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Das sind die zehn spannendsten Fragen zum Wahltag in der Schweiz

Das Land entscheidet über das politische Kräfteverhältnis der nächsten vier Jahre. Folgende Fragen stehen im Vordergrund.

Vergeht ihnen das Lachen am Wahltag? Albert Rösti und Petra Gössi drohen mit ihren Parteien Verluste. Foto: Keystone
Vergeht ihnen das Lachen am Wahltag? Albert Rösti und Petra Gössi drohen mit ihren Parteien Verluste. Foto: Keystone

1. Überholen die Grünen die CVP?

Fällt sie oder fällt sie nicht unter die 10-Prozent-Marke? Dies ist die entscheidende Frage, die sich für die CVP stellt. Die kombinierten Wahlumfragen zeigen für die CVP ein Ergebnis von 10,4 Prozent Wähleranteil. Damit lägen die Christdemokraten weiterhin vor den Grünen, die laut Umfragen auf 9,9 Prozent kommen. Überholen die Grünen jedoch die CVP, wird sich bereits am Wahlabend die Bundesratsfrage stellen. Fordern die Grünen einen Sitz in der Regierung und falls ja, auf wessen Kosten? Äusserungen der Parteileitung lassen darauf schliessen, dass die Grünen wohl einen FDP-Sitz angreifen würden, sich aber auch im Fall eines Wahlsieges vorerst eher defensiv verhalten.Spannungsfaktor: Gross

2. Schaffen es Martullo, Wermuth, Mörgeli und Co.?

Magdalena Martullo-Blocher anlässlich des Parteifests und Wahlauftakts der SVP Schweiz in Sattel SZ. Foto: Keystone
Magdalena Martullo-Blocher anlässlich des Parteifests und Wahlauftakts der SVP Schweiz in Sattel SZ. Foto: Keystone

Wer den Wahlkampf als lau empfunden hat, kann sich damit trösten, dass der Wahltag in mehreren Kantonen definitiv spannend wird: Wird Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher (SVP) in Graubünden abgewählt? Schafft Cédric Wermuth (SP) die Sensation und wird Aargauer Ständerat? Gelingt Christoph Mörgeli (SVP) in Zürich das Comeback in der grossen Kammer? Wird Tamara Funiciello (Juso) neue Berner Nationalrätin? Und muss Ständerat Paul Rechsteiner (SP) in St. Gallen seinen Ruhestand antreten?Spannungsfaktor: Gross

3. Wie stark kippt der Nationalrat nach links?

2011 erstarkte die neue Mitte, 2015 kippte der Nationalrat nach rechts – nun dürfte derselbe Rat nach links kippen. Der Politologe Claude Longchamp hat die wichtigsten Wahlumfragen kombiniert. Er kommt zum Schluss, dass die Grünen um 2,8 Prozentpunkte und die Grünliberalen um 2,3 Prozentpunkte zulegen, während die SP ihre Stärke hält. Die SVP würde 2,3 Prozentpunkte verlieren, die FDP stagnieren: Damit wäre die knappe rechtsbürgerliche Mehrheit im Nationalrat wie erwartet Geschichte. Die neue Konstellation könnte neben ökologischen Reformen auch Vorlagen wie individualisierte Steuermodelle, die Ehe für alle oder die Elternzeit mehrheitsfähig machen. Gleichzeitig dürfte die linksgrüne Welle am Ständerat vorbeirollen. Die kleine Kammer wird auch nach den heutigen Wahlen als Treibanker der eidgenössischen Politik dafür sorgen, dass sich Kursabweichungen in Grenzen halten.Spannungsfaktor: Mittel

4. Wie hoch wird der Frauenanteil sein?

Helvetia hat gerufen, und so viele Frauen wie noch nie haben sich als Kandidatinnen zur Verfügung gestellt: Mit 40,2 Prozent liegt der Frauenanteil bei den Kandidatinnen 5,7 Prozentpunkte höher als 2015 – und erstmals über 40 Prozent. Der Frauenanteil in beiden Räten dürfte denn auch ansteigen. Derzeit beträgt er im Nationalrat 31,7 Prozent, im Ständerat 13 Prozent. In der kleinen Kammer ist es möglich, dass sich der Frauenanteil dem Höchststand von 2003 (24 Prozent) annähert. Im Nationalrat dürfte er ein neues Allzeithoch erreichen, die 40-Prozent-Marke aber nicht knacken. Obwohl die Mehrheit der Stimmberechtigten weiblich ist.Spannungsfaktor: Gross

5. Wie viel verliert die SVP?

Laut Umfragen verliert die SVP 2,3 Prozentpunkte. Das wäre ein verhältnismässig grosser Verlust für die erfolgsverwöhnte Partei. Gleichzeitig ist zu relativieren: 2015 erzielte die SVP mit 29,4 Prozent Wähleranteil und 65 Nationalratsmandaten das beste Wahlresultat einer Partei seit Einführung der Proporzwahl. Auch mit 27 Prozent Wähleranteil wäre die SVP nach wie vor die mit Abstand stärkste Partei; die zweitplatzierte SP dürfte auch dieses Jahr unter der 20-Prozent-Marke bleiben. Zudem hat die SVP in der Vergangenheit bewiesen, dass sie dank einer erfolgreichen Schlussmobilisierung besser als erwartet abschneiden kann.Spannungsfaktor: Überraschung ist möglich

6. Was für Folgen hat der Öko-Kurs für die FDP?

Bewegt die Schweiz seit Monaten: Die Klimakrise. Foto: Keystone
Bewegt die Schweiz seit Monaten: Die Klimakrise. Foto: Keystone

Kaum jemand hat den Wahltag derart herbeigesehnt wie FDP-Chefin Petra Gössi. Seit sie im Frühling den bisherigen FDP-Slogan «mehr blau» durch «mehr grün» ausgewechselt hat, diskutiert die politische Schweiz darüber, ob dieser spektakuläre Kurswechsel der Partei nun schadet oder nützt. Die Umfragen haben der FDP zuletzt wieder mehr Verluste als vor ein paar Monaten vorausgesagt. In den kombinierten Umfragen kann die Partei jedoch ihre 16,4 Prozent Wähleranteil halten. Stillschweigend entsorgt hat die FDP jedenfalls ihre frühere Ankündigung, sie wolle die SP (laut Umfragen stagnierend bei 18,8 Prozent) überholen.Spannungsfaktor: Gross

7. Gibt es die BDP am Sonntagabend noch?

Einen der bemerkenswertesten Wahlkämpfe hat BDP-Chef Martin Landolt hingelegt. Stets die stoische Ruhe des Glarner Berglers verströmend, trotzte er jedem noch so schlechten Umfrageergebnis. Laut aktueller Prognose verliert die Partei einen Prozentpunkt und kommt noch auf 3,1 Prozent Wähleranteil. Die BDP dürfte am Wahltag nicht pulverisiert werden, aber es droht der Abstieg in die Liga der Kleinparteien à la EVP.Spannungsfaktor: Gross

8. Gibt es eine Rekordwahl?

48,5 Prozent der Stimmberechtigten gingen 2015 zur Wahl. Dieses Jahr könnte dank der Mobilisierung durch die Klima- und Frauenbewegung erstmals seit 1975 die 50-Prozent-Marke geknackt werden. Damit hat es sich dann aber auch. Eine Stimmbeteiligung um die 60 Prozent wird es bei Nationalratswahlen wohl nie wieder geben. Dafür werden die Stimmberechtigten hierzulande zu oft an die Urne gerufen, und auch die Parlamentswahlen sind im internationalen Vergleich weniger spannend, weil nicht direkt eine Regierung gewählt wird.Spannungsfaktor: Mittel

9. Wie schneiden die Operation-Libero-Kandidaten ab?

Die Organisation Operation Libero macht das Panaschieren zum politischen Instrument und hat sechs nationale Spitzenkandidaten aus diversen Parteien gekürt: Nicola Forster (GLP, ZH), Sophie Buchs (CVP, GE), Vera Stiffler (FDP, GR), Arber Bullakaj (SP, SG), Gerhard Andrey (Grüne, FR) und Ursula Troisio (BDP, ZH). Das Abschneiden der sechs Kandidaten und Kandidatinnen wird zeigen, wie erfolgreich diese Art von parteiübergreifendem Politmarketing ist.Spannungsfaktor: Mittel

10. Lässt jemand in der Elefantenrunde eine Bombe platzen?

«Blocher – oder keiner», verkündete SVP-Parteichef Ueli Maurer am Wahlabend 2003 in der TV-Elefantenrunde der Parteipräsidenten. Und lancierte damit eine der turbulentesten Zeitperioden der jüngeren Schweizer Geschichte: Zwei Monate später wurde die Zauberformel gesprengt und Christoph Blocher Bundesrat, vier Jahre später wählte ihn das Parlament wieder ab. Eine ähnlich folgenreiche Ankündigung ist am heutigen Wahlabend kaum zu erwarten. Doch die Grünen – eventuell im Verbund mit den Grünliberalen – werden zur Frage Stellung nehmen müssen, ob sie einen Bundesratssitz fordern. Schneiden die beiden Parteien noch besser als erwartet ab, wird die Bundesratsfrage zum dominierenden Thema am Wahlabend.Spannungsfaktor: Überraschungen sind möglich

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