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Frauen in der GemeindepolitikSie war die erste Gemeindepräsidentin

Heidi Beyeler war im oberen Emmental die erste Frau an der Spitze einer Gemeinde. Ihre Kandidatur sorgte in Trubschachen auch für kritische Stimmen.

Heidi Beyeler wurde 1997 in Trubschachen zur Gemeindepräsidentin gewählt.
Heidi Beyeler wurde 1997 in Trubschachen zur Gemeindepräsidentin gewählt.
Foto: Christian Pfander

Heidi Beyeler war im oberen Emmental die erste. Die erste Frau an der Spitze einer Gemeinde. 1997 wählten die Trubschacher sie zur ersten Gemeindepräsidentin in der Region. Wie es dazu kam? Ohne viel Wirbel, ohne Paukenschlag. Die Vertreter der Arbeitnehmer trafen sich, um zu nominieren. Es war an ihnen, einen Kandidaten oder eine Kandidatin fürs Präsidium zu stellen. In Trubschachen sind nebst den Arbeitnehmern auch die Arbeitgeber und die Bauern im Gemeinderat vertreten. Das Präsidium fällt im Turnus einer der drei Gruppierungen zu.

Einige Männer und eine Frau sassen also beisammen und beantworteten der Reihe nach die gleiche Frage: «Kannst du es dir vorstellen?» Und Heidi Beyeler sagte: «Ja, kann ich.» Eine Frau, das wäre gut, das wäre an der Zeit, waren sich die Arbeitnehmer einig. Auch die Arbeitgeber und die Bauern schienen damit einverstanden. Zumindest nominierten sie keinen eigenen Kandidaten, eine Kampfwahl gab es nicht.

Erst einige Jahre später erfuhr Heidi Beyeler, dass ihre Kandidatur schon Wellen geworfen hatte. «Ob das eine Frau wohl kann?», fragten sich einige Arbeitgeber. So wurde es Beyeler erzählt. «Das hat mich etwas schockiert», sagt sie. Mittlerweile sind 23 Jahre vergangen. Die ehemalige Gemeindepräsidentin erinnert sich bei einem Mittagessen im Löwen in Langnau, wie es damals war.

Diesen Gerüchten wollte sie auf den Grund gehen. Denn schon bald stand ihre Wiederwahl an, mögliche Unstimmigkeiten wollte sie geklärt haben. Die Gemeindepräsidentin traf sich also mit einigen Arbeitgebern. «Es waren sehr gute Gespräche.» Abgestritten hätten die Männer nichts. Eine Frau in einem solchen Amt sei für sie halt einfach etwas Neues gewesen.

Sie musste sich behaupten

Regionalkonferenzen, Treffen der Gemeindepräsidenten – oftmals war Heidi Beyeler alleine unter lauter Männern. «Aber das hat mir nichts ausgemacht, ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen.» Auch im Gemeinderat und von den Einwohnern sei sie akzeptiert worden. Mehr behaupten als ein Mann musste sie sich jedoch schon. «Ich habe mich doppelt so gut in die Geschäfte eingelesen.» Nicht weil sie kritisiert wurde. «Das tat ich, um mich selbst gut vorbereitet zu fühlen.»

Auch bei öffentlichen Auftritten war Heidi Beyeler selbstkritisch. Sie erinnert sich an ihre allererste Rede vor den Delegierten des Gärtnereiverbands. «Ich war schrecklich nervös.» Danach lief sie mit einem Blumenstrauss in der Hand nach Hause, völlig gerädert, und überlegte sich, was sie alles hätte besser machen können. «Mit der Zeit hat sich das dann aber zum Glück gelegt.»

Frauen liessen sich nicht gewinnen

Eines gelang Heidi Beyeler aber nicht. Aus der Arbeitnehmerschaft konnte sie keine weiteren Frauen in die Gemeindepolitik holen. Obwohl sie es versuchte. «Das möchte ich mir nicht antun», habe sie oft gehört. Oder: «Das kann ich nicht.» Dabei sei es wie bei jedem anderen Beruf auch: «Man muss sich einarbeiten.»

Ende 2002 trat Heidi Beyeler dann zurück. Sie konnte ihr Arbeitspensum bei einem Versicherungsbroker aufstocken. Das Gemeindepräsidium lag zeitlich nicht mehr drin. Heute arbeitet die 62-Jährige bei der Stiftung Lebensart in Bärau. Missen möchte Heidi Beyeler die Zeit als Gemeindepräsidentin aber nicht. «Was man da alles lernt, das ist unbezahlbar.»