Unser Mann für die OSZE

Schon bald könnte mit Thomas Greminger ein Schweizer Diplomat Generalsekretär der OSZE werden. Seine Karten sind gut. Er wäre der richtige Mann, sagt Diplomat und Nationalrat Tim Guldimann.

Thomas Greminger erwarb sich 2014 in Wien einen guten Ruf.

Thomas Greminger erwarb sich 2014 in Wien einen guten Ruf.

(Bild: EDA)

Christoph Aebischer@cab1ane

«Kein Selbstdarsteller, bestens vernetzt, pragmatisch.» Mit diesen Attributen versieht der Zürcher SP-Nationalrat und Aussenpolitiker Tim Guldimann den 56-jährigen Thomas Greminger. Das ist ein dickes Kompliment von Diplomat zu Diplomat und eine weitere Empfehlung an die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Greminger hat gute Chancen, deren Generalsekretär zu werden. Wann, ist offen. Sein Bewerbungsdossier liegt schon seit vergangenem Februar in Wien, der Posten ist seit dem 1. Juli vakant.

Wahl muss einstimmig sein

Das lange Wahlprozedere ist nicht Greminger anzulasten. Es hängt mit den komplizierten und verschlungenen Prozessen zusammen, wie die OSZE ihre Entscheidungen trifft. Am Ende müssen die 57 Mitgliedstaaten den Generalsekretär einstimmig wählen. Da gleichzeitig noch andere Spitzenpositionen zu besetzen sind, wird hinter den Kulissen ein für alle Seiten akzeptables Paket geschnürt.

Neben Gremingers Leistungsausweis – er empfahl sich ins­besondere als rechte Hand von Aussenminister Didier Burkhalter während des Schweizer OSZE-Vorsitzes 2014 – sieht Guldimann weitere Gründe, die für den jetzigen Vizedirektor der ­Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit sprechen. «Für Russland ist ein Kandidat akzeptabler, der keinem Nato-Staat -angehört», erläutert er.

Auch Deutschland – in der OSZE eine gewichtige Stimme – habe 2014 gute Erfahrungen mit der Schweiz gemacht, sagt der ehemalige Schweizer Botschafter in Berlin und Sondergesandte in der Ukraine. Gemäss Medienberichten ist Greminger klarer Favorit für den Job.

Aussenminister mischte mit

Auf der Website des Aussendepartement ist das Bewerbungsdossier Gremingers mit repräsentablem Foto aufgeschaltet. Es skizziert die Eckpunkte von Gremingers Karriere: In Luzern geboren, im zürcherischen Adliswil aufgewachsen studierte er an der Universität Zürich Geschichte. Das Studium schloss er mit dem Doktortitel ab. Greminger ist Generalstabsoffizier in der Schweizer Armee und seit 1990 Mitglied des diplomatischen Korps.

Als vorläufigen Höhepunkt kann man das Jahr 2014 bezeichnen, als er während des Schweizer Vorsitzes den Ständigen Rat der OSZE leitete. Zusammen mit Burkhalter gelang es ihm überraschend, Russland von einer OSZE-Beobachtermission im Osten der Ukraine zu überzeugen. Greminger, der derzeit in Bern lebt, ist Vater von vier Töchtern.

Lanciert wurde Gremingers Kandidatur von Aussenminister Burkhalter. Wie das geschah, imponiert Guldimann. Burkhalter habe dies unaufdringlich in der Form eines guten Angebots getan: «Take it or leave it!»

Wien will nicht spekulieren

Sollte Greminger die Wahl schaffen, brächte dies zwar nicht die Aufmerksamkeit von 2014 zurück, als die Schweiz internationale Anerkennung erhielt für ihre Vermittlungsrolle im Ukraine-Konflikt. Aber laut Guldimann würde es die Rolle der Schweiz ­innerhalb der OSZE dank informeller Nähe stärken.

Eine Amtsperiode dauert jeweils drei Jahre und kann um eine weitere verlängert werden. Bis Ende Juni bekleidete der Italiener Lamberto Zannier das Amt des Generalsekretärs. Derzeit hat Österreich den jährlich wechselnden OSZE-Vorsitz und ist damit auch für die Kommunikation zuständig. Man wolle die Per­sonalfragen «schnellstmöglich» klären, schreibt die Medienbeauftragte.

Über den Zeitpunkt ei­ner Einigung könne man jedoch nicht spekulieren. Nach den formellen Beschlüssen des OSZE-Ministerrats würde der gewählte Generalsekretär sofort das Amt antreten. Gemäss NZZ könnte diese Klärung bereits diese Woche anlässlich eines informellen Treffens des Ministerrats erfolgen. Guldimann hofft, dass Greminger das Rennen macht: «Es wäre super, wenn es klappen würde.»

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