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«Wir brauchen mehr Geld»

Die Kosten steigen – die Einnahmen stagnieren: SRG-Radiodirektor Walter Rüegg fordert für die DRS-Sender mehr Geld. Sogar das Werbeverbot im Internet soll fallen.

Rüegg zur Forderung, die Sendeplätze der SRG-Sender müssten reduziert werden: «Frequenzen sind in der Schweiz ein sehr knappes Gut, das ist nicht neu. Nicht die SRG bestimmt jedoch, auf welchen Frequenzen ihre Radioprogramme ausgestrahlt werden, sondern der Bundesrat. Mit unserem klaren Bekenntnis zu Digitalradio leisten wir auch einen Beitrag zur Entschärfung der UKW-Frequenzknappheit.»
Rüegg zur Forderung, die Sendeplätze der SRG-Sender müssten reduziert werden: «Frequenzen sind in der Schweiz ein sehr knappes Gut, das ist nicht neu. Nicht die SRG bestimmt jedoch, auf welchen Frequenzen ihre Radioprogramme ausgestrahlt werden, sondern der Bundesrat. Mit unserem klaren Bekenntnis zu Digitalradio leisten wir auch einen Beitrag zur Entschärfung der UKW-Frequenzknappheit.»
Keystone
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Herr Rüegg, der Marktanteil der DRS-Sender liegt derzeit bei über 60 Prozent. Ein Grund zur Freude? Selbstverständlich. Es zeigt, dass unsere Bestrebungen nach Qualitätsführerschaft vom Publikum geschätzt werden. Unsere Hörerinnen und Hörer dürfen von uns klar mehr Kompetenz und mehr Qualität in sämtlichen Bereichen erwarten: in der Information, im Service, in der Musik.

Die SRG stranguliert die Privatradios zusehends. Auch Sie müssten doch ein Interesse an einer ernsthaften Konkurrenz haben... Schweizer Radio DRS stranguliert die Privatradios keineswegs, im Gegenteil: Wir sind gegenüber einer ernsthaften Konkurrenz sehr offen. Unsere Ansprüche bei den UKW-Frequenzen haben sich seit 25 Jahren nicht verändert. Die Ausgangslage wurde für die Privaten mit dem neuen Radio- und Fernsehgesetz klar besser, indem ihnen mehr Mittel zur Verfügung stehen. Der Werbemarkt steht ihnen gänzlich frei. Im Hörermarkt jedoch soll die Konkurrenz spielen, und da sind wir offensichtlich erfolgreicher.

Private kritisieren, DRS-Sender erhielten zu viele Frequenzen auf UKW. Frequenzen sind in der Schweiz ein sehr knappes Gut, das ist nicht neu. Ich muss jedoch festhalten, dass nicht die SRG bestimmt, auf welchen Frequenzen ihre Radioprogramme ausgestrahlt werden, sondern der Bundesrat. Wir erfüllen also einen Leistungsauftrag des Bundes. Mit unserem klaren Bekenntnis zum Digitalradio leisten wir auch einen Beitrag zur Entschärfung der UKW-Frequenzknappheit.

Glauben Sie denn noch an die Digitalisierung des Radios über DAB? Mehr denn je! Seit Anfang 2008 hat sich die Zahl der verkauften DAB-Geräte in der Schweiz mehr als verdoppelt von zirka 80'000 auf rund 200'000 Digitalradios. Und der Trend ist ungebrochen, nicht zuletzt dank unseren Kommunikationsanstrengungen rund um die Abschaltung des Landessenders Beromünster. Inzwischen ist die DAB-Abdeckung in der Schweiz mit rund 90 Prozent höher als die UKW-Abdeckung.

Der verbitterte Kampf um die UKW-Frequenzen zeigt doch: Bei der Digitalisierung herrscht Stillstand. Nein. Die SRG und SR DRS setzen voll auf Digitalradio. DAB löst die entscheidenden Vorteile des klassischen Radios ein: überall empfangbar, kabellos und einfach zu bedienen. Und Digitalradio bietet wesentlich mehr Sendern Platz als UKW, in einer hohen Tonqualität und ohne Frequenzstörungen. Trotzdem wird UKW auch in der näheren Zukunft weiter eine wichtige Rolle spielen.

Sie sind seit 1999 Radiodirektor. Wie hat sich das Medium seither verändert? Wir leben inzwischen in einer multimedialen Gesellschaft. Radiohören findet nicht mehr nur am Radiogerät statt, sondern ausserdem im Internet, auf dem Handy, live und auf Streams. Im Monat Oktober zählten wir mehr als 1 Million Podcast-Downloads! Unsere Leistungen in Form von Sendungen bleiben so länger «haltbar» - dank dem Speichermedium Internet.

Welche Bedeutung misst SR DRS dem Internet zu? Der Online-Sektor hat in den letzten Jahren stets an Bedeutung gewonnen. Unsere Internet-Auftritte Drs.ch, die Kinderwebsite Drspirando.ch, das Musikportal Mx3.ch und das Volksmusikportal VxM.ch sind zu wichtigen Komplementärmedien geworden.

Das Problem ist: Das Gesetz verbietet es der SRG, im Internet mit Werbung Geld zu verdienen. Das ist so. Während andere Medienunternehmen ihre Internet-Auftritte bewerben dürfen, untersagt uns dies das Gesetz. Die Gebührenakzeptanz nimmt jedoch ab und wir müssen uns Gedanken machen, wie wir in Zukunft unsere Programmleistungen erbringen können, ohne Qualitätseinbussen in Kauf zu nehmen. Hier würde Internet-Werbung eine gewisse Entschärfung bringen.

Wurden Sie bereits bei Medienminister Moritz Leuenberger vorstellig? Die Diskussion im Verwaltungsrat ist lanciert. Es ist aber noch nicht absehbar, wann der Verwaltungsrat einen entsprechenden Antrag stellen wird.

Weshalb braucht SR DRS denn mehr Geld? Die Mittel, die SR DRS zur Verfügung stehen, sind teuerungsbereinigt mehr als vier Prozent tiefer als 1995, obschon wir heute wesentlich mehr Programmleistungen erbringen. Um unsere Leistungen auch in Zukunft in der gewohnten Qualität erbringen zu können, brauchen wir mittelfristig mehr Geld. Deshalb müssen wir neue Möglichkeiten zur Mittelbeschaffung prüfen - etwa durch Online-Werbung.

Branchenbeobachter werden den Eindruck nicht los, SR DRS erweitere laufend sein Angebot - und mache nachher die hohle Hand. Wir haben seit acht Jahren keine Gebühren-Erhöhung beantragt und in dieser Zeit sogar ein neues Programm geschaffen. Wir haben in den letzten Jahren sukzessive Mittel in die Kernbereiche unseres Betriebs verschoben: in die Programme. Dies entspricht unserem Auftrag als Service-public-Unternehmen und der Erwartung der Gebührenzahler. Wir produzieren jedoch nicht mehr nur Radioprogramme, sondern finanzieren auch ein umfassendes Internet-Angebot aus unseren ordentlichen Mitteln und bezahlen enorm gestiegene Gebühren für Urheberrechte, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Kosten steigen an allen Fronten, unsere verfügbaren Mittel werden real kleiner.

SR DRS könnte auch das Angebot verkleinern: Wozu etwa braucht es den Jugendsender Virus? Das Bedürfnis der Jugendlichen decken doch private Anbieter zu Genüge ab. Gemäss Leistungsauftrag muss SR DRS alle gesellschaftlich wichtigen Segmente der Bevölkerung ansprechen. Diese Aufgabe lösen wir mit eigenständigen, aber sorgfältig aufeinander abgestimmten Radioprogrammen, für die Jugendlichen mit DRS Virus.

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