Verwirrung um Toblerone

Verliert die Toblerone wegen der Swissness-Vorlage das Schweizer Kreuz? Oder doch nicht? Der Bund will nun tatsächlich einlenken. Er schränkt eine besonders strenge Spezialregel deutlich ein.

Man darf hoffen, dass Toblerone weiterhin als Schweizer Produkt – mit Kreuz und Matterhorn – verkauft wird.

Man darf hoffen, dass Toblerone weiterhin als Schweizer Produkt – mit Kreuz und Matterhorn – verkauft wird.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die Schweiz will ihr Kreuz und ihren Namen besser schützen. Deshalb hat das Parlament 2013 die berühmt-berüchtigte Swissness-Vorlage in die Welt gesetzt. Sie soll regeln, wann ein Produkt mit dem weissen Kreuz und der Herkunftsbezeichnung Schweiz versehen werden darf. Das wirft endlos viele Fragen auf: Wann ist ein Güezi schweizerisch? Wann eine Aufbackpizza? Wie misst man den Schweizer Anteil einer Uhr? Um möglichst viele Details zu regeln, will der Bundesrat noch dieses Jahr mehrere Verordnungen beschliessen.

Viele Branchen und Firmen meldeten in den letzten Monaten ihre Bedenken an. Ein Warnruf stiess auf speziell grosses Interesse: Allenthalben wurde über den Mondelez-Konzern berichtet, der warnte, er müsse seine Toblerone-Schokolade künftig womöglich ohne Schweizer Kreuz verkaufen.

Der Grund: Gemäss dem Verordnungsentwurf gelten die besonders strengen Ansätze, die das Parlament zur Freude der Bauern für Milch und Milchprodukte festgelegt hat, auch für Schoggi. Mehr noch: In sämtlichen Produkten, die auch nur einen Tropfen Milch enthalten, müssten 100 Prozent der verwendeten Milch aus der Schweiz stammen.

Wackelt sogar der Standort?

Mondelez setzte daraufhin die Warnung ab, in diesem Fall verzichte man aus Kostengründen vielleicht lieber auf das rote Kreuz. Nach Medienberichten stellte Mondelez sogar den Produktionsstandort Schweiz infrage.

Im Juni kam die Entwarnung: Bundesrätin Simonetta Sommaruga verbannte die Warnungen ins Märchenreich. Sie erklärte im Parlament, die 100-Prozent-Regel gelte für Toblerone nicht, da Schokolade kein Milchprodukt sei. Alles paletti also – Toblerone darf den roten Pass behalten.

Milchklausel gilt nicht

Oder doch nicht? Dieser Tage erschien in der NZZ ein Artikel, in dem der Toblerone-Warnruf aufs Neue ertönte. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) halte an der engen Auslegung der Swissness-Regeln fest, heisst es da. Und wieder erklärt Mondelez, allenfalls sei gar der hiesige Standort gefährdet.

Ja was denn nun? Droht wegen der Swissness-Vorlage Toblerone und Co. nun doch wieder die Ausbürgerung? Was gilt nun? Wer hat recht?

Die Bundesrätin. Dies ergibt die Anfrage beim BLW. Demnach entsprechen die Angaben im Artikel der NZZ dem Stand des ursprünglichen Entwurfs der Swissness-Verordnungen. Sommarugas Aussagen im Parlament hingegen seien aktueller: Diese basierten auf den Änderungen an den Verordnungsentwürfen, die aufgrund der Rückmeldungen aus der Vernehmlassung und den Rechtskommissionen des Parlaments bereits vorgenommen worden seien.

Mit anderen Worten: Die strenge 100-Prozent-Klausel gilt nun doch nur für Milchprodukte, nicht aber für Toblerone und andere Lebensmittel. Diese müssen «nur» die normalen Swissness-Regeln erfüllen: 80 Prozent des gesamten Rohstoffgewichts müssen aus der Schweiz stammen, und die «wesentliche Verarbeitung» muss hier stattfinden.

Branche hadert weiterhin

Mondelez wollte am Mittwoch zur Verwirrung nicht selber Stellung nehmen, sondern verwies an den Branchenverband Chocosuisse. Dessen Direktor Urs Furrer bestätigt, man sei vom BLW kürzlich informiert worden, dass der fehlerhafte Verordnungsentwurf korrigiert werde. Einblick in die neue Fassung habe man aber nicht erhalten.

So oder so will Furrer nicht entwarnen: Er sieht ein konkretes und ein grundsätzliches Problem. Konkret werde es etwa für Hersteller von Fair-Trade-Schokolade schwierig bis unmöglich, gleichzeitig das Label des fairen Handels und das Schweizer Kreuz zu verwenden. Grundsätzlich werde es noch schwieriger, im geschützten Hochpreisagrarmarkt der Schweiz Schoggi und Güezi herzustellen und zu exportieren.

Berner Zeitung

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