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Schärer ersetzt BühlmannSie ist die erste Frau an der Babs-Spitze

Michaela Schärer wird die neue Direktorin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Der bisherige Vorsteher übernimmt per Anfang 2021 die Funktion als Chef Armeestab.

Michaela Schaerer, designierte Direktorin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) spricht an der Medienkonferenz mit Bundesrätin Viola Amherd. (26. November 2020)
Michaela Schaerer, designierte Direktorin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) spricht an der Medienkonferenz mit Bundesrätin Viola Amherd. (26. November 2020)
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Nach dem unerwarteten Abgang von Benno Bühlmann an der Spitze des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (Babs) hat Verteidigungsministerin Viola Amherd am Donnerstag die künftige Amtsdirektorin vorgestellt. Übernehmen wird die 50-jährige Juristin Michaela Schärer.

Der Bundesrat hat Schärer am Mittwoch als neue Babs-Direktorin ernannt. Sie tritt ihr Amt am 1. Januar 2021 an, wie es in einer Mitteilung heisst. Schärer ist die erste Frau an der Babs-Spitze.

Bis Ende Jahr leitet noch Armeekader Jean-Paul Theler das Bundesamt. Er hatte den Job Anfang April 2020 ad interim angetreten. Schon im Januar war kommuniziert worden, dass Theler längstens bis Ende Jahr im Amt bleibt. Er übernimmt per Anfang 2021 die Funktion als Chef Armeestab.

Ein Vierteljahrhundert in der Verwaltung

Zur Nominierung einer neuen Direktorin oder eines neuen Direktors setzte das Verteidigungsdepartement (VBS) eine Findungskommission ein. Der Bewerbungsprozess habe gezeigt, dass Schärer das Anforderungsprofil am besten erfülle, schreibt das VBS. Namentlich ihre Aus- und Weiterbildungen, ihr bisheriger Leistungsausweis, die langjährige Erfahrung in der Verwaltung sowie ihre Führungs- Organisations- und Sozialkompetenz hätten den Ausschlag gegeben.

Schärer studierte an der Universität Lausanne Recht und absolvierte danach an der Universität Genf das Nachdiplom in Internationalem Recht. Anschliessend erwarb sie den Doktortitel. Nach verschiedenen Jobs an der ETH Lausanne trat Schärer im April 1995 ins damalige Eidgenössische Militärdepartement (EMD) ein. Seither ist sie der Bundesverwaltung treu geblieben.

Sie arbeitete unter anderem im Rechtsdienst des Generalstabs, im Generalsekretariat VBS und im Stab des Chefs VBS. 2006 wechselte sie zum Grenzwachtkorps in die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV). Per Juli 2017 wurde Schärer zur stellvertretenden EZV-Direktorin ernannt. Nach einer internen Reorganisation übernahm sie die Verantwortung für den Bereich Zoll mit 2000 Mitarbeitenden. Seit Januar 2020 ist sie Chefin des Direktionsbereichs Operationen mit dem Auftrag, die vier Zollkreise und die sieben Grenzwachtregionen mit bis zu 3500 Mitarbeitenden in einer Organisation zusammenzuführen.

Viel zu tun

Schärer leitet künftig ein zentrales Amt für die Sicherheit in der Schweiz. Der Bevölkerungsschutz muss in der Lage sein, auf plötzlich auftretende, nicht unwahrscheinliche und vor allem potenziell gefährliche Risiken wie Erdbeben, Blackouts oder Pandemien zu reagieren.

Das Babs ist in der Corona-Pandemie besonders gefordert. Auch Angehörige des Zivilschutzes sind im Einsatz, aktuell jedoch «nur noch punktuell je nach Lage und Bedarf», wie es beim Bundesamt kürzlich hiess. Wegen der Pandemie hat der Bund die Dienstpflichtdauer für Zivilschutzangehörige von 12 auf 14 Jahre verlängert. So soll sichergestellt werden, dass genügend Zivilschützer zur Verfügung stehen.

Bei der Revision des Zivilschutzgesetzes war die Dienstpflichtdauer für Zivilschutzangehörige von 20 auf 12 Jahre verkürzt worden. Das revidierte Gesetz tritt 2021 in Kraft. Das Babs rechnet damit, dass jährlich etwa 6000 Zivilschützer benötigt werden, um einen Gesamtbestand von 72’000 Personen zu halten. Mit der nun verlängerten Dienstpflicht stehen im nächsten Jahr sogar 10’000 zusätzliche Leute bereit.

Das Babs erarbeitet derzeit auch ein neues Konzept zur Weiterentwicklung unterirdischer Spitäler und geschützter Sanitätsstellen. Viele dieser Einrichtungen befinden sich in einem schlechten Zustand, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im vergangenen Mai kritisierte. Auch mit diesem Projekt wird sich die neue Amtsdirektorin beschäftigen.

Vorgänger eckte an

Der vorherige Babs-Chef Bühlmann hatte per Ende März 2020 nach knapp sechs Jahren im Amt den Hut genommen. Er habe das Arbeitsverhältnis mit dem Bund einvernehmlich aufgelöst, hatte der Bundesrat im Dezember 2019 bekanntgegeben. Es habe «unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes» gegeben.

Bühlmann arbeitet nun für das Zentrum für Sicherheitspolitik in Genf und baut dort den Kompetenzbereich Katastrophenmanagement und Bevölkerungsschutz auf.

SDA