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Umstrittene Millionenspende an die Uni Genf

Der kuwaitische Scheich Nasser Mohammed hat der Universität Genf 2017 über eine Million Franken zukommen lassen. Das Geld floss an einen Lehrstuhl für ­Hydropolitik der Unesco sowie in einen Stipendienfonds für einen Studierendenaustausch zwischen den Universitäten in Genf und Kuwait.

Scheich Nasser betont gerne, er habe in den 60er-Jahren an dieser Universität studiert. Genauer, an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Universität sagt auf Anfrage, sie könne nicht bestätigen, dass der Scheich in Genf einen Abschluss machte. «In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre sind nicht alle erworbenen Abschlüsse registriert worden», führt Sprecher Gérard Cattaneo aus. Darüber hinaus könne man nicht ausschliessen, dass er aus Gründen der Vertraulichkeit und der Sicherheit unter falschem Namen studierte.

Ein Fest und eine Medaille

Die Millionenspende war auch in der Strafuntersuchung ein Thema, die die Genfer Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Streit zwischen Scheich Nasser und seinem Cousin führt. Zum einen, weil der ermittelnde Staatsanwalt Stéphane Grodecki an der Universität Genf einen Lehrauftrag hat. Zum anderen, weil unklar ist, ob die Universität die Herkunft des Geldes überprüft hat, handelt es sich bei Scheich Nasser doch um eine sogenannt politisch exponierte Person (PEP).

Als ein Anwalt bei einer Einvernahme die Verflechtung von Grodecki mit der Universität ansprach, intervenierte Grodecki; dies habe mit der Strafuntersuchung nichts zu tun. Scheich Nasser wiederum strich seine Studienzeit heraus und betonte, die Universität habe nach der Spende Festivitäten zu seinen Ehren organisiert und ihm eine Medaille verliehen. Auf die Frage eines Anwalts, ob die Universität ihn wegen der Herkunft des Geldes befragte, sagte der Scheich, das wisse er nicht, es handle sich um ein humanitäres Projekt.

Universitätssprecher Cattaneo sagt, die Spender würden in einem zweistufigen Verfahren aufgrund der Kriterien einer Fundraising-Charta überprüft. Dazu gehörten mitunter Abklärungen zur Herkunft des Vermögens. Am Ende kontrolliere auch die Bank, welche die Geldspende auf das Konto der Hochschule transferiere, den Spender. Offenbar meldete niemand Bedenken an.

Der Genfer Stadtrat und Nationalrat Guillaume Barazzone (CVP) reiste im Oktober 2017 nach Kuwait, um sich bei Scheich Nasser persönlich für die Millionenspende zu bedanken. Seine Reise hatte ein Nachspiel, weil Barazzone der Stadt über 7000 Franken für die sechstägige Reise verrechnete, obschon ihm die Übernachtungen offeriert wurden. Genfs Stadtpräsident Sami Kanaan sagte: Diese Reise wäre nicht nötig gewesen. Bedankt hatte sich die Universität bei Scheich Nasser schon mit dem Fest und einer Medaille.

Philippe Reichen

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