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«Das Gesundheitssystem wird schnell an seine Grenzen stossen»

Das BAG erwartet, dass die Anzahl der Infizierten ansteigen wird. Schweizweit gibt es eine Kampagne zur Information.

Das BAG informiert zur aktuellen Lage und zur Lancierung der Bevölkerungskampagne. Foto: Alessandro della Valle/Keystone
Das BAG informiert zur aktuellen Lage und zur Lancierung der Bevölkerungskampagne. Foto: Alessandro della Valle/Keystone

Nach dem Fall im Tessin sind in der Schweiz drei weitere Fälle von Erkrankungen mit dem Coronavirus bestätigt. Es handelt sich um einen Mann aus dem Kanton Genf sowie zwei Personen aus dem Kanton Graubünden. (zum Bericht).

Die Zahl der positiv getesteten Fälle in der Schweiz steige damit auf vier. «In den letzten Stunden ist die Beunruhigung in der Schweiz stark angestiegen», sagt Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten des BAG. Er dankt den Ärzten, die sich um die Fälle kümmern und an ihre Grenzen stossen.

Circa 20 Personen sind in Quarantäne

Allein seit gestern wurden laut Koch 130 Verdachtsfälle abgeklärt. «Wir warten auf die Laborergebnisse. Im Moment haben wir vier bestätigte Fälle, denen es gesundheitlich den Umständen entsprechend gut geht.» Alle Personen hätten sich in Italien angesteckt. Die Infizierten seien isoliert. Alle Kontaktpersonen seien in Quarantäne genommen worden – das betreffe aktuell ungefähr 20 Personen. «Die beiden Infizierten in Graubünden sind Mitglieder einer Familie. Sie wurden gemeinsam isoliert», sagt Koch.

Der Bund erwartet, dass die Anzahl der Infizierten in der Schweiz nun täglich ansteigen wird. «Das jetzige System wird schnell an die Grenzen stossen. Solange die Kantone dies noch können, werden wir versuchen, alle Fälle zu entdecken.» Wenn dies nicht mehr möglich sei, werde man sich schnell auf die schwereren Fälle konzentrieren. «Die meisten Fälle sind harmlos, und die Personen genesen von selbst», so Koch.

Sehr bald werde man die Kräfte auf die schweren Fälle konzentrieren müssen. «Das hängt nicht von einer konkreten Fallzahl ab, sondern von der Schnelligkeit der Ausbreitung. Es kann aber relativ schnell geschehen, dass wir damit anfangen.» Laut Koch ist es möglich, das Virus noch zu stoppen.

Coronavirus-Hotline ab sofort 24 Stunden erreichbar

Wann das Epidemiengesetz in Kraft tritt, ist laut Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit, noch unklar. «Wir evaluieren die Situation mit den Kantonen täglich. Wir sprechen auch über die Fragestellung über Grossveranstaltungen. Der Bundesrat wird zum geeigneten Zeitpunkt den Übergang von der Normal- zur Sonderlage beschliessen.»

Am Montag will der Bund eine neue Internetseite zum Thema aufschalten: www.bag-coronavirus.ch. Die telefonische Coronavirus-Hotline des Bundes ist ab sofort 24 Stunden pro Tag erreichbar.

Auf die Frage, wie schlimm das Coronavirus im Vergleich zu anderen Viren ist, sagt Daniel Koch: «Jede Epidemie hat ihre eigenen Charakteristika. Es ist ein Unterschied: Bei Sars war die Schweiz nicht betroffen, wir hatten mehr Zeit zu informieren. Jetzt geht es viel schneller.»

Koch bestätigt auf Anfrage eines Journalisten, dass es ein Problem mit der Verfügbarkeit von Atemschutzmasken gibt. «Der Bund hat ein Lager mit verschiedenen Masken. Wir sind dabei, einen Teil in den Kantonen zu verteilen», sagt Koch. Die Masken FFP2 seien für Ärzte gedacht; die Hygienemasken für die Kranken, Patienten mit milden Symptomen. «Sie sind unnötig für die breite Bevölkerung. Es ist nicht bewiesen, dass sie die Übertragung verhindern. Sie sind nötig bei den Kranken.»

«Schützen sie sich selbst und andere»

Pascal Strupler erläutert die neue Informationskampagne des Bundes. «Sie zeigt auf, wie man sich mit einfachen Massnahmen selbst schützen kann.» Er appelliert an die Solidarität, sich an die Massnahmen zu halten. «Schützen Sie sich selbst und andere.» Bereits gestern habe der Bund die Information im Tessin an der Grenze gestartet. «Es ist äusserst wichtig, dass sich die Bevölkerung daran hält.» Sobald neue Massnahmen nötig würden, werde man die Kampagne anpassen.

Ein Schweizer Beamter verteilt an der Grenze zu Italien Flyer der neuen Informationskampagne des Bundes. Foto: Keystone
Ein Schweizer Beamter verteilt an der Grenze zu Italien Flyer der neuen Informationskampagne des Bundes. Foto: Keystone

«Die Hände spielen bei der Übertragung die wichtigste Rolle. Fassen Sie sich nicht ins Gesicht», sagt Leiterin Sektion Infektionskontrolle des BAG, Virginie Masserey. Deshalb rät der Bund, sich häufig die Hände mit Seife zu waschen oder die Hände zu desinfizieren: vor dem Essen, bevor man einen Kranken besucht, nach der Toilette, nach dem Berühren von Oberflächen. Ebenso empfehle man Papiertaschentücher.

«Wenn man Symptome hat wie Fieber, soll man zu Hause bleiben, den Kontakt mit Menschen meiden und sich an einen Arzt wenden.» Es sei wichtig, dass alle in der Schweiz diese Regeln kennen würden. Die Botschaften sind deshalb mit Piktogrammen und Videos visualisiert.

1000 Plakate an der Grenze

Die Kampagne müsse einfach und verständlich sein, bestätigt auch Simone Eigenmann, Leiterin Sektion Prävention und Promotion. «Sie muss aufgrund der sich rasch ändernden Situation anpassbar sein.» Ebenso müsse sie verschiedene Zielgruppen ansprechen. «Es geht darum, dass wir sagen: Es geht uns alle an, alle können etwas tun.» Es sei ganz wichtig, dass die Kampagne didaktisch gut sei. «Die Herausforderung ist, dass wir neben der restlichen Werbung auffallen.» Es müsse daneben klar sein, dass es sich um eine offizielle Kampagne des Bundes handle. Man arbeite mit der Signalfarbe gelb. Auch das Logo des Bundes sei grösser als bei anderen Kampagnen. «Es geht um Eigenverantwortung und Solidarität.»

Die Kampagne trägt den Namen «So schützen wir uns». Neben dem Slogan stehen drei Piktogramme, die die Tipps illustrieren.

An der Grenze ist die Kampagne des Bundes bereits präsent. 1000 Plakate wurden aufgehängt, dazu kommen Flyer auf Raststätten. «Morgen werden wir stark präsent sein in den Printmedien», sagt Eigenmann. Nächste Woche komme dann Fernsehen hinzu sowie Plakate an Bahnhöfen und Flughäfen.

(SDA)

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