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«Das System hat klare Nachteile»

Experte Adrian Ritz zum Lohnmechanismus.
Experte Adrian Ritz zum Lohnmechanismus.

Adrian Ritz ist Professor für Public Management an der Uni Bern. Foto: Felix Peter

Herr Ritz, Bundessaläre steigen quasi automatisch. Sind die Löhne im Vergleich so schlecht, dass ein solcher Mechanismus nötig ist?

Die Anstellungsbedingungen in der Bundesverwaltung sind konkurrenzfähig zu denjenigen der Privatwirtschaft. Das gilt insbesondere für untere Funktionsstufen. Zudem ist die Arbeitsplatzsicherheit höher, der Wettbewerbsdruck und die Dynamik sind geringer.

Und bei Fach- und Führungskräften?

Hier hat der Druck des Arbeitsmarkts in den letzten Jahren zugenommen. Der Bund steht in Konkurrenz zu SBB, Post oder Swisscom, aber auch zur Privatwirtschaft. Die Pendlerströme zwischen Bern und Zürich haben den Wettbewerb über den Grossraum Bern hinaus verschärft. Gerade bei der Anstellung von Spezialisten – und davon gibt es in der Verwaltung viele – ist es schwieriger geworden.

Dann ist die heutige Praxis mit sicherer Lohnerhöhung doch genau das Richtige, um konkurrenzfähig zu sein.

Es ist wichtig, dass die öffentliche Hand kein Lohndumping betreibt. Wir brauchen qualifizierte und motivierte Verwaltungsangestellte, sonst nehmen Ineffizienz, Bürokratie und Korruption zu. Das System, das heute angewendet wird, hat aber auch klare Nachteile.

Was soll schlecht sein an regelmässigen ­Lohnerhöhungen? Zufriedenere Mitarbeitende sind doch auch bessere Mitarbeitende.

Nein, nicht primär zufriedenere, sondern engagiertere Mitarbeitende sind besser. Es gibt eben auch resignative Arbeitszufriedenheit. Das heisst, man richtet es sich bequem ein. Nehmen die Arbeitsanforderungen über die Zeit ab und ist der Lohnanstieg eine Selbstverständlichkeit, dann wirkt sich dies negativ aus. Die Verwaltung ist heute aber gefordert. Externe Ansprüche haben zugenommen, die Probleme sind komplexer. Da braucht es leistungsfähige und innovative Mitarbeitende.

Um solche Prozesse zu fördern, richtet der Bund Leistungsprämien aus …

… wobei die Prämienvergabe hinterfragt werden muss. Profitiert ein Drittel der Belegschaft davon, ist zweifelhaft, ob die Prämien sachgerecht eingesetzt werden. Es könnte auch eine Kompensation sein, da viele wegen des automatischen Lohnanstiegs zuoberst am Lohnband anstehen. Dabei könnten gerade Prämien wichtige Anreize darstellen.

Was müsste sich konkret ändern?

Heute untergräbt die Lohnfrage oft das Mitarbeitergespräch. Es spitzt sich auf die Frage zu, ob jemand im nächsten Jahr mehr Lohn zugute hat oder nicht. Eine Möglichkeit ist, Lohnanstieg und Mitarbeitergespräch zu entkoppeln. Dabei muss der regelmässige Gehaltsanstieg nicht völlig verschwinden. Zentral ist, dass Personalgespräche als Instrument genutzt werden, um bei jedem Verwaltungsmitarbeitenden einen Entwicklungsprozess anzustossen.

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