessen würden. Mit anderen Worten, die Parteien der alten, so erfolgreichen BRD sind in der ehemaligen DDR nicht mehr besonders erwünscht. Was 1990 mit der Wiedervereinigung hätte beginnen sollen – die friedliche Übernahme der DDR durch den Westen –, scheint gescheitert zu sein. Wiederholt sich die Geschichte? Auch die Weimarer Republik zerfiel, weil radikale Aussenseiter von links und rechts auf den Plan traten und als selbst ernannte Retter Deutschlands die sogenannten Altparteien für obsolet erklärten. Ausgerechnet in Thüringen beteiligten sich die Nazis zum ersten Mal an einer Regierung, das war 1930; drei Jahre später errang Hitler die Macht in ganz Deutschland. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Müssen wir uns in Acht nehmen?

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