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Urteil facht Valser Dorfstreit neu an

Der Unternehmer Remo Stoffel, der das Thermenhotel in Vals sanieren soll, ist strafrechtlich verurteilt worden. Was heisst das für das Projekt?

Die Valser Therme von Peter Zumthor, die den Architekten und das Dorf weltbekannt machte.
Die Valser Therme von Peter Zumthor, die den Architekten und das Dorf weltbekannt machte.
Keystone

Er begann als Banklehrling und ist heute, mit erst 35 Jahren, mehrfacher Millionär. Sein Liegenschaftsimperium wird von Fachleuten auf über 500 Millionen Franken geschätzt. Er hat sich als Unternehmer viele Feinde gemacht, unter ihnen auch ehemalige Geschäftspartner. Es laufen mehrere Untersuchungen und Strafverfahren gegen ihn, unter anderem durch die Eidgenössische Steuerverwaltung. Dennoch konnte Remo Stoffel bis vor kurzem unwidersprochen sagen, er habe noch keinen einzigen strafrechtlichen Prozess verloren.

Das könnte sich ändern. Wie gestern bekannt wurde, ist der Bündner Unternehmer wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung erstinstanzlich verurteilt worden. Das Bezirksgericht Maloja sprach eine Strafe von 240'000 Franken gegen Stoffel aus, bedingt auf zwei Jahre. Zudem muss der Immobilienhändler eine Busse von 10'000 Franken und zwei Drittel der Verfahrenskosten zahlen.

Streit nach einem Konkurs

Vom Vorwurf, Gläubiger bevorzugt oder geschädigt zu haben, wurde Stoffel indes freigesprochen. Er bekommt dafür 30'000 Franken Entschädigung. Die Freisprüche lösen beim Verurteilten Genugtuung aus, das jedenfalls lässt Stoffel über seinen Sprecher Jan Freitag ausrichten. Das Urteil hingegen wird er ans Kantonsgericht weiterziehen; es ist noch nicht rechtskräftig. Er halte das Urteil für falsch und könne es juristisch nicht nachvollziehen, lässt Remo Stoffel ausrichten.

Der Anlass für die Verurteilung liegt sieben Jahre zurück. Und er ist entschieden weniger bedeutend als der Verurteilte. Es geht um die umstrittene Rolle, die Remo Stoffel beim Konkurs eines Cafés und einer Bäckerei in Pontresina spielte. Stoffel habe zulasten der Gläubiger Eigeninteressen verfolgt, warf ihm die Bündner Staatsanwaltschaft vor. Stoffel entgegnete, er habe einer Geschäftspartnerin in einer Notsituation beigestanden. Staatsanwalt Maurus Eckert zeigte sich gestern befriedigt über den teilweisen Schuldspruch, wollte das Urteil aber erst kommentieren, wenn er die Urteilsbegründung gelesen habe.

Austausch von Gehässigkeiten

Schon jetzt zu reden gibt das Urteil in Stoffels Heimatgemeinde Vals. Dort hatte sich der streitbare Unternehmer nach einem langen Dorfstreit gegen den ebenso streitbaren Basler Architekten Peter Zumthor durchgesetzt. Zumthor hatte in den 90er-Jahren die Valser Therme geschaffen, die ihn und das Dorf weltberühmt machte. Nun soll das dazugehörende überalterte Hotel verkauft und saniert werden. Zumthor und Stoffel traten am 9. März vor der Gemeindeversammlung gegeneinander an, Stoffel gewann. Er und der lokale Steinbruchunternehmer Pius Truffer konnten die Mehrheit überzeugen, dass ihr Projekt besser sei für das Dorf.

Obwohl der Entscheid drei Monate zurückliegt, kommt Vals nicht zur Ruhe. Bei jeder Gelegenheit brechen alte Konflikte wieder auf, werfen sich die Streitparteien Lügen, Illoyalität und schädliches Verhalten vor. Die Lokalpolitik ist verseucht, die Beziehungen sind gespannt.

Entsprechend heftig und auch widersprüchlich fallen die Reaktionen der lokalen Kontrahenten aus. Der Schriftsteller Peter Schmid, ein Wortführer der zumthorschen Fraktion, spricht von einer «Rufschädigung für das ganze Dorf, die ich für katastrophal halte». Als Unternehmer habe Remo Stoffel schon lange keinen guten Ruf, sagt er; sollte sich das Urteil gegen ihn bestätigen, werde sein Ruf noch schlechter werden. Schlimmer noch: Viele Valser Bürger müssten sich jetzt fragen, ob man diesem Mann überhaupt trauen könne. «Wer garantiert, dass Stoffel uns nicht betrügen wird? Wer garantiert, dass es nicht zu weiteren Urteilen kommt und er hier gar nicht bauen kann?»

Niemanden erdrücken

Nun sind erstinstanzliche Verurteilungen nicht günstig für einen Unternehmer, zumal wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Dennoch lässt sich Pius Truffer, Stoffels Partner beim geplanten Hotelneubau, vom Urteil des Bezirksgerichts Maloja nicht beirren. Er hält es für milde angesichts der Behauptungen von Remo Stoffels Gegnern. «Die geschürte Aufregung steht in keinem Verhältnis zum Entscheid des Gerichts», sagt er.

Schon deshalb sei klar, dass «wir unseren Weg weitergehen werden wie geplant.» Seine Gelassenheit erklärt Truffer damit, dass der Widerstand gegen ihn und Stoffel zwar laut sei, aber nicht sehr gross. «Wir wollen niemanden erdrücken», sagt er, «wir wollen überzeugen.» Er hoffe doch sehr, dass auch die Gegner ihnen glaubten: «Unser Ziel ist es, etwas Schönes für Vals zu schaffen.»In einem einzigen Punkt sind sich Pius Truffer und Peter Schmid, die ehemaligen Verbündeten, auch als erbitterte Gegner noch einig: Der Streit tut dem Dorf nicht gut. Fortsetzung folgt.

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