Zum Hauptinhalt springen

«Viele Junge bekommen wegen der RS keine Stelle»

Karrierekiller Militär? Wer sich für die Rekrutenschule entscheidet, fehlt oft gleich nach dem Lehrabschluss für mehrere Monate. Und hat darum in manchen Branchen kleinere Chancen, angestellt zu werden.

«Ganz wenige bekommen vor der RS einen Arbeitsvertrag»: Ein Rekrut bei der Ausbildung in der Grenadier-Rekrutenschule der Schweizer Armee in Isone. (30. September 2013)
«Ganz wenige bekommen vor der RS einen Arbeitsvertrag»: Ein Rekrut bei der Ausbildung in der Grenadier-Rekrutenschule der Schweizer Armee in Isone. (30. September 2013)
Gaëtan Bally, Keystone

Der Führungsstil in der Armee, Zweifel an deren Notwendigkeit, psychische oder physische Probleme sind nur einige der Gründe, warum Schweizer Männer das Militär meiden und lieber Zivildienst machen. 8000 Personen wurden für den umfassenden Bericht befragt, den der Bundesrat am Mittwoch verabschiedete.

War das Militär früher fürs berufliche Fortkommen ein Pluspunkt, scheint es heute in manchen Branchen zum Makel geworden zu sein. «Oh nein, der muss noch in die RS», denken Arbeitgeber laut Markus Bosshard immer wieder. Nämlich dann, wenn sie entscheiden, ob sie ihrem Lehrling eine Festanstellung anbieten sollen oder nicht. Bosshard leitet die Lehrwerkstätte für Möbelschreiner in Zürich.

Bei 4-jährigen Ausbildungen wie der Schreinerlehre tritt das RS-Problem besonders häufig auf, da der Beginn der Rekrutenschule mit dem Ende der Lehre zusammenfällt. Manche Lehrlinge müssen schon einige Wochen vor Ende der Lehre einrücken, andere können den Start wenigstens auf den Herbst verschieben.

Von Bosshards acht männlichen Lehrlingen machen diesen Sommer fünf die Rekrutenschule. Er hilft ihnen, eine Stelle zu finden, denn in seinem Ausbildungsbetrieb können sie nicht bleiben. «Ganz wenige bekommen vor der RS einen Arbeitsvertrag», sagt Bosshard, «nur jene, die ein Betrieb unbedingt an sich binden will.» Die Arbeitgeber ärgerten sich oft über den monatelangen Ausfall. Andererseits bräuchten auch manche Junge nach der Lehre erstmals eine Verschnaufpause und verzichteten deshalb auf eine feste Anstellung.

RS grösseres Übel als der WK

Auch Roland Rupp vom KMU-Verband Schweiz sagt, dass wegen der RS viele Junge keine feste Anstellung bekommen. «Der Arbeitgeber macht erst mal keinen Arbeitsvertrag mit seinem Lehrling, sondern sagt: ‹Schauen wir mal, wies aussieht, wenn du wieder zurück bist.›»

Laut Romain Rosset vom Verband der Schweizer Schreinermeister ist der Hauptgrund dabei nicht das Finanzielle: «Das Unternehmen bekommt vom Bund Erwerbsersatzleistungen, die einen Grossteil des Lohns kompensieren.» Der Verlust der Arbeitskraft sei gravierender. Roland Rupp vom KMU-Verband bestätigt: Die grosse Mehrheit der Schweizer Unternehmer habe weniger als zehn Mitarbeiter, da falle ein monatelanger Ausfall besonders ins Gewicht. «Je nachdem muss man dann jemanden finden, der temporär einspringt.» Die RS sei deshalb auch das grössere Übel als die Wiederholungskurse (WK). «Die paar Wochen sind heute für die Unternehmen kein Problem mehr.»

Je grösser der Betrieb, desto einfacher

Michele Marchesi ist bei Siemens zuständig für die Lehrlingsbetreuung. «Jemanden wegen der RS nicht oder erst später einzustellen, ist heikel. Bei uns kommt das nicht vor», sagt er. Dass es andernorts passiere, habe er aber auch schon erlebt. Auch bei der Raiffeisen heisst es, die RS spiele keine Rolle. 32 Informatiklehrlinge sind bei der Bank derzeit in Ausbildung. Die Betriebsgrösse mache es verkraftbar, wenn mal jemand fehle, sagt der Verantwortliche Elias Weber. «Ausser jemand möchte den Durchdiener machen.» Er selbst hat im Militär den Offizier gemacht und rät den Lehrlingen, die RS unbedingt zu machen: «Der Dienst schadet nicht.»

Für Roland Rupp ist dennoch klar: Der häufig gehörte Rat, man solle nach der Lehre in einem anderen Unternehmen einsteigen, käme auch daher, dass vielen Lehrlingen aufgrund der RS gar nichts anderes übrig bleibe.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch