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Der Geist von Mosul

Wie im Irak eine Kunstszene, die 16 Jahre Besatzung durch extremistische ­Milizen überlebt hat, auf feste Füsse gestellt werden soll.

Vor ein paar Tagen wurde ich von der Unesco zum beratenden Direktor der Theater- und Filmabteilung des «Revive the Spirit of Mosul»-Programms ernannt. Es ist, so sagte man mir, das bisher grösste Kulturprogramm seit Gründung der Unesco. Insgesamt 150 Millionen ­werden in den Wiederaufbau Mosuls investiert: der Stadt, in welcher der selbst ernannte Terror-Kalif Bagdadi im Sommer 2014 den Islamischen Staat ausgerufen hatte.

Das Programm fokussiert vor allem auf den Aufbau der im Häuserkampf während der ­Befreiung komplett zerstörten Mosuler Altstadt. Das Problem dabei ist jedoch: Es gibt in ganz Mosul, der zweitgrössten Stadt des Irak und der ältesten der Welt, nur sieben Gebäude in ­öffentlicher Hand. Da die Unesco nicht in ­privates Eigentum investieren kann oder will, rückt das «immaterielle Kulturgut» – also Theater, Film, Literatur, Musik – in den Vordergrund: eben der «Geist» Mosuls. Und da ich einer der ganz wenigen westlichen Künstler bin, der überhaupt länger in der nordirakischen Stadt gearbeitet hat, wurde ich als Mittelsmann angefragt – ­passenderweise genau einen Tag bevor von den USA der Tod Bagdadis bekannt gegeben ­wurde.

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