Zum Hauptinhalt springen

«Windenseile sind eine enorme Gefahr»

Den Unfall auf dem Stoos verursacht hat ein Seil, an dem ein Pistenfahrzeug befestigt war. Keine Behörde kontrolliere diese, sagt Carlo Danioth, Pistenchef in Andermatt.

In der Nacht auf Freitag wurden auf der Sesselbahn Fronalpstock vier Personen schwer verletzte. Grund für den Unfall war ein sogenanntes Windenseil. Foto: Keystone
In der Nacht auf Freitag wurden auf der Sesselbahn Fronalpstock vier Personen schwer verletzte. Grund für den Unfall war ein sogenanntes Windenseil. Foto: Keystone

Es war ein fröhlicher Betriebsausflug auf den Fronalpstock in der Zentralschweiz. Doch er endete tragisch. Bei der Rückkehr mit der Sesselbahn schlug ein Windenseil auf das Tragseil und verfing sich. Ein Sessel mit vier Personen stürzte am Donnerstagabend zehn Meter in die Tiefe, dabei erlitten zwei Personen lebensbedrohliche Verletzungen. Carlo Danioth, Pisten- und Rettungschef der Skiarena Andermatt-Sedrun, kennt solche Vorfälle mit Windenseilen und schätzt deren Gefahr als «enorm» ein.

Sind Sie überrascht, dass es auf dem Stoos zu einem Unfall mit einem Windenseil kam?

Ich kenne die topografischen Verhältnisse nicht im Detail und masse mir nicht an, die Unfallursache aus der Ferne zu analysieren. Aber es ist eine Tatsache, dass Windenseile eine enorme Gefahr darstellen und immer wieder zu tragischen Ereignissen führen. So ist vor wenigen Tagen in Österreich ein 24 Jahre alter Skifahrer tödlich verunglückt, als er an einer Pistenraupe vorbeifuhr und ein gespanntes Seil übersah. Auch in unserem Skigebiet hatten wir diese Saison schon zwei Vorfälle, bei denen Leute mit gespannten Windenseilen in Kontakt kamen. Beide kamen mit dem Schrecken davon.

Was ist vorgefallen?

Sie waren auf den Pisten unterwegs, als diese bereits geschlossen waren. Das ist nicht nur strengstens verboten für nicht Befugte, sondern auch lebensgefährlich. Wir orientieren deshalb zum Beispiel die Gastronomiebetriebe in unserem Skigebiet Anfang Saison mit eingeschriebenen Briefen, dass sie ihre Gäste auf diese Gefahr hinweisen sollen. Aber viele Leute lassen sich davon nicht abschrecken. Wir haben vom Spaziergänger über den Tourenskifahrer bis hin zu Bikern Leute wegweisen müssen, weil sie sich auf gesperrten Pisten aufhielten.

«Windenseile wurden früher nur in den steilsten Gebieten eingesetzt, aber ihre Verbreitung ist stetig gestiegen.»

Was ist denn so gefährlich an diesen Windenseilen?

Weil diese Stahlseile Längen von bis zu 1,5 Kilometern aufweisen, entfalten sie eine enorme Spannung und können mehrere Meter seitwärts und in die Höhe ausschlagen. Weil die Pistenpräparation häufig in der Dämmerung oder der Nacht erfolgt, sind diese 11 bis 14 Millimeter dicken Seile zudem kaum sichtbar.

Wo kommen solche Seile zum Einsatz ?

Windenseile wurden früher nur in den steilsten Gebieten eingesetzt, aber ihre Verbreitung ist stetig gestiegen. Sie werden auch eingesetzt, um Raupenfahrzeuge zu unterstützen, wenn sie etwa technisch erzeugten Schnee in höhere Lagen transportieren müssen. Zudem werden heutzutage immer mehr Pisten präpariert.

Wer entscheidet, wo solche Seile eingesetzt und verankert werden?

Das ist Sache der Skiliftbetreiber. Meistens sind es dann die Pistenchefs, die das Gebiet gut kennen und entscheiden, wo die Verankerungspunkte gesetzt werden.

Wie wird das kontrolliert?

Das liegt in der Verantwortung der Betreiber der Skilifte. Das wird weder zertifiziert, noch von einer Behörde kontrolliert.

Braucht es einen speziellen Ausweis, um ein Pistenfahrzeug zu lenken?

Dafür ist keine Ausbildung vorgeschrieben, ausser dass der Lenker über einen gültigen Fahrausweis für Personenwagen verfügen muss. Wir instruieren unsere Fahrer sehr sorgfältig und legen viel Wert auf eine gute Kommunikation. Zudem versuchen wir, sie stetig zu sensibilisieren, wie gefährlich Windenseile werden können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch