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Sommerserie: Grenzen im Innern (4)Selbstbewusst bis an die Schmerzgrenze

15 Jahre lebt unsere Autorin schon in Bern. Trotzdem stellt sie immer noch kulturelle Unterschiede fest. Zum Beispiel bei den Heimatgefühlen.

Fast schon kitschig:  Abendstimmung an der Kramgasse in Bern.
Fast schon kitschig: Abendstimmung an der Kramgasse in Bern.
Foto: Switzerland Tourism

Der Gurten ist einzigartig, die Aare einfach nur wunderbar und der Dialekt der allerallerschönste. Diese Lobhudelei vieler Bernerinnen und Berner ist manchmal für Zugezogene wie mich nur schwer zu ertragen. Natürlich ist es ein Privileg, hier leben zu dürfen. Aber ich möchte nicht, dass mir das jeden Tag um die Ohren gehauen wird.

Mein Verhältnis zu meiner alten Heimat ist ein ganz anderes als das der Bernerinnen und Berner zu ihrem Daheim. Wenn mich jemand nach der Ostschweiz fragt, dann tendiere ich dazu, alles ein wenig ins Lächerliche zu ziehen.

Die Thur? Ach ja, da erinnere ich mich vor allem an die Entenflöhe. Das Hörnli? Ui ja, da mussten wir oft bei Schulreisen hochlaufen. Die Stiftsbibliothek in St. Gallen? Wunderschön, aber ich war schon gefühlte tausend Mal dort. Der Dialekt? Haha, ja, der ist wirklich grauenhaft.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob es besser ist, stolz auf die eigene Heimat zu sein. Es ist sicher begrüssenswert, wenn man warme Gefühle hat für sein Daheim. Aber die muss man ja nicht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit laut herausposaunen.

Böse Zungen meinen, die Selbstverliebtheit der Bernerinnen und Berner rühre vor allem daher, dass sie noch kaum an einem anderen Ort in der Schweiz waren. Ihnen fehlten deshalb die Vergleichsmöglichkeiten. Aber so etwas Gemeines würde ich selbstverständlich nie behaupten.