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So gelb kann doch kein Hügel sein

Mit dem Gemälde «Der gelbe Hügel» (1903) emanzipierte Cuno Amiet sich von dem damals alles dominierenden Ferdinand Hodler. Über den Einsatz einer einst radikalen Farbe.

Revolutionär: Cuno Amiets «Der gelbe Hügel» von 1903.
Revolutionär: Cuno Amiets «Der gelbe Hügel» von 1903.
© M. u. D. Thalmann, Herzogenbuchsee, Schweiz

Zwei nackte Mädchen sitzen anmutig in einem Feld voller Pusteblumen. Die eine schaut aus dem Bild heraus den Betrachter an, die andere senkt den Blick. «Die gelben Mädchen», deren Urfassung 1905 entstand, gehört in Form einer Kopie von 1931 zur Sammlung des Kunstmuseums Bern.

Gemalt hat dieses durch dekorative Flächigkeit und den exzessiven Einsatz von Gelb bestechende Gemälde Cuno Amiet. Der über die Schweiz hinaus strahlende Künstler kam 1868 in Solothurn zur Welt und verstarb 93-jährig auf der Oschwand, in der Berner Gemeinde Seeberg, wo er über 60 Jahre gelebt hatte.

Leuchtendes Gelb ist ein Leitmotiv in Amiets Werk. Der Einsatz dieser leuchtend hellen Farbe hatte einst beinahe subversiven Charakter, setzte die an den Akademien gelehrte Malerei doch vor allem auf dunkle Töne.

Als wild empfunden wurde etwa Vincent van Goghs Einsatz der Farbe. Der niederländische Maler nutzte Gelb vor allem, um seine Wahlheimat Arles einzufangen. Cuno Amiet betonte immer, wie sehr ihn die sogenannten Pont-Aven-Maler, zu denen nebst Van Gogh auch Paul Gaugin gehörten, beeinflusst hatten.

Dieser Verweis war ihm wichtig, da er als Verehrer des Berner Symbolisten Ferdinand Hodlers galt und sich an dem 15 Jahre älteren Meister ein Leben lang abarbeitete.

Hügel in Gelb

Die Emanzipation gelang Amiet mit dem Gemälde «Der gelbe Hügel» (1903). Als das Bild 1905 in Dresden ausgestellt wurde, begeisterte es die Expressionisten der Künstlergruppe «Die Brücke». Die Maler rund um Ernst Ludwig Kirchner baten Amiet, sich ihnen anzuschliessen, was dieser auch tat. Was war so revolutionär an dem Gemälde? Indem Amiet seinen Berg als eine einzige gelbe Fläche gestaltete, nahm er die abstrakte Kunst voraus.

Die Farbigkeit provoziert in ihrer Reinheit. So gelb konnte kein Hügel sein, da foutierte sich einer um naturgetreue Darstellung. Das sich im Kunstmuseum Solothurn befindende Gemälde gilt als Meisterwerk. In später gemalten Landschaften Amiets durfte auch der Himmel gelb sein.

Anna in Gelb

Nebst den gelben Mädchen und dem gelben Hügel malte Amiet auch seine Frau, die Wirtstochter Anna Luder in Gelb. Bei dem «Bildnis Anna Amiet in Gelb mit blumengeschmücktem Hut» (1906) benutzte der Künstler die pointillistische Technik. Gelb-beige Kontraste bestimmen das Bild, bei dem sich die Porträtierte und der Hintergrund gegenseitig zu durchdringen scheinen.

Gelb sorgt gemeinhin für lichte Momente. Es erstaunt daher nicht, dass Amiet in der Malerei ein «herrliches Handwerk» sah, das glücklich macht und Glück verbreitet. «Amiet. Freude meines Lebens» hiess die Ausstellung im Kunstmuseum Bern, die 2012 anlässlich des 50. Todestages den Künstler mit einem Einblick in die Sammlung Eduard Gerber feierte.

Es ist der langjährigen Sammlertätigkeit des Berners Eduard Gerber zu verdanken, dass sich heute repräsenta­tive Werkgruppen Amiets nicht nur in Solothurn, sondern auch im Kunstmuseum Bern befinden. Einzigartig ist natürlich auch das Sgraffito an der Fassade des Museums, das junge Frauen bei der Apfelernte zeigt.

Von weitem erkennt man nicht die paradiesische Szene, sondern einfach eine gelbe Wand. In unserer Herbstseriewidmen wir uns jede Woche einer Farbe. Diese Woche ist Gelb an der Reihe.

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