Sturmgewehr: nein danke!

Nur jeder zehnte Soldat übernimmt seine Armeewaffe nach der Dienstzeit, jährlich geben Tausende sie zurück.

Das Sturmgewehr 90 wird immer öfter «ausgemustert». Foto: Samuel Schalch

Das Sturmgewehr 90 wird immer öfter «ausgemustert». Foto: Samuel Schalch

Daniel Foppa@DFoppa

Für die Gegner der neuen Waffenrichtlinie, über die am 19. Mai abgestimmt wird, steht viel auf dem Spiel. «Es droht die Zerstörung unserer bestens funktionierenden und weltweit einzigartigen ‹Gun Culture›», schreibt das gegnerische Komitee. Nach einem Ja zur Vorlage wäre die Waffe des Milizsoldaten nicht mehr die Waffe des Bürgers, warnt die Gegnerschaft, die von den SVP-Nationalräten Jean-François Rime und Werner Salzmann angeführt wird.

Schaut man sich allerdings Zahlen der Armee an, ist es um die Verbundenheit des Milizsoldaten mit seiner Ordonnanzwaffe nicht mehr sonderlich gut bestellt. So wollen immer weniger Soldaten nach der Beendigung der Dienstzeit ihre Waffe übernehmen. 2004 haben noch 43 Prozent aller aus der Wehrpflicht entlassenen Armeeangehörigen ihre Ordonnanzwaffe als Eigentum mit nach Hause genommen. Im Folgejahr sank der Anteil auf 29 Prozent. Der Grund: Seit 2005 muss man für die Übernahme des Sturmgewehrs 100 Franken und für eine Pistole 30 Franken Bearbeitungsgebühr bezahlen.

Rückgang auf 13 Prozent

2010 folgte der nächste Einbruch: Nur noch 15 Prozent der Soldaten wollten ihre Waffe übernehmen – im Vorjahr waren es noch 30Prozent gewesen. Diesmal lag der Grund in der Auflage, dass Soldaten für die Übernahme der Waffe neu einen Waffenerwerbsschein ausfüllen müssen. Zudem müssen sie in den drei Jahren vor der Ausmusterung mindestens zweimal das Obligatorische und zweimal das Feldschiessen absolviert haben. Seit der Einführung dieser Bestimmung übernehmen weniger als 15Prozent der ausgemusterten Armeeangehörigen ihre Waffe. Letztes Jahr waren es noch 13Prozent, die total 2287 Sturmgewehre und 811 Pistolen mit nach Hause nahmen.

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«Die Zahlen beweisen, welche Folgen jede weitere Verschärfung des Waffenrechts hat», sagt SVP-Mann Salzmann. Die Ausnahmebewilligung, die Sportschützen künftig für den Erwerb eines Sturmgewehrs benötigen, dürfte viele Schützen abschrecken. «Das zeigt, wie massiv diese Vorlage dem Schiesssport schadet», sagt Salzmann. Aber belegen die Zahlen nicht auch, dass den Soldaten nicht mehr viel an ihrer Dienstwaffe liegt, wenn sie diese wegen kleinerer Verschärfungen gleich abgeben? Salzmann widerspricht. «Der geforderte Schiessnachweis ist streng und kann etwa wegen Auslandaufenthalts nicht immer erbracht werden.» Zudem seien die Soldaten bei der Entlassung aus der Armee jünger als früher, wodurch ihre allfällige Verbundenheit mit einem Schiessverein nicht so ausgeprägt sei.

18 Tonnen Waffen pro Jahr

Den gut 3000 Armeewaffen, die letztes Jahr in privaten Besitz übergingen, steht eine grössere Zahl an Waffen gegenüber, die jährlich in Zeughäusern und auf Polizeiposten zurückgegeben werden. So nimmt allein die Armee pro Jahr rund 18 Tonnen Waffen zurück, was gut 4000 Sturmgewehren entspricht. Eine Statistik über die genaue Zahl und Art der zurückgenommenen Waffen führt die Armee nicht.

Ebenso unklar ist, wie viele Schusswaffen pro Jahr auf den Polizeiposten abgegeben werden. Eine nationale Statistik fehlt, und die einzelnen Polizeikorps unterscheiden zum Teil nicht nach Art der abgegebenen Waffen. So wurden im Kanton Zürich in den letzten Jahren jeweils rund 3,5 Tonnen Waffen pro Jahr abgegeben. Im November plant der Kanton zudem eine grössere Rückgabeaktion in Winterthur. Die Berner Kantonspolizei hat in den letzten Jahren im Schnitt zwischen 2000 und 3000 Waffen aller Art zurückerhalten, in Basel-Stadt waren es 100, im Aargau 900 und in St. Gallen 500 Waffen. Die Zahlen sind in allen angefragten Kantonen stabil, eine Zunahme – etwa im Hinblick auf die neue Waffenrichtlinie – ist bisher nicht feststellbar. Alle zurückgegebenen Waffen werden vernichtet.

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