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Umfrage zum Zahlungsverhalten So bezahlt die Schweiz

Bargeld, Kreditkarte oder Zahlen per Smartphone: Noch nie hatten die Konsumenten so viele Möglichkeiten, ihr Geld auszugeben. Doch welches Zahlungsmittel ist am beliebtesten, und welchen Einfluss hat die Corona-Krise?

Bald das dominierende Zahlungsmittel? Immer mehr Menschen in der Schweiz bezahlen kontaktlos mit Smartphone oder Kreditkarte.
Bald das dominierende Zahlungsmittel? Immer mehr Menschen in der Schweiz bezahlen kontaktlos mit Smartphone oder Kreditkarte.
Foto: Keystone

Wir Schweizer sind ein eher konservatives Volk, wenn es um unser Zahlungsverhalten geht. Über Jahre galt das Bargeld als das Nonplusultra des hiesigen Zahlungsverkehrs. Das gute alte Bargeld ist verlässlich, und man sieht genau, wie viel man hat beziehungsweise gerade ausgegeben hat. Doch diese Tendenzen schwinden langsam, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des Online-Vergleichsdienstes moneyland.ch ergeben hat.

Das Bargeld gilt zwar noch immer als unverzichtbares Gut im Portemonnaie der Schweizer. 78 Prozent der insgesamt 1500 befragten Personen zwischen 18 und 74 Jahren aus der Deutschschweiz und der Romandie gaben an, nicht auf Bargeld verzichten zu wollen. Modernere Zahlungsmethoden überholen das altbewährte Papier jedoch langsam in Sachen Beliebtheit. Auf dem zweiten Platz, und nur dicht dahinter, folgen die Kreditkarten. 69 Prozent aller Befragten stuften die Plastikkarte als fast unverzichtbar beim täglichen Zahlen ein. Auch an dritter Stelle folgt Plastik: Auf EC-Karten von Maestro können immerhin 51 Prozent nicht verzichten.

Während im Internet die Kreditkarte die Spitzenreiterin in Sachen Popularität ist, bleibt das Bargeld für die Schweizer Bevölkerung das bevorzugte Zahlungsmittel beim traditionellen Einkaufen. Tendenziell werden Kreditkarten jedoch auch dort immer populärer. Diese Tendenz sei wegen der Corona-Krise gar um Jahre beschleunigt worden, meint Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch. «Wir gehen davon aus, dass Kreditkarten dem Bargeld in näherer Zukunft den Rang ablaufen werden.» Dies liege einerseits daran, dass Bargeld gemeinhin als unhygienisch wahrgenommen werde und viele Geschäfte bares Geld derzeit gar nicht akzeptieren würden. Ein Vorteil sei ausserdem die Kontaktlos-Option vieler Kreditkarten.

Kontaktloses Zahlen immer populärer

Diese Kontaktlos-Funktion der Kredit- und Debitkarten ist es dann auch, welche immer häufiger zur Anwendung kommt, wenn Schweizer einkaufen gehen. 81 Prozent der Befragten zahlt in regelmässigen Abständen mit der Karte im Laden, knapp mehr als die Hälfte davon kontaktlos. Rund 40 Prozent der Befragten benutzen eine Maestro-Karte fürs kontaktlose Bezahlen. Die PostFinance Card nutzen 22 Prozent auf diese Weise. Je nach Kartenanbieter ergeben sich wiederum Unterschiede bei der Häufigkeit der kontaktlosen Nutzung.

Doch kontaktloses Zahlen ermöglichen heute nicht mehr nur Kredit- sowie Debitkarten, sondern auch Smartphones und Uhren. Unter den mobilen Zahlungsmitteln besonders beliebt ist die Schweizer Bezahlapp Twint. 38 Prozent gaben an, in Geschäften regelmässig mit Twint zu bezahlen.

Weniger grosser Beliebtheit erfreut sich jedoch die Konkurrenz aus dem Ausland. Nur 10 Prozent der Befragten gaben an, Apples hauseigene Bezahlfunktion Apple Pay zu benutzen, 9 Prozent aller Android-Nutzer gebrauchen Google Pay und bei den Samsung-Anhängern sind es gar nur 7 Prozent, die auf das betriebseigene Zahlungssystem Samsung Pay zurückgreifen. Und wer mit einer Smartwatch bezahlt, gehört landesweit wohl noch zu den Exoten. Lediglich rund fünf Prozent nutzen eine Uhr im Laden an der Kasse.

Allgemein lässt sich also festhalten, dass auch die Smartphones beim Zahlungsverhalten der Schweizer an Bedeutung gewinnen werden, ja, gar auf Platz eins auf der Beliebtheitsskala rutschen könnten. «Es ist davon auszugehen, dass in der Schweiz in den kommenden Jahren markant mehr mit dem Smartphone bezahlt wird», sagt Daniel Dreier, Experte bei moneyland.ch. Je nachdem könnte das Smartphone als Zahlungsmittel längerfristig sogar die Kreditkarte überholen, ergänzt Geschäftsleiter Manz.

Zu diesem Resultat sind auch Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in ihrem letztjährigen Swiss Payment Monitor gekommen. «Neuere Bezahlmethoden wie kontaktloses oder mobiles Bezahlen werden aufgrund verschiedener Sicherheitsbedenken in der Tendenz zwar negativer wahrgenommen als die klassischen Zahlungsmittel Bargeld, Debitkarte und Kreditkarte. In der Wahrnehmung der Befragten zeichnet sich diesbezüglich allerdings allmählich ein Wandel ab», schreiben die Autoren. «Es wird (…) immer deutlicher, dass in Zukunft das Bargeld vom bargeldlosen Bezahlen zunehmend verdrängt wird.»

Im Zahlungsverhalten der Schweizer Bevölkerung zeigen sich Geschlechter- sowie Altersunterschiede. Während Männer häufiger kontaktlos und mit dem Smartphone bezahlen als Frauen, greifen Frauen öfter auf Debitkarten von Maestro für ihren Zahlungsverkehr in Geschäften zurück. Das Bezahlen mit Smartphone wurde von ihnen in der Umfrage von moneyland.ch als weniger wichtig eingestuft.

Grösser sind die Unterschiede nach Alter aufgeschlüsselt. Je jünger die Umfrageteilnehmenden waren, desto häufiger gaben sie an, eine Prepaid-Kreditkarte zu verwenden. Umgekehrt wird mit zunehmendem Alter häufiger mit «normaler» Kreditkarte bezahlt. Dafür sinkt gemäss der Umfrage mit dem Alter der Anteil derjenigen, die kontaktlos bezahlen.

62 Kommentare
    Suzanne

    Das Tippen auf einer Tastatur, die jeder anfasst, ist sicher nicht hygienischer als Bargeld. Der meist infizierte Ort ist der Liftknopf fürs EG, den drücken auch alle.